Rollesbroich - Schlüsselbund rettet den Autohändler

Schlüsselbund rettet den Autohändler

Von: Ernst Schneiders
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Das Autohaus von Salah Scharafidine im Rollesbroicher Gewerbegebiet war am vergangenen Freitag Ziel eines bewaffneten Raubüberfalls. Durch seine Geistesgegenwart konnte der 40-jährige Libanese Schlimmeres verhindern. Foto: Ernst Schneiders

Rollesbroich. Während die Polizei nach Auskunft ihrer Pressestelle „mit Hochdruck” nach dem dritten Täter des Raubüberfalls von Rollesbroich fahndet, erholt sich Gebrauchtwagenhändler Salah Scharafidine nur langsam von dem Horror, dem er sich am Freitagmorgen ausgesetzt sah.

Als es an der Tür seines Geschäftes an der Völlesbruchstraße klingelte, schloss der 40-jährige Libanese arglos auf, weil er mit Kundschaft rechnete. Kaum war die Türe offen, sah er sich drei maskierten Männern gegenüber und spürte den Lauf einer Pistole in seinem Gesicht.

Drei Hiebe mit dem Pistolenknauf erhielt Scharafidine auf dem Kopf, doch seine Geistesgegenwart bewahrte ihn vermutlich vor weitaus übleren Folgen. Denn mit seinem schweren Schlüsselbund, den er noch in der Hand hielt, schlug er einem der Täter ins Gesicht. Der taumelte rückwärts, so dass Scharafidine flugs die Tür seines Geschäfts wieder zusperren konnte. Durch ein Fenster sah er noch, wie das Trio Fersengeld gab. Der Gebrauchtwagenhändler schlug bei der Polizei Alarm und der Rest ist bekannt.

„Mit niemandem Streit”

Erkannt hat Salah Scharafidine keinen der drei Räuber, und er glaubt auch nicht an einen Racheakt, wie schon gemunkelt wurde. „Ich habe nie mit jemandem Streit gehabt. Ich glaube, dass die Männer Bargeld wollten. Aber ich hatte nichts im Hause”, so das Opfer des Überfalls, das sich mit der Verarbeitung der Ereignisse schwer tut.

„Ich bin auch nur ein Mensch, ich bin kein Held. Ich schlafe seitdem sehr schlecht, aber noch schlimmer ist es für meine Frau. Ich hoffe, dass es uns bald wieder besser geht. Ich darf gar nicht daran denken, was wohl passiert wäre, wenn die drei Männer in mein Geschäft gelangt wären. Dann wäre ich verloren gewesen!”

Der vergangene Freitag wird Salah Scharafidine eine Lehre sein. Er wird besser als bisher aufpassen, wer sich seinem Geschäft nähert. Und er wird künftig seine Waffe mitnehmen, für die er einen Waffenschein besitzt: „Ich habe sie noch nie benutzt, und ich kann eigentlich keinem Tier etwas zu Leide tun, aber ich muss mich schützen!”

Zu den beiden festgenommenen Gangstern und zum flüchtigen dritten Mann wollte sich Polizeisprecher Michael Houba nicht äußern. Auch nicht zur brodelnden Gerüchteküche, die von einem „Racheakt” weiß. Houba: „Das ist zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation. Dazu werden wir nicht Stellung nehmen.”

Nicht schuldig blieb der Polizeisprecher die Antwort auf die Frage, warum die Polizei am Freitag mit Hubschrauber, zwei Sondereinsatzkommandos und beinahe allem, was sonst noch laufen konnte, in der Eifel angerückt sei? Im Nachhinhein habe das gewirkt, als ob jemand mit Kanonen auf Spatzen schieße.

„Maßnahmen angemessen”

Michael Houba: „Nachher ist man immer etwas schlauer. Als man uns alarmiert hat, gingen wir von einem schweren Raubüberfall dreier bewaffneter Männer aus. Die daraufhin eingeleiteten Maßnahmen waren angemessen. Die Ermittlungen zur Person der beiden Festgenommenen laufen noch. Es gibt folglich noch keine abschließenden Erkenntnisse über die Gefährlichkeit und kriminelle Energie der Beiden, oder ob es sich bloß um Amateure handelt. Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Klassifizierung vornehmen.”

Einer der Täter war am Freitag kurz nach der Tat in einer nahen Garage festgenommen worden. Der zweite Zugriff der massierten Polizeikräfte erfolgte kurz vor 13 Uhr auf dem Bauernhof der Familie Breuer, wo der Gesuchte in der Hundehütte seine letzte Zuflucht gefunden hatte. Der dritte Täter, 1,65 Meter groß und mit auffälligem „Entengang”, ist noch flüchtig. Hinweise auf ihn nimmt jede Polizeidienststelle entgegen.
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