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Schiedsfrau Angelika Paßen vermittelt meist zwischen Nachbarn

Von: Helga Giesen
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Jetzt auch vom Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen zertifiziert ist die Roetgener Schiedsfrau Angelika Paßen: Die Urkunde wurde ihr überreicht vom Vorsitzenden der Bezirksvereinigung, Helmut Thyssen (2. v. rechts) im Beisein von Bürgermeister Manfred Eis (links) und Dirk Recker als Vertreter des Ordnungsamts. Foto: Helga Giesen

Roetgen. Ein Baum auf dem Nachbargrundstück beschattet die eigene Terrasse, laute Musik oder Rasenmäher stören während der Ruhezeiten – schnell entzündet sich ein Streit, die Fronten verhärten sich und nicht selten landen die Kontrahenten vor Gericht. Dass es soweit nicht kommen muss und schon eine vorgerichtliche Einigung mit Hilfe von Schiedsleuten erfolgen kann, ist nur wenigen bekannt.

In vielen Fällen ist ein Schlichtungsversuch sogar zwingend erforderlich, bevor es zu einer gerichtlichen Behandlung eines Streitfalls im bürgerlich-rechtlichen, manchmal auch strafrechtlichen Bereich kommen kann.

Zusätzliche Schulungen

Die vom Gemeinderat gewählte Schiedsfrau für Roetgen, Rott und Mulartshütte ist seit 2005 Angelika Paßen. Im Rathaus in Roetgen erhielt sie jetzt die Zertifizierungsurkunde des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen. Sie wurde im Beisein von Bürgermeister Manfred Eis und Dirk Recker in Vertretung seines zuständigen Kollegen vom Ordnungsamt, Dirk Scheins, überreicht vom Vorsitzenden der Bezirksvereinigung, Helmut Thyssen.

Obwohl die Sozialpädagogin auch ausgebildete Mediatorin ist, musste sie für die nach mindestens dreijähriger Tätigkeit für die mögliche Zertifizierung durch den BDS noch zusätzliche Schulungen absolvieren.

Friedliches Pflaster

Roetgen sei ein recht friedliches Pflaster, berichtet Angelika Paßen aus ihrer Tätigkeit. Anders als in städtischen Bereichen, wo Menschen in Mehrfamilienhäusern eng beieinander wohnen, sind hier die Konfliktmöglichkeiten geringer. Im Durchschnitt zehn bis zwölf Fälle hat sie jährlich zu bearbeiten. Im vergangenen Jahr seien es sogar nur zwei gewesen. Meist sind es Streitigkeiten unter Nachbarn, die sie zu schlichten hat.

Dass dies saisonabhängig ist, beobachtet auch Dirk Recker. Im Winter bleibt es meist ruhig, im Sommer sorgen über die Grundstücksgrenze wachsende Hecken oder Belästigung durch nach subjektivem Empfinden zur Unzeit entfachte Feuer für Ärger. Oft wenden sich Betroffene dann an das Ordnungsamt der Gemeinde, aber wenn öffentliches Recht und öffentliche Sicherheit nicht gestört sind, könne man nicht eingreifen, erklärt Dirk Recker. Dann verweise man an die Schiedsfrau. Wie Angelika Paßen hebt auch er die gute Zusammenarbeit hervor.

Schiedsleute können auch angerufen werden bei Delikten wie Beleidigung, Sachbeschädigung oder Hausfriedensbruch, aber das komme in Roetgen kaum vor. Die Erfolgsquote von Schlichtungen liegt bei Angelika Paßen bei ca. 60 bis 70 Prozent. Im Gespräch auf neutralem Boden haben die Beteiligten es selbst in der Hand, Lösungen zu finden.

Es gibt keine Gewinner und Verlierer, daher sind die ausgehandelten Kompromisse meist über lange Zeit tragfähig. Das Ergebnis einer Schlichtung ist rechtsverbindlich, das angefertigte Protokoll muss einer Überprüfung durch das Amtsgericht standhalten. Schiedsleute sind allparteilich und sie unterliegen der Schweigepflicht, betont Angelika Paßen.

Da sie ehrenamtlich arbeiten, sind auch die Gebühren für ein Schiedsverfahren moderat. Wenn ein Schiedsverfahren beantragt wird, dann erhält der Beschuldigte eine Ladung zu einem Schlichtungsgespräch, die verpflichtend ist. Widersetzt er sich der Schlichtung, was sie bisher erst zweimal erlebt hat, oder es wird keine Einigung erzielt, so erhält der Antragsteller eine „Erfolglosigkeitsbescheinung“, die er vor Gericht verwenden kann.

Kontakt aufnehmen

Die Ladung überbringe sie nach Möglichkeit persönlich, um sich schon einen ersten Eindruck über den anstehenden Fall und die Parteien zu verschaffen, erläutert Angelika Paßen das Prozedere. Das Gespräch, in der Regel in ihrem Haus, dauert dann zwei bis drei Stunden. Meist erscheinen die Beteiligten persönlich, aber es komme auch schon mal vor, dass jemand seinen Rechtsanwalt schicke.

Wer mit Schiedsfrau Angelika Paßen Kontakt aufnehmen möchte, kann dies entweder über das Ordnungsamt der Gemeinde, Telefon 02471/1822, oder direkt unter 02471/4816 bzw. per E-Mail an angelika@passen.de.

Da Angelika Paßen berufstätig ist, nimmt tagsüber ein Anrufbeantworter die Gespräche entgegen.

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