Monschau - Sekundarschule in der Nordeifel braucht Unterstützung

Sekundarschule in der Nordeifel braucht Unterstützung

Von: hes
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Modernisierte Gebäude, große Freiflächen, eine gute Ausstattung und eine wachsende Schulfamilie: Dennoch bereitet die Sekundarschule am Standort Simmerath derzeit der Schulpolitik einige Sorgen. Foto: H. Schepp

Monschau. Was bewegt Eltern, ihr Kind an einer weiter entfernt liegenden Schule anzumelden statt das schulische Angebot in der Nordeifel zu nutzen? Ist es mangelndes Wissen über die Arbeit der Schulen vor Ort? Fehlendes Vertrauen in die Arbeit der Einrichtungen vor der Haustür? Oder ist es nur das Festhalten an den alten Schulformen und ein Verschließen gegenüber neuen Wegen im Bildungssystem?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich nun intensiv der Bildungsausschuss der Stadt Monschau. Anlass waren die von der Verwaltung vorgelegten aktuellen Schülerzahlen und vor allem Angaben über das Wahlverhalten der Eltern vor dem laufenden Schuljahr 2017/18. Tenor der Debatte: Vor allem die Sekundarschule in Simmerath benötigt bei der positiven Außendarstellung dringend Unterstützung aus der Politik.

Auch Gymnasium betroffen

Der Schulverband Nordeifel hatte vor den Sommerferien ähnliche Zahlen wie die nun dem Monschauer Bildungsausschuss vorgelegten mehr oder minder nur zur Kenntnis genommen. „Diese Zahlen können aber so nicht unkommentiert bleiben“, hakte Brigitte Olschewski (SPD) ein, und auch Uli Kühn (CDU) betrachtete das Wahlverhalten vor allem der Eltern aus dem Simmerather Raum „mit großer Sorge“.

Immerhin 28 Kinder, die letzten Sommer das vierte Schuljahr der vormals vier Grundschulen in der Gemeinde Simmerath besucht haben, wurden für die neu gegründete Realschule Schleiden und das angeschlossene Gymnasium angemeldet. Die Entscheidung der 15 Eltern aus Kesternich resultiere wohl teils auch aus der Diskussion um die Grundschulschließung in Kesternich, „aber seinem Kind zweimal am Tag den Weg von Lammersdorf nach Schleiden zuzumuten – das geht mir nicht in den Kopf“, meinte Kühn, selbst Lehrer am Vossenacker Gymnasium.

Diese Entwicklung betreffe auch das St.-Michael-Gymnasium Monschau, stellte Brigitte Olschewski mit Blick auf die Zahlen fest. „Wo liegt der Vorteil an Schleiden? Bevorzugen die Eltern eine Konfessionsschule? Sehen sie den Vorteil im alten System mit Realschule und Gymnasium? Wir sollten einmal die Eltern befragen!“, forderte die Sozialdemokratin.

Bernd Händler (Grüne) wählte noch drastischere Worte: „Mit der Sekundarschule passiert gerade das Gleiche wie vor Jahren mit der Hauptschule: Die Eltern stimmen bei der Schulwahl mit den Füßen gegen das Bildungsmodell Sekundarschule ab. Wenn das so weitergeht, ist der Standort Simmerath in einigem Jahren platt, und dann haben wir in der Nordeifel kein Mittelschulangebot mehr für Jungen. Dann müssen die Kinder täglich nach Aachen, Düren oder Schleiden fahren, weil es vor der Haustür keine Real- oder Sekundarschule mehr gibt“, malte Händler schwarz und forderte: „Es muss jetzt auch im politischen Raum einmal klar und offen diskutiert werden, wie wir die Vorzüge unserer guten Sekundarschule besser nach außen und zu den Eltern tragen können.“

Bürgermeisterin Margareta Ritter, die auch Verbandsvorsteherin des Schulverbandes Nordeifel ist, bestätigte, dass es „die Schulleitung der Sekundarschule frustriert, dass sie nun in Simmerath zweizügig starten musste“. Auf der anderen Seite habe die Bezirksregierung zum neuen Schuljahr in den Klassen 8 und 9 einen vierten Zug für Simmerath sondergenehmigen müssen, damit die Sekundarschule alle Kinder aufnehmen kann, hauptsächlich „Rückläufer“, für die im fünften Schuljahr ganz offensichtlich die falsche Schule gewählt worden war.

Was das Wahlverhalten der Eltern angeht, erinnerte Ritter an die Botschaft „kein Kind verlieren“, die anstrebe, dass Grundschulabgänger aus der Stadt Monschau auch weiter eine Schule im Schulverband oder in der Nordeifel besuchen. Während dies für die Monschauer Kinder weitestgehend gelungen sei, könne davon in der Gemeinde Simmerath leider nicht die Rede sein (siehe Box).

Die Bürgermeisterin berichtete, dass die Schleidener Schulen im vergangenen Jahr vor der Anmeldephase „sehr aggressiv in der hiesigen Wochenzeitung geworben“ und dabei auch die Simmerather Grundschulen als „Bildungspartner“ genannt hätten.

„Die Grundschulen wussten nur nach eigenen Aussagen gar nichts davon“, berichtete Margareta Ritter. Auch hätten die Schleidener Schulen gezielt anonymisierte Flyer bei Viertklässlern im Simmerather Raum in die Briefkästen geworfen. „Da es allgemein bei vielen Eltern einen Trend zu Privatschulen ohne staatliche Einflussnahme gibt, fallen solche Abwerbemaßnahmen natürlich auf fruchtbaren Boden“, sagte die Bürgermeisterin.

„Das ist halt Wettbewerb“, mochte Ausschussmitglied Hans Kirch (Grüne) die Werbeattacke aus dem Nachbarkreis nicht zu hoch hängen und lenkte den Blick auf eine andere Zahl: „Wenn im letzten Sommer aus der Stadt Monschau 49 Viertklässler zum Gymnasium gewechselt sind, aber nur 15 zur Sekundarschule, dann frage ich mich: Sind so viele Kinder reif für das Gymnasium?

Der langjährige Realschullehrer mahnte zur Ruhe: „Wenn die Sekundarschule in anderthalb Jahren ihre ersten Realschulabschlüsse und Empfehlungen für das Gymnasium vorweisen kann, wird das die beste Werbung für die Schule sein“, glaubt Kirch. Dem stimmte Margareta Ritter zu: „Die Sekundarschule braucht dringend Bildungsabschlüsse. Die hervorragenden Förder- und Differenzierungsmöglichkeiten, die diese Schule bietet, scheinen bei vielen Eltern nicht anzukommen.“

Aggressives Marketing

Den ersten Abschlussjahrgang im Sommer 2019 abzuwarten, hält Brigitte Olschewski für den falschen Weg: „Warum machen wir nicht jetzt, ehe es in die Anmeldung für das kommende Schuljahr geht, genauso aggressives Marketing? Die Sekundarschule hat doch etwas zu bieten.“ Allerdings bewertete man die in den vergangenen Tagen geschalteten Zeitungsanzeigen der Schule als „eher unglücklich: zu viel Text und zu wenig Fokus auf die Vielfalt der Abschlüsse, die die Kinder hier machen können“, meinte Uli Kühn.

„Wir müssen jetzt gemeinsam eine Qualitätsoffensive starten und dafür sorgen, dass die Sekundarschule auch in den Köpfen der Menschen ankommt“, riet Matthias Steffens (CDU). Einen Beschluss gab es nach der knapp einstündigen Debatte über die Schülerzahlen nicht, wohl aber das einmütige Bekunden des Monschauer Bildungsausschusses, die Sekundarschule bei einer besseren Außendarstellung unterstützen zu wollen.

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