Rückläufige Geburtenzahlen: Verbundkindergärten in der Nordeifel starten

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
Der Kindergarten im Gemeindeze
Der Kindergarten im Gemeindezentrum in Dedenborn verfügt über viel Platz sowie eine gute Ausstattung und liegt wunderbar im Grünen. Die Kinder sind zwei bis sechs Jahre alt - für die organisatorische Leiterin Heike Hoff (re.) eine ideale Zusammensetzung, um den Umgang mit kleinen und größeren Geschwistern zu lernen. Pädagogische Leiterin der Einrichtung in Dedenborn ist Beate Malmes-Gerasch (li.). Foto: Heiner Schepp

Nordeifel. Ein halbes Dutzend Elternabende, etliche Sitzungen und Verhandlungen im politischen Raum und eine breite öffentliche Diskussion begleiteten vergangenes Jahr die Zusammenlegung von Grundschulstandorten in der Stadt Monschau.

Am Dienstagabend geht es im Monschauer Schulausschuss erneut um die weitere Zusammenlegung von Grundschulen und von weiterführenden Schulen. Hintergrund ist die demografische Entwicklung oder sind - anders ausgedrückt - rückläufige Geburtenzahlen. Diese gehen natürlich auch nicht an der Vorstufe unseres Bildungssystems vorüber, den Kindertagesstätten.

Auch bei den Kindergärten werden deshalb seit Beginn des Kindergartenjahres am 1. August sogenannte Verbundlösungen umgesetzt. Anders als bei den Schulen verfolgt die Städteregion hier als Träger jedoch das Ziel, ortsnahe Einrichtungen zu erhalten und parallel die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder unter drei Jahren (U3) auszubauen.

Der Start für die ersten Verbundkindergärten in der Nordeifel ging, verglichen mit den Schulen, vergleichsweise unaufgeregt vonstatten. Natürlich gab es zahlreiche Gespräche zwischen Träger, Eltern und Personal, und natürlich müssen viele Dinge erst einmal anlaufen. „Aber die Eltern haben erkannt, dass die Alternative eine Schließung der kleinen Einrichtungen gewesen wäre”, sagt Heike Hoff, seit knapp zwei Monaten Leiterin der Kindergärten in Dedenborn und Eicherscheid. „Wir müssen zusammenwachsen”, nennt sie die Lösung für alle Beteiligten, auch wenn es leider hin und wieder noch Bedenken wegen der weiteren Fahrt oder Ressentiments gegen das Nachbardorf gebe, die aber meist in der Großväterzeit gründeten, so die Leiterin.

Die überwiegende Zahl der Eltern aber weiß zu schätzen, dass beispielsweise nur dank der Zusammenlegung in diesem Kindergartenjahr drei zweijährige Kinder aus Eicherscheid in Dedenborn betreut werden können. „In Eicherscheid wären aufgrund der hohen Anmeldezahl von Dreijährigen keine Kapazitäten für U3-Kinder frei gewesen, und die Eltern hätten entweder eine Tagesmutter suchen oder noch ein Jahr warten müssen”, erläutert Heike Hoff einen Vorteil der Verbundlösung.

Und so werden zurzeit in Dedenborn neun Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren betreut; zwei Erzieherinnen in Vollzeit und eine Jahrespraktikantin kümmern sich um die gemischte Gruppe, zu der auch drei Vorschulkinder gehören. „Die Vorschularbeit in Eicherscheid und Dedenborn ist pädagogisch gleich, erfolgt aber getrennt”, erläutert die Leiterin, verweist aber auf Ausflüge zum Zahnarzt, ins Krankenhaus, zur Feuerwehr oder zu einem Bauernhof, die die Kinder beider Kitas auch schon vor dem Verbund gemeinsam unternahmen.

Den Schulterschluss gibt es aber nicht nur bei den Kindern. Die Elternarbeit mit Beirat, Vollversammlung und Themenabenden erfolgt seit diesem Jahr gemeinsam für Eicherscheid und Dedenborn, und auch beim Personal ist die wechselseitige Unterstützung mit Beginn der Probephase für den Verbund einfacher geworden, wie Heike Hoff deutlich macht. Eicherscheid ist mit vier Erzieherinnen - je zwei in Voll- und Teilzeit - sowie einer Kinderpflegerin, einer Ergänzungskraft und einer Berufspraktikantin für 49 Kinder in zwei Gruppen aus Sicht der organisatorischen Leiterin „gut ausgestattet”.

In den meisten Fällen kann Heike Hoff so eine Vertretungskraft von Eicherscheid ins neun Kilometer entfernte Dedenborn entsenden kann. „Erst wenn mir drei Leute krank werden, müssen wir auf die Vertretungsliste der Städteregion zurückgreifen”, erläutert Hoff und zählt weitere Vorteile des Verbunds auf: „Die Ferienzeiten sind aufeinander abgestimmt, so dass immer eine der beiden Einrichtungen für die Eltern verfügbar ist. Und mit Betreuungszeiten von 45 Stunden (Ganztag) in Eicherscheid bzw. flexibel gehandhabten 35 Stunden in Dedenborn haben die Eltern wirklich alle Möglichkeiten für eine passgenaue Betreuung ihrer Kleinen.”

Als „Bereicherung” werten auch die Leiterinnen Bianka Steffens (Kindergarten Höfen) und Birgit Theißen (Rohren) den Verbund, der im August in die dreijährige Probephase gestartet ist. Zu betreuen sind 14 Kinder in Rohren (davon fünf Vorschulkinder) und 49 in den drei Höfener Gruppen, darunter die zehn Kleinen der U2-„Wiesengruppe”. Als Vorteile werten die beiden Leiterinnen vor allem die gemeinsamen Aktivitäten wie Großeltern-Nachmittag, Weihnachts- und Karnevalsfeier oder Osterwanderung und Waldwoche.

Auch alle Exkursionen der Vorschulkinder beider Häuser werden gemeinsam durchgeführt. „Jede Einrichtung bringt ihre Besonderheiten in das Programm ein - Höfen die Werkstatt, Rohren den Kindergartenwald”, erläutert Bianka Steffens und verweist ebenfalls auf unterschiedliche Ferienzeiten für eine durchgängige Betreuungsmöglichkeit der Kinder aus beiden Nachbardörfern. „Im Prinzip”, so meint Birgit Theißen, sei mit dem Kindergarten-Verbund vorgezogen worden, was bei der Grundschule seit Jahrzehnten selbstverständlich sei, besuchen doch Rohrener Kinder schon seit den 70er-Jahren die Höfener Schule.

Natürlich, räumt Theißen ein, müsse sich „das ein oder andere noch einspielen”, und Bianka Steffens ergänzt: „Das ist auch für uns Neuland und auch für das Personal eine Probephase”. Ob der Versuch gelinge, hänge aber nicht zuletzt auch von den Eltern ab, die ihre Kinder beispielsweise auch in den anderen Ort oder zu Aktivitäten fahren müssen. „Aber es ist nicht so, dass nur die Eltern der Rohrener Kinder fahren müssen”, so Steffens.

Dass der Verbund notwendig wurde und sinnvoll ist, liegt für die beiden Erzieherinnen nicht nur an rückläufigen Kinderzahlen („Wir können uns keine Kinder zaubern”), sondern auch am Fachkräftemangel. „Wir sind schon personell knapp besetzt”, meint Bianka Steffens mit Blick auf mittlerweile sechs Jahrgänge, die in der Kita betreut werden müssten. Eine - manchmal notwendige - individuelle Betreuung für jedes Kind sei da kaum mehr möglich, bedauert sie, knüpft an den Verbund aber die Hoffnung, dass die Politik auch da in Zukunft die Notwendigkeit einer höheren Personalausstattung erkenne.

Wichtig sei aber zunächst - diese Meinung eint die Sprecherinnen aller vier Einrichtungen -, dass der jeweils kleinere Kindergarten erhalten worden sei, denn, so wissen die pädagogischen Fachkräfte: „Die Alternative zum Verbund war die Schließung von kleinen Einrichtungen.”

Neben den zusammenwachsenden Einrichtungen Rohren/Höfen und Eicherscheid/Dedenborn gibt es im Bereich der Nordeifel noch einen Dreierverbund. Diesen bilden die Kindergärten Strauch, Woffelsbach und Steckenborn.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert