Imgenbroich - Schwede trainiert in den Eifelwäldern für Olympia 2012

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Schwede trainiert in den Eifelwäldern für Olympia 2012

Von: Heiner Schepp
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Nicht nur die knackige Steigung quasi vor seiner Haustür von Grünental hoch nach Imgenbroich bietet für Profi-Mountainbiker Anders Ljungberg und seine schwedische MTB-Kollegin Alexandra Engen hervorragende Trainingsmöglichkeiten. Besonders die Waldstrecken haben es den jungen Sportlern angetan. Foto: H. Schepp

Imgenbroich. Normalerweise wechselt Fahnensammler Manfred Ritzerfeld aus Imgenbroich wöchentlich das Banner an seinem Haus in Imgenbroich. Seit einigen Wochen aber flattert nun schon die blau-gelbe Flagge von Schweden im vielzitierten „Ömscher Wöngk” (Imgenbroicher Wind). Aus gutem Grund: Seit April wohnt hier der schwedische Berufsradfahrer Anders Ljungberg.

Der 27-Jährige Sportler hat in der Eifel seine Zelte aufgeschlagen, um mit dem ambitionierten Roetgener Firebike-Radsportteam trainieren und von hier aus besser zu Mountainbike-Rennen in halb Europa reisen zu können.

In die Eifel hat es den sympathischen Skandinavier verschlagen, „weil hier hervorragende Trainingsmöglichkeiten und Strecken für Mountainbiker zu finden sind”, und weil er per Internet auf das Firebiketeam aufmerksam wurde. „Die interessantesten Rennen wie Weltcup oder Bundesliga finden in Deutschland, Belgien, Österreich und in der Schweiz statt und sind hier von der Eifel aus gut und besser zu erreichen als von Schweden”, erläutert der 27-Jährige, warum es ihn ausgerechnet in die Eifel verschlagen hat.

Seit 2004 ist Anders Ljungberg Berufsradfahrer - doch danach hatte es in seinem ersten Rennen mit zwölf Jahren noch nicht ausgesehen: „Da bin ich mit dem Mountainbike gestürzt und wurde Letzter”, erzählt er lachend.

Der smarte Schwede glaubt auch nicht, dass ihm allzu viel Talent in die Wiege gelegt wurde: „Ich habe mir das, was ich kann, mit harter Arbeit antrainiert”, sieht er sich als Kämpfer.

Nicht das große Geld

Die Schufterei lohnte sich: Als Junior (17 bis 18 Jahre) gewann Ljungberg erstmals den Schweden-Cup, 2004 dann folgte der Entschluss, das Ingenieur-Studium ruhen zu lassen und sich ganz aufs Radfahren zu konzentrieren. Als Profi schlägt er sich seither mit Preisgeldern und Sponsorverträgen durch - das große Geld aber macht man damit nicht. „Das verdient man nur als Spitzenfahrer”, sieht Ljungberg sich hier noch in der zweiten Reihe.

Wie jeder Sportler, so hat auch der Schwede ein großes sportliches Ziel, und das heißt London. „Die olympischen Spiele 2012 sind meine letzte Chance”, glaubt er, nach den Spielen von London zu alt zu sein, auch wenn im Cross Country, wie die olympische Disziplin offiziell heißt, auch Fahrerinnen und Fahrer um oder über 30 Jahre schon Titel und Medaillen gewonnen haben.

Beim Cross Country geht es zwei Stunden lang und sieben Runden auf einen anspruchsvollen Parcours - anders als beim MTB-Marathon, der zwar über vier bis fünf Stunden geht, aber weit weniger kraftraubend ist als zwei Stunden Höchstbelastung. „In der Marathon-Disziplin fahren deshalb hauptsächlich Hobbyfahrer, im Cross Country mehr Profis”, weiß Ljungberg.

„Ich glaube daran”, zeigt sich Anders Ljungberg selbstbewusst und muss neben hartem Training - mindestens eine Stunde täglich - auch einen entsprechenden Lebenswandel an den Tag legen. „Mit Alkohol und Party sollte man sich als Profi schon etwas zurückhalten”, sagt er - was für einen Schweden in Deutschland aber gar nicht so nicht einfach ist: Schließlich ist gutes Bier hierzulande deutlich preiswerter als in Ljungbergs Heimat. Wenigstens darf er - neben gesunder Kost mit viel Obst und Gemüse - auch Süßigkeiten essen, damit Energie verbrannt wird.

Die Trainingsfahrten macht Anders Ljungberg übrigens nicht nur mit dem High-Tech-Mountainbike, sondern auch mit seinem Rennrad, „das ist ein gutes Training”, sagt der Radprofi und hat Respekt vor der Steigung geich vor seiner Haustür, vom Grünental hoch nach Imgenbroich: „Das ist auch für einen Profi schon ein hartes Brot”, so Ljungberg.

Kollegin aus Schwedin

Gesellschaft beim Training hatte er kürzlich zwei Wochen lang von einer Landsfrau: Alexandra Engen (21) weilte für einige Tage in Deutschland und kam ebenfalls bei den Ritzerfelds in Imgenbroich unter.

Die junge Schwedin ist wie Ljungberg Berufsfahrerin und hat ebenfalls die olympischen Spiele 2012 im Visier. Bei den letzten Olympics in Peking gehörte die talentierte Radsportlerin zu den großen Pechvögeln, als sie - schon in China weilend - vier Tage vor dem olympischen Rennen bei einer Trainingsfahrt stürzte, sich die Schulter brach und passen musste.

Nun haben Anders und Alexandra einen großen Traum, nämlich gemeinsam 2012 in London für Schweden zu starten. Und dann wird Manni Ritzerfeld wieder Blau-Gelb flaggen.
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