Eifel - Seifenkisten-Elite in Eicherscheid am Start

Seifenkisten-Elite in Eicherscheid am Start

Von: Peter Stollenwerk
Letzte Aktualisierung:
6118715.jpg
Marvin Isaac aus Eicherscheid gehört zu den Top-Favoriten beim Seifenkistenrennen in Eicherscheid. Foto: P. Stollenwerk

Eifel. „Wenn ich morgens in die Gesichter der Fahrer schaue, dann weiß ich, auf welchem Platz sie am Nachmittag landen werden“, sagt Karl-Heinz Roeben, Mitbegründer und engagierter Förderer der Eifeler Seifenkistenfreunde aus Eicherscheid.

Hoffentlich kann er am Samstag und am Sonntag an der Startrampe in viele entspannte und konzentrierte Gesichter seiner Fahrer schauen, denn die Eifeler Seifenkistenfreunde, die sich 2004 zusammenschlossen und deren Vereinsgerüst heute lediglich vier Familien um die Vorsitzende Renate Roeben bilden, sind vom heutigen 30. August bis 1. September 2013 zum zweiten Mal Ausrichter der deutschen Meisterschaft und der Europameisterschaft. Zum 65. wird der deutsche und zum 15. Mal der Europameister ermittelt.

Auf der anspruchsvollen Heimstrecke, der Bachstraße in Eicherscheid (280 Meter Länge), wäre es ein Traum, wenn die Seifenkisten-Piloten des Eifelteams noch einmal ganz oben aufs Treppchen fahren könnten so wie im Jahr 2006, als Lars Förster auf heimischer Strecke in der Senior-Klasse Deutscher und Meister und Europameister wurde oder wie ein Jahr später als Marvin Isaac mit ebenfalls zwei Meistertiteln das gleiche Kunststück gelang.

Marvin Isaac war damals 11 Jahre alt und stand noch ganz am Anfang seiner Laufbahn als Seifenkistenfahrer. Inzwischen hat der heute 18-Jährige bei knapp zehn Läufen pro Jahr, verteilt über ganz Deutschland, genug Erfahrung gesammelt, um zu wissen wie man ein Rennen angeht: „Man muss konzentriert sein, die Nerven behalten, nicht denken sondern fühlen“, bringt er das Renngeheimnis auf den Punkt.“

Seifenkistenrennen auf nationaler und internationaler Ebene haben rein nichts mehr zu tun mit der landläufigen Vorstellung von Holzkisten auf ausgedienten Kinderwagenachsen, die mehr oder weniger gerade eine abschüssige Straße herunterrollen.

Die Seifenkisten der Neuzeit sind Hightech-Konstruktionen, obwohl sie selbstverständlich wie seit jeher ohne Motor Tempo machen. Wie fein abgestimmt die windschnittigen, zigarrenförmigen Selbstbeschleuniger sind, zeigen auch die gemessenen Zeiten auf den bis 400 Meter langen Strecken. Es ist keine Seltenheit, dass nach vier Läufen die Abstände zwischen den Führenden nur wenige Hundertstel Sekunden betragen. Beim Rennen kommt es eben auf jede Feinheit an.

„Wer auf der Startrampe in der Sonne steht, hat schon einen kleinen Vorteil“, kennt Karl-Heinz Roeben die kleinen Stellschrauben, die über Sieg und Niederlage entscheiden können. Die rund 30 Kilogramm schweren Glasfaser-Kisten bringen es leicht und locker auf Tempo 50 und wie auf jeder Rennstrecke gilt es, die Ideallinie finden: „Ein Kanaldeckel ist tödlich“, weiß Marvin Isaac.

Deshalb stehen die Vereinsmitglieder auch während des Rennens an den kritischen Punkten, um darauf zu achten, dass die Kollegen in der Spur bleiben. „Wenn man auch nur kleinen Fehler macht, kann man den während des gesamten Rennens nicht mehr gutmachen“, erzählt Marvin Isaac wie wichtig es ist, hoch konzenriert zu bleiben. Jede zu intensive Bewegung mit den Lenkseilen muss ebenso vermieden werden wie eine Bandenberührung.

Fehler passieren schnell, vor allem weil die Fahrer flach wie auf einer Massagebank in ihren eng geschnitten Gefährten liegen und erst ab 12 Meter Entfernung die Straße überhaupt sehen können. In bestimmten Klassen sieht man während des Rennens nicht einmal die Vorderräder. Die Kugellager der Suppenteller-großen Räder sind ein wichtiger Faktor beim Tempo ebenso auch die Federung. Teilweise muss auch Gewicht nachgelegt werden. Wenn die Fahrer zu leicht sind, wird die Kiste bis zum maximal zulässigen Gesamtgewicht mit Blei aufgefüllt.

Komplett ausgestattet muss man für eine Seifenkiste in der Senior-Klasse rund 2000 Euro hinblättern, in den Anfängerklassen beginnt der Spaß bei 350 Euro.

Marvin Isaac gehört am Wochenende zu den Titel-Favoriten, auch weil er in den zurückliegenden Rennen Top-Zeiten gefahren ist. Mit dieser Rolle kann der 18-Jährige gut leben: „Das Erreichen ist Endlaufes ist für mich auf der Heimstrecke Pflicht.“ Was seine weiteren Ambitionen betrifft, sieht er „die Tagesform wichtiger als das Material.“ Eine Renn-Taktik hat er sich auch überlegt, und die klingt ebenso einfach wie überzeugend: „Laufen lassen!“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert