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Rollender Supermarkt ist für ältere Menschen eine wichtige Stütze

Von: Andreas Gabbert
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Die Kunden schätzen den besonderen Service des rollenden Supermarktes: Brunhilde Bünten (re.) kauft dort schon seit Jahrzehnten ein. Verkäuferin Heike Streit liebt den Kontakt zu den Menschen. Foto: A. Gabbert

Nordeifel. Mit lautem Klingeln kündigt Heike Streit ihr Kommen an. In vielen Fällen ist das zwar gar nicht nötig – oft warten ihre Kunden schon mit einem Einkaufskorb im Arm an der Straße – aber irgendwie gehört das Klingeln halt dazu, und manchmal hocken ihre Stammkunden auch im Garten bei der Arbeit und hören sie nicht gleich. Dann geht Heike Streit eben kurz bis zur Tür und fragt höflich, ob noch etwas gebraucht wird.

Seit einem Jahr arbeitet Heike Streit als Fahrerin eines „rollenden Supermarktes“ in der Eifel. Jede Woche fährt sie über die Dörfer, nur in Roetgen, Rott, Simmerath, Imgenbroich und Monschau ist sie nicht unterwegs. Vorher hat sie als Verkäuferin und Kurierfahrerin gearbeitet. Jetzt ist sie von beidem etwas. Dabei kommt sie mit Menschen in Kontakt, das mag sie an ihrem Job besonders gerne, und das Autofahren macht ihr auch Spaß. „Das ist genau das Richtige für mich“, sagt die 47-Jährige Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

Der Nachname passt nicht zu ihr

Einen kleinen Tante-Emma-Laden, eine Poststelle oder einen Bäcker gab es früher in jedem Ort. Heute konzentriert sich der Einzelhandel aber meist in so genannten Nahversorgungszentren in Imgenbroich oder Simmerath. Doch was für einen jungen mobilen Menschen nur einen Katzensprung bedeutet, erscheint manch älterem Bürger oft wie eine kleine Weltreise. Umso mehr freuen sie sich, wenn Heike Streit draußen auf der Straße klingelt.

Die Menschen mögen ihre „Tante Heike“. Der Nachname passt gar nicht, sagen viele ihrer Kunden und sprechen sie deshalb lieber gleich mit dem Vornamen an.

In Steckenborn sitzt sie an diesem Morgen bei einem älteren Ehepaar am Frühstückstisch, es gibt Kaffee, Kuchen und für Heike Streit einen Tee. Vor zwei Tagen wurde hier Geburtstag gefeiert, jetzt ist auch Heike Streit eingeladen, noch ein wenig mitzufeiern. Im Winter bekommt sie hier auch schon mal eine Kanne Tee in die Hand gedrückt, heute gibt es noch ein weiteres Stück Kuchen mit auf den Weg.

Wenige Meter weiter wartet schon Amanda Tüpper. Die 74-Jährige muss nicht lange überlegen, was sie will. „Ich bekomme heute Birnen, darauf hab ich schon gewartet“, sagt sie.

Weiter geht es auf der Tour durch Steckenborn. Die Glocke schrillt vor dem nächsten Haus. Heike Streit fährt möglichst nah an die Haustür heran. „Das ist ja auch der Sinn der Sache, dass die Leute möglichst wenig laufen sollen“, sagt sie.

Heike Streit steigt kurz aus. Bevor sie den Zettel mit den Angeboten in den Briefkasten wirft, gibt es noch einen kurzen Plausch mit der Nachbarin am Gartenzaun. Dann steigt sie wieder in den Wagen, nimmt hinter dem Steuer Platz, und während sie den Motor startet, lacht sie und winkt noch mal zum Abschied. Das schätzen die Kunden – persönlicher Kontakt und Herzlichkeit sind wichtig und öffnen so manche Tür. Die Preise des rollenden Supermarktes liegen zwar etwas über denen der Discounter, aber dafür ist der Service auch ein anderer.

Die meisten ihrer Kunden, wissen genau, wann Heike Streit wieder kommt. So auch Margot Miessen. „Die Eier hol ich jede Woche hier“, sagt die 64-Jährige. Die 81-Jährige Ruth Ott hat etwas mehr auf ihrem Einkaufszettel stehen. Fleischwurst, Butter, Tomaten und Krautsalat landen in ihrem Einkaufskorb. Nur auf die Hähnchenschenkel muss sie verzichten. Die sind an diesem Tag schon ausverkauft. „Nach Simmerath zu fahren ist zu umständlich und die Kinder haben auch nicht immer Zeit“, erklärt die Rentnerin, warum sie gerne bei dem Rollenden Supermarkt einkauft. „Kommen Sie ruhig weiter, wird sind voll zufrieden“, fügt sie an Heike Streit gewandt hinzu.

Agnes Jung sieht das ähnlich. „Das brauchen wir hier im Ort. Wir sind noch mobil, aber das ist sehr schön, weil man sich darauf verlassen kann, dass der Wagen jede Woche kommt“, sagt die 72-Jährige und bestellt noch 20 braune Eier.

Rund 150 Kilometer fährt Heike Streit, um täglich 100 bis 120 Kunden zu beliefern.

Aber nicht nur ältere Leute kaufen bei ihr ein. Da ist zum Beispiel auch die junge Frau, deren Auto nicht anspringt und die jetzt noch dringend etwas für das Mittagessen einkaufen muss.

Am nächsten Haus greift Heike Streit selbst zum Einkaufskorb. Wer etwas gebrechlich ist, dem bringt sie die Sachen auch gerne an die Haustür. Sie notiert sich, wer wann nicht da ist, und manche rufen auch vorher an, wenn sie etwas besonderes wollen. Service wird bei Heike Streit eben groß geschrieben.

„Das ist die Schwägerin der Frau, bei der ich eben war“, sagt Streit, als sie zurück kommt. Nach einem Jahr kennt sie ihre Kunden schon sehr gut. Und die Kunden kennen sie natürlich auch. „Es ist schön, wenn man aus dem Urlaub kommt, und die Leute sagen, schön, dass Du wieder da bist“, sagt Heike Streit und schwingt sich wieder hinter das Steuer ihres Lkw. Auch in Kesternich, Woffelsbach und Rurberg warten an diesem Tag noch Kunden auf sie.

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