Schmidt - Roteichen sollen nur noch gut als Totholz sein

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Roteichen sollen nur noch gut als Totholz sein

Von: Anneliese Lauscher
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Franz Kronenberg ist Naturschutzwart; er trauert um die schönen alten Roteichen, die geringelt wurden. Foto: Anneliese Lauscher

Schmidt. Franz Kronenberg ist seit vielen Jahren Naturschutzwart in der Eifelvereins-Ortsgruppe Schmidt; er nimmt viele Aufgaben wahr, hat Fortbildungen besucht, pflegt Streuobstwiesen und kennt sich im Wald gut aus. Als er kürzlich auf einem Sonntagsspaziergang am Rossberg geringelte Eichen entdeckte, erschrak er zutiefst.

„Da war der Spaziergang für mich zu Ende“, schildert er sein Entsetzen. Er hat inzwischen mit vielen Menschen gesprochen, die ebenfalls geschockt und voller Unverständnis reagierten. Rund 40 stattliche Eichen, 90 Jahre alt, mit einem Stammdurchmesser von fast einem Meter und einer Höhe von mindestens 20 Metern wurden geringelt, das bedeutet, dass sie langsam absterben. Die Bäume befinden sich im Nationalpark Eifel. Eine erklärende Tafel mit der Überschrift „Was ist denn hier los?“ wurde aufgestellt. Die Nationalparkverwaltung erläutert hier ihr Motto „Natur Natur sein lassen“.

Darüber kann Franz Kronenberg nur bitter lachen. „Ich pflege jahrelang Streuobstwiesen, und die machen alte schöne Bäume einfach kaputt“, schimpft er, „wenn die Eichen dem Wald wirklich schaden, dann soll man sie fällen und der Schmidter Bevölkerung als Brennholz zugutekommen lassen oder verkaufen.“ Für ihn stellt ein Baum einen Wert dar, er ist der Meinung, dass man die Natur achten sollte. „Unsere Väter haben diese Bäume gepflanzt, bis jetzt waren sie wertvoll. Wenn ich solche Maßnahmen sehe, dann kann ich für meinen Bereich kein Naturschutzprojekt mehr anstoßen“, sagt er traurig.

Dr. Michael Röös, der das Fachgebiet „Forschung und Dokumentation“ in der Nationalparkverwaltung leitet und diese Maßnahme angeordnet hat, glaubt jedoch, das Richtige getan zu haben. „Der Raum Hetzingen ist der laubwaldreichste Raum im Nationalpark, hier erleben wir heute schon sozusagen die Nationalpark-Zielvorstellung im Kleinen“, sagt er. „Hier dominieren Traubeneiche, Hainbuche und Esche. Die Roteichen stammen aus Amerika, sie sind hier nicht heimisch, haben aber das Potenzial, die einheimischen Baumarten zu verdrängen.“

Das Ringeln der Rinde sei auch deshalb sinnvoll, weil damit der Totholzanteil erhöht werde. „Wir haben uns angesichts einer nur relativ geringen Holzmenge entschlossen, nicht mit Maschinen in diesen Bestand zu gehen, wo schon seit mindestens 15 Jahren keine Maschine mehr zum Einsatz gekommen ist. Auch wenn unsere Maßnahme nicht in allen Teilen der Bevölkerung auf Verständnis trifft, kann ich sagen, ich habe kein schlechtes Gewissen dabei. Wir haben die langfristige Entwicklung dieses schönen Laubwaldes sichergestellt.“

Für Kommunikation ist in der Nationalparkverwaltung Michael Lammertz zuständig. Er findet verbindliche Worte: „Ich gebe Ihnen Recht: Auf den ersten Blick erschrickt man, weil da dem Baum die Rinde abgezogen wird!“ Aber dann weist er darauf hin, dass die Roteiche nicht in den Nationalpark Eifel gehöre. „Wir haben den Auftrag, die heimische Flora zu schützen. Es wäre schlimm, wenn die fremdländischen Arten die heimischen zu Tode drücken würden. Wir wollen die Natur mit gutem Gewissen sich selbst überlassen können.“

Zur Frage, warum man die Bäume nicht fällt und das Holz wirtschaftlich nutzt, antwortet er: „Es geht hier nicht um Forstwirtschaft, sondern um die höchste Naturschutzkategorie, die es gibt.“ Er wirbt für die Bürgerwanderungen durch den Nationalpark, die im Herbst wieder angeboten werden: „Da erklären wir, warum wir das tun.“

Franz Kronenberg erhielt aufgrund einer Anfrage auch einen Brief, worin ihm Julian Mauerhof, Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung, die Begründung für das Ringeln der Roteichen mitteilt: „Die Maßnahme besteht darin, dass ca. 40 Roteichen geringelt wurden.“ Auch hier ist die Rede davon, dass die Roteiche „nicht gebietsheimisch“ sei und ein „hohes Verdrängungspotenzial“ habe. „Der Brief tröstet mich überhaupt nicht“, sagt Franz Kronenberg, „Warum dürfen keine internationalen Hölzer hier wachsen?“

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