Schon als Kind im schweren Laster on Tour

Von: Sarah Maria Berners
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Noch im Sprinter unterwegs, bald am Steuer eines 40-Tonners: Natalie Hartmann (21) macht ein Ausbildung zur Berufskraftfahrerin. Ihr Chef Bernd Kreutz (links) und Ausbildunsleiter Franz-Michael Peters unterstützen sie dabei. Foto: S.M. Berners

Kalterherberg. Schwere Lastwagen und Milchtransporter haben Natalie Hartmann schon als Kind fasziniert. In den Ferien und an den Wochenenden hat sie häufig mit ihrem Vater auf dem Laster gesessen und ist mit ihm durch das Land gezogen.

Bald wird Natalie selbst am Steuer eines solchen Transporters sitzen. Die 21-Jährige macht eine Ausbildung zur Berufskraftfahrerin bei der Spedition Hermanns und Kreutz in Kalterherberg.

„Die typischen Frauenberufe interessieren mich einfach nicht”, erzählt Natalie. Aber das Lkw-Fahren, das habe sie seit jeher gereizt. Probleme beim Einparken und Rückwärtsfahren? Nicht bei Natalie. In ihrem Freundeskreis war niemand erstaunt, als Natalie bei Hermanns und Kreutz ihre Bewerbung abgeben wollte. „Typisch, das passt zu Dir”, war die einstimmige Meinung.

Lkw-Fahrer haben noch immer ein ziemlich mieses Image. Natalie gibt darauf nichts, schließlich weiß sie, das Vorurteile eben nur Vorurteile sind. Angst davor, dass sie sich in einer männerdominierten Branche nicht zurechtfindet, hat die Auszubildende nicht: „Schüchtern oder zimperlich darf man in dem Job sicher nicht sein.”

Erste Theoriestunde

Bis die junge Frau hinter dem Steuer eines 40-Tonners sitzen wird, dauert es allerdings noch ein bisschen. Schließlich muss Natalie erst den Führerschein machen, genauso, wie die anderen vier Azubis. Nächste Woche ist die erste Theoriestunde, und erst dann geht es ans Steuer. Mit dem Führerschein in der Hand heißt es dann erstmal „Rangieren üben” auf dem Firmenhof. „Das kann ich kaum erwarten”, sagt Natalie.

Aber als Berufskraftfahrerin muss Natalie nicht nur den Lkw beherrschen. Während ihrer Ausbildung wird sie auch im Lager, in der Disposition und in der Werkstatt arbeiten. „Es ist wichtig, dass die Auszubildenden lernen, wie eine Spedition funktioniert”, sagt Natalies Chef Bernd Kreutz. „Schließlich arbeiten wir in einem großen Team, und der eine kann nicht ohne den anderen.”

Für ihn war es selbstverständlich eine Frau einzustellen. In der Niederlassung in München sitze schließlich auch eine Frau am Steuer und außerdem gebe es ein Ehepaar, die ihren Laster gemeinsam durch Europa fahren. „Freude an Maschinen, Freude an Mobilität und eine relativ schmerzfreie Einsatzbereitschaft” erwartet Kreutz von seinen Azubis - egal, ob weiblich oder männlich. Ein bisschen robust müsse man schon sein.

Die sanitären Anlagen auf Autobahnen seien zwar deutlich besser geworden, aber eben nicht immer tiptop gepflegt. Mitbringen müssen die Auszubildenden auch ein geografisches Grundwissen. „Jeder sollte auch ohne Navi nach Marseille oder München finden. In den Städten können die Navis aber hilfreich sein”, sagt Firmenchef Kreutz.

Frauen fahren wirtschaftlicher

Nur selten sieht man an der Raststätte eine Frau in der Fahrerkabine. Aber immer häufiger geben auch Frauen ihre Bewerbungsunterlagen ab. „Der Beruf hat sich stark verändert. Früher brauchte man physische Kräfte. Dafür gibt es heute Hilfsmittel wie Gabelstapler. Und die anderen Dinge können Frauen mindestens genauso gut wie Männer”, sagt Natalies Ausbildungsleiter Franz-Michael Peters. Er hat zum Beispiel festgestellt, das Frauen oft wirtschaftlicher fahren und auch in der Kommunikation mit den Kunden manchmal etwas stärker sind als ihre männlichen Kollegen.
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