Simulierte Bewerbungsgespräche: Was bei einer Vorstellung wichtig ist

Von: Heiner Schepp.
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Die Nächste bitte: Henning Sybertz von der Handwerkskammer war einer von drei Gesprächspartnern in den simulierten Bewerbungsgesprächen für Laura Kaulartz, Anna-Melinda Maaßen, Adelina Von der Stein, Ramona Respondek und Carolin Weber (von rechts). Foto: Heiner Schepp
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Drei gegen Eine: Katharina Rader machte im simulierten Bewerbungsgespräch trotz anfänglicher Nervosität eine gute Figur. Foto: Heiner Schepp

Monschau. Nein, so richtig weiß Katharina nicht, wo sie gerade ihre Hände hintun soll – auf oder unter den Tisch, gekreuzt oder auseinander? Erst später, im sogenannten „Feedback-Gespräch“, erfährt die 15-Jährige: „Die Hände gehören über den Tisch, und zwar ruhig, wenn man sie nicht gerade als Unterstützung des Gesprochenen benötigt.“

Gestik und Haltung sind wichtige Kriterien, wenn man in einem Bewerbungsgespräch sitzt. Was dann sonst noch wichtig ist, erfuhren die Schülerinnen der zehnten Klassen der St. Ursula-Realschule nun im Unterricht an außerschulischen Lernorten: In den drei Rathäusern Roetgen, Simmerath und Monschau fanden im Rahmen des Politikunterrichts die sogenannten „simulierten Bewerbungsgespräche“ statt, in den sich die 15- bis 17-Jährigen für eine fiktive Ausbildungsstelle vorstellen mussten.

Ein bunter Branchenmix

Dabei sahen sie sich realen Gesprächspartnern gegenüber, die in ihrem Unternehmen oder ihrer Institution auch im „richtigen Leben“ Bewerbungsgespräche führen. Ein bunter Mix aus allen Branchen war da vertreten: Agentur für Arbeit, die drei Eifelverwaltungen und die Handwerkskammer, Banken, Finanzamt und die AMU, Mon-Touristik, Wasserwerk, AOK, Krankenhaus und mehr entsandten an drei Tagen Vertreterinnen und Vertreter, die den Bewerberinnen auf den Zahn fühlen sollten.

„Es ist einfach authentischer, die simulierten Bewerbungsgespräche nicht in der vertrauten Umgebung, sprich: in der Schule zu machen, sondern in fremden Räumlichkeiten“, weiß Stephan Janßen, Teamleiter Regional-Marketing der AOK, der an diesem Morgen im Monschauer Rathaus den Bewerberinnen gegenüber sitzt.

Diese kommen mit den unterschiedlichsten Berufswünschen: viele Erzieherinnen, Tierpflegerin und Banken, medizinische Berufe oder Architektin; manche mit ihrem tatsächlichen Berufswunsch, andere mit „irgendetwas“, weil sie sich noch nicht entschieden haben.

Auf eine frühe berufliche Orientierung aber wird an St. Ursula viel Wert gelegt, „schon in der Klasse neun zählt jede Woche eine Stunde Berufswahlvorbereitung zum Politikunterricht“, sagt Wolfgang Ophoven, der nicht nur Lehrer für Deutsch und Religion an der Mädchenrealschule ist, sondern auch der sogenannte „Berufswahlvorbereitungs-Koordinator“. Hier ist ihm neben praktischen Dingen an der Schule in kirchlicher Trägerschaft die Spiritualität der Arbeit ein besonderes Anliegen. „Arbeit ist für den Menschen nicht nur Broterwerb, sondern auch Lebensinhalt. Es ist uns wichtig, dies in einer Arbeitswelt, die geprägt ist von Burnout, Arbeitsplatzverlust und Überforderung, den Schülerinnen zu vermitteln“, so der engagierte Pädagoge.

Das aber ist heute nicht das Thema, heute geht es um ein möglichst reales Bewerbungsgespräch, und da ist die Reihe nun an Katharina Rader. Die 15-Jährige aus Rohren hat einen, zumindest für Mädchen nicht alltäglichen Berufstraum: Sie möchte Zweirad-Mechanikerin werden. Und so schlüpfen Stephan Janßen und seine beiden „Kolleginnen“ Anja Lindbüchel und Christa Wergen, die eigentlich bei der Agentur für Arbeit beschäftigt sind, nun in die Rolle eines Zweiradbetriebes, der eine(n) Auszubildende(n) sucht.

Plan B in der Tasche

Katharina erzählt ihren drei Gegenübern, warum es genau dieser Beruf sein soll, bringt ihre Begeisterung fürs Mofa- und Crossfahren gut rüber und bekundet, wie viel Spaß ihr das Praktikum im Zweiradfachgeschäft „Big Air Max“ gemacht hat.

Da die St. Ursula-Schülerinnen sogar drei Praktika absolvieren, hat die 15-Jährige Vergleichsmöglichkeiten: „In der Apotheke lief es nicht wie erhofft, da durfte ich nur Tabletten einräumen“, hatte sie sich erhofft, auch als Praktikantin Kunden bedienen oder Substanzen mischen zu können. Und die Arbeit im Kindergarten wäre zwar auch ein Traumberuf, „wird aber leider unter Wert bezahlt“, ist Katharina einer Meinung mit ihren Gesprächspartnern an diesem Vormittag.

Und so soll es eben die Zweiradmechanikerin sein. „Wie haben hier Bewerbungen von zehn kräftigen Kerlen – warum sollen wir eine junge Dame nehmen für die Ausbildung in einem Beruf, wo man auch mal schwer heben muss?“ provoziert Stephan Janßen, doch auf die Rollenfrage ist Katharina vorbereitet: „Weil ich Ahnung habe“, erwidert sie selbstbewusst und berichtet, dass sie bereits in einem Konzener Autohaus als Aushilfe arbeitet und hier bei Inspektionen, Öl- oder Reifenwechsel Praxiserfahrung sammelt.

„Würdest Du denn auch als Automechanikerin arbeiten? Da wären die Chancen auf einen Ausbildungsplatz doch viel größer“, sucht Stephan Janßen nach einem „Plan B“, falls es nichts wird mit dem Ausbildungsplatz. Die Bewerberin vereint, dann werde sie eher weiter zur Schule gehen und es später noch einmal versuchen, hält sie an ihrem Traum fest, sich einmal als Zweirad-Expertin selbstständig machen zu wollen. „Wir sollen Sie also für viel Geld ausbilden, damit Sie uns später Konkurrenz machen?“, weist Anja Lindbüchel die Kandidatin darauf hin, solche Pläne besser für sich zu behalten...

Ansonsten aber kommt Katharina Rader bei den drei „Prüfern“ gut an. „Sehr sympathisch und authentisch“, sind die Drei sich einig, „der Berufswunsch passt, wir hätten Dich alle drei als Auszubildende angenommen“, lobt Anja Lindbüchel im Namen der fiktiven Zweiradfirma nach dem Bewerbungsgespräch im zehnminütigen „Feedback“ .

Schon jetzt bewerben

Christa Wergen empfiehlt der jungen Dame: „Lass Dich jetzt schon bei der Berufsberatung für Deinen Wunschberuf registrieren und bewirb Dich schon jetzt!“ sagt die Frau von der Arbeitsagentur, und ihre Kollegin Anja Lindbüchel rät Katharina, sich den Notfallplan „Gymnasium und Abitur“ aus dem Kopf zu schlagen: „Ganz ehrlich. Da bist Du nicht der Typ für. Und: Auf dem Gymnasium ist Deine ‚5‘ in Französisch störend – bei einer Bewerbung als Zweiradmechanikerin wird sie wahrscheinlich niemanden mehr interessieren.“

Die drei Prüfer entlassen Katharina mit weiteren kleinen Tipps aus dem Bewerbungsgespräch: „Wenn Du am Ende gefragt wirst, ob Du noch Fragen hast, dann frage irgendetwas, um Dein Interesse zu signalisieren.“ Und sie geben dem Mädchen Tipps zu Kleidung, Gestik und Höflichkeit mit auf den Weg.

Wenn die 15-Jährige bald ein echtes Vorstellungsgespräch haben wird, dann weiß sie, was sie mit ihren Händen machen muss. Und in der Zweiradwerkstatt weiß Katharina das sowieso.

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