Monschau - Schreie im Wald und ein dumpfer Schlag: „Hilferuf” war ein Ehekrach

Schreie im Wald und ein dumpfer Schlag: „Hilferuf” war ein Ehekrach

Von: Heiner Schepp
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Im strömenden Regen machte sich die Einsatzstaffel des DRK weit nach Mitternacht mit ihren Suchhunden auf die Suche nach dem vermeintlich Vermissten, der zu dieser Zeit bereits auf dem Heimweg war.

Monschau. Mehr als 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und der Hundestaffel des Roten Kreuzes waren am späten Donnerstagabend an einer Personensuche im Bereich der Monschauer Schwimmhalle beteiligt.

Wanderer hatten bei einbrechender Dunkelheit einen Hilferuf und einen dumpfen Schlag vernommen, diesen aber nicht genauer orten können.

Um 21.34 Uhr hatte ein Anrufer die Polizei darüber informiert, dass man im Bereich der Schwimmhalle Hilferufe gehört habe. Der Zeuge gehörte zu einer ortsfremden vierköpfigen Wandergruppe, die um diese Zeit noch im Waldgebiet zwischen Burgring und Viadukt am Steindriesch unterwegs war, als man nach übereinstimmender Auffassung plötzlich „einen lauten Hilfeschrei und einen dumpfen (Auf-)Schlag” hörte, wie es später im polizeilichen Protokoll hieß.

„Durch die Tallage am Kleinen Laufenbach konnten die Wanderer aber nicht mit Gewissheit sagen, von wo die Geräusche gekommen waren”, schilderte Feuerwehrsprecher Heiner Sauren den Einsatzanlass.

Da die Wanderer nach Feuerwehrauskunft aber „absolut seriös und glaubhaft” waren, fuhren die Rettungsdienste das große Programm auf: Neben dem Löschzug der Altstadt Monschau wurden die Löschgruppen Imgenbroich, Konzen und Mützenich sowie die Führungsgruppe der Löschgruppe Höfen alarmiert und für die Personensuche im dichten Waldgelände herangezogen.

Das Rote Kreuz rückte mit RTW und Notärztin an und orderte seine Suchhundestaffel aus Aachen, die später mit vier Spürhunden den Wald durchkämmte. Die Einsatzleitzentrale wurde auf dem Vennbad-Parkplatz eingerichtet, am aufgestellten Landkartenständer überlegten die Führungskräfte, wie man im sehr schwierigen Gelände des Kleinen Laufenbachtals sinnvoll bei der Suche vorgehen könnte.

Der dichte Wald, das felsige Gelände und heftige Regenfälle erschwerten die Suche, zumal es mittlerweile dunkel geworden war. Die eingeschaltete Beleuchtung im seit anderthalb Jahren brach liegenden Vennbad beleuchtete zumindest das direkte Umfeld der Schwimmhalle.

Mit Taschenlampen und der Wärmebildkamera der Roetgener Feuerwehr durchstreiften die Feuerwehrmänner das Waldgebiet, zogen den Kreis immer weiter bis hoch zur Hauptschule auf der Haag - ohne Ergebnis. Auch die Suche auf der großen Baustelle an der Turnhalle sowie rund um Realschule und Schwimmhalle verlief ergebnislos.

„Wir sind mit unseren Möglichkeiten am Ende”, musste Heiner Sauren nach knapp zweistündiger Suche konstatieren, und so wurden „weitergehende Maßnahmen” eingeleitet. Aus Düsseldorf wurde der Polizeihelikopter „Hummel” angefordert und kreiste mit der Wärmebildkamera eine Stunde lang über dem Gebiet, ohne eine Person ausfindig machen zu können. Auch die inzwischen eingetroffene Hundestaffel wurde nicht fündig.

Kurz nach Mitternacht dann die überraschende Wende: Zwei Frauen aus dem Stadtgebiet Monschau trafen am Einsatzort ein und berichteten von einer „vermissten und angeblich suizidgefährdeten Person”, wie die Polizei am Freitag bestätigte. Mit Hilfe der weiteren Schilderungen der Zeuginnen fügte die Polizei das Puzzle zusammen, nachdem auch die angegeben Zeiten mit den Angaben der Wanderer übereinstimmten.

So hatte es „nach den bisherigen Zeugenaussagen und polizeilichen Ermittlungen”, so Polizeisprecher Michael Houba, offenbar zur genannten Zeit gegen 21.30 Uhr „eine verbale Auseinandersetzung unter Eheleuten auf dem Parkplatz an der Schwimmhalle” gegeben. Der vernommene Hilferuf fiel vermutlich im Ehestreit, eine überraschende Erklärung gab es aber für den vermeintlichen „dumpfen Aufschlag”: Der aufgebrachte Ehemann hatte im Krach offenbar mit der Faust gegen die Kunststoffwand eines Dixi-Toilettenhäuschens geschlagen, das wegen der Sanierungsmaßnahme an der Realschul-Turnhalle dort aufgestellt ist.

Trotz der überraschenden Wendung wurde die Suche zunächst nicht abgebrochen, da man den nach Auskunft der Angehörigen suizidgefährdeten Gesuchten noch im Gelände vermutete. Gegen 1 Uhr erreichte die Helfer dann jedoch die Meldung, dass der 32-Jährige wohlbehalten am Wohnort angetroffen worden sei.

Wer trägt die Einsatzkosten?

Es bleibt die Frage, wer für die mutmaßlich fünfstelligen Kosten des Großeinsatzes aufkommt. „Die Wanderer haben im guten Glauben um einen ernsthaften Notfall Hilfe gerufen”, sieht die Polizei hier eindeutig kein Fehlverhalten. Feuerwehr und Rettungskräfte sind nach bestem Wissen und Gewissen vorgegangen, und die Betroffenen haben selbst keine Hilfe angefordert. Somit wird wohl die Allgemeinheit aufkommen für einen Einsatz, der letztlich zur Übung wurde.
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