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Sauerkraut gab es dreimal in der Woche

Von: Günther Krings
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Ihn findet man heute selbst in den besten Supermärkten nicht mehr: den Ewigen Kohl (Ijewije Küel). Das ist eine Kohlsorte, die aus Belgien stammt und die keine Blüten trägt und deshalb auch keine Samen produziert. Foto: Günther Krings

Nordeifel. Wenn man heutzutage mit offenen Augen durch die Gemüseabteilungen der Supermärkte geht, dann kann man nur staunen, wie viele Gemüsesorten angeboten werden und von wo dieses Gemüse herkommt: aus Deutschland Möhren, Weiß- und Spitzkohl, Wirsing...

...Zwiebel, Kartoffeln, aus Holland Tomaten und Kopfsalat, aus Belgien Chicorée und Kopfsalat, aus England Rote Beete und Steckrüben, aus Spanien Gurken, Zucchini, Tomaten, Paprika, aus Italien Rucola, Endiviensalat, Fenchel, Knoblauch, aus den USA Süßkartoffeln, aus Marokko frische Stangenbohnen, aus Tansania Buschbohnen und aus Peru frischer Spargel. Das ist natürlich nur ein Teil des Angebotes an Gemüse, das Supermärkte im Winter für die verwöhnte Kundschaft in Europa zur Verfügung stellt

Das war einst völlig anders. Bis Anfang der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts konnte man in unseren Dörfern keinerlei Gemüse kaufen, fast alle Haushalte waren Selbstversorger und mussten im Frühjahr säen und pflanzen, was im Spätsommer oder frühen Herbst geerntet werden konnte, um die kalte Jahreszeit zu überbrücken. Das Angebot an Gemüse war selbstverständlich weitaus geringer, als was man heute in den Läden vorfindet. Kopfsalat gab es im Winter überhaupt nicht, denn der ließ sich nicht konservieren. Und die Konservierung von verderblichen Waren war immer ein großes Problem.

Das häufigste Gemüse in unserer Region war Sauerkraut (suure Kappes), das in vielen Familien dreimal wöchentlich auf den Tisch kam. Der Weißkohl wurde als Nebenprodukt auf den Kartoffeläckern gepflanzt, ab den 50er Jahren konnte man ihn zentnerweise in der Viehverwertung in Konzen kaufen. Die Kohlköpfe wurden mit einem besonderen Messer – scharf – geschnitten und mit Salz vermischt in eine Tonne eingestampft und zum Schluss mit Brettern abgedeckelt, die wiederum mit schweren Steinen belastet wurden. Der Weißkohl konnte jetzt gären und wenige Wochen später als Sauerkraut gegessen werden.

Steckrüben und Rote Beete

Einige Köpfe Rotkohl wurden im kühlen Keller auf die Kartoffeln gelegt und konnten sich dort einige Wochen ohne besondere Konservierungsmaßnahmen erhalten. Steckrüben und Rote Beete, die auf dem Acker gepflanzt wurden, konnte man in gleicher Weise lagern. Stangenbohnen (Stäckebonne) wurden, ähnlich wie Weißkohl in einem großen Tonfass (Bonnedöppe) konserviert, und waren bis zum Ende der kalten Jahrszeit genießbar.

Die anderen Gemüsesorten – Erbsen, Buschbohnen, Dicke Bohnen – wurden in Weckgläsern eingekocht. Dieser Name und dieses Verfahren zum Konservieren von Lebensmitteln stammen von dem badischen Unternehmer Johannes Weck, der am 1. Januar des Jahres 1900 zusammen mit dem niederrheinischen Unternehmer Georg van Eyck die Firma J. Weck & Co gründete und WECK-Gläser produzierte und vertrieb. Wann allerdings diese Weckgläser in unserer Heimat bekanntwurden, ist nicht mehr nachzuvollziehen, vermutlich aber in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts.

Gibt es ihn hier noch?

Einige Gemüsesorten waren sozusagen winterhart und konnten einiges an Frost vertragen wie z. B. Rosenkohl und Grünkohl. Es gab aber in fast jedem Garten eine Kohlsorte, die man auch heute in den besten Supermärkten nicht mehr findet: Ijewije Küel. Das ist eine Kohlsorte, die aus Belgien stammt und die keine Blüten trägt und deshalb auch keine Samen produziert. An einem kräftigen Stängel wachsen Blätter, die man pflücken kann und die wieder am Stängel nachwachsen, natürlich nur im Frühjahr und Sommer.

Wollte man eine neue Pflanze setzen, so brach man im Frühjahr ein Blatt ab, steckte es in die Gartenerde, und aus diesem Blatt entwickelte sich dann wieder eine neue Kohlpflanze: daher der Name Ijewije Küel – Ewiger Kohl. Heute findet man diese Kohlpflanzen zum Beispiel in einem Art Museumsgarten an einem Schloss bei Valkenburg. Interessant wäre aber, ob diese Pflanze tatsächlich in unserer Heimat völlig verschwunden ist, oder ob sie doch noch in einigen Gärten überlebt hat. Rufen Sie bitte an Telefon 02472/970030 oder schreiben eine E-Mail (lokales-eifel@zeitungsverlag-aachen.de) an unsere Lokalredaktion!

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