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Rollende Waldschule „rollt wie verrückt”

Von: Carmen Krämer
Letzte Aktualisierung:

Nordeifel. „Hallo, kennst Du mich noch? Ich bin die mit der großen Eule.” Mittlerweile erkennen ihn die Kinder auf der Straße und rufen ihm solche und ähnliche Fragen zu. Bei tausenden von Kindern, die er jährlich trifft, ist es jedoch schwierig, sich jedes einzelne Gesicht zu merken.

Denn zwei bis drei Mal in der Woche fährt Hermann Carl mit seiner „Rollenden Waldschule” zu Kindergärten oder Schulen, aber auch zu Seniorenheimen oder Wohnheimen für Menschen mit Behinderungen in der Region und bringt den Menschen die heimische Natur näher.

„Sehr viel Zuspruch”

„Es ist einfach irre, was das für AusmaßeÊ angenommen hat”, ist Hermann Carl beim Blick auf seine Statistik über die Einsatzbereiche der „Rollenden Waldschule” selbst überrascht. Anfang der 1990er Jahre startete der häufig auch liebevoll „Dorfsheriff” genannte Hauptkommissar der Polizeidienststelle in Simmerath dieses Ehrenamt mit einer vom Landesjagdverband ausgeliehenen Waldschule. Seit 1992 ist der naturbegeisterte Sohn eines Berufsjägers auch im Besitz des Naturführer-Diploms und erklärt Jung und Alt die heimische Eifel- und Vennlandschaft.

Nach drei Jahren mit der geliehenen Waldschule erhielt die Kreisjägerschaft dann eine eigene und „seitdem rollt es wie verrückt”, erklärt der diplomierte Naturführer und Jäger. „Der Bedarf an der Waldschule kann nicht gedeckt werden und Anfragen über die Grenzen der Region hinaus muss ich meistens absagen.”

Doch erst kürzlich hat Hermann Carl eine weitere Reise auf sich genommen, um einem internationalen Publikum das Zusammenspiel in der Natur zu zeigen. Im Europäischen Parlament in Brüssel war im Herbst die Ausstellung „Jagd & Naturerhaltung in Europa: Mensch und Natur” zu sehen. „Dass ich dafür gefragt wurde, war so eine große Ehre für mich, da musste ich einfach hin”, betont Hermann Carl. Dort war ein vom Deutschen Jagdschutzverband und der Kreisjägerschaft Aachen konzipiertes Waldbiotop zu sehen, das die Europapolitiker und -bürokraten unter anderem zum Thema Biodiversität informierte. Hermann Carl kann auch hier von „sehr viel Zuspruch” und „großem Interesse” berichten.

Dass er neben seiner Tätigkeit als Naturführer auch als Jäger tätig ist, widerspricht ganz und gar nicht seiner Leidenschaft für Tiere und Natur. „Oftmals werden die Jäger als Schreckgespenster dargestellt. Dabei sind sie genauso wichtig für die Natur wie die Förster”, versucht Carl auch die Kinder von diesem weit verbreiteten Vorurteil zu befreien.

Schließlich hätten einige Tiere keine natürlichen Feinde mehr und so müsse eben der Mensch für ein gesundes Gleichgewicht sorgen. Wichtig sei dabei nicht nur, für gesunde Bestände zu sorgen, sondern auch, dass sich alle an bestimmte Regeln halten. „Bei dem Wetter, das wir im Moment haben, sind viele Tiere sehr schwach. Sie brauchen all ihre Kraft und dürfen nicht gestört werden”, erklärt der 57-Jährige. So gelte es, auf vorgesehenen Gehwegen zu bleiben und vor allem seinen Hund nicht frei durch den Wald laufen zu lassen.

Finanzier gesucht

An über 1000 Einzelteilen wie Tierpräparaten, getrockneten Pflanzen oder Gebissen erklärt Hermann Carl den meist sehr interessierten kleinen und großen Zuhörern das Zusammenspiel der Natur. „Es hat noch nie ein Kind gefragt, wann wir endlich fertig sind.

Und das Feedback der Schulen für den kostenlosen Besuch der Waldschule ist durchweg positiv.” In kaum einem anderen „Museum” ist es schließlich möglich, die Tiere einmal anzufassen. Eine Art Museum ist die rollende Waldschule zwar bereits, aber aufgrund der Vielzahl an Präparaten, die durch Spenden in die Waldschule kommen, müssen einige Dinge in einer Scheune untergebracht werden, wo sie keiner zu sehen bekommt.

„Für diese Kostbarkeiten könnte ich mir gut vorstellen, ein Museum einzurichten. Ich stelle mir da eine Räumlichkeit beispielsweise in der Monschauer Altstadt vor, in der Touristen und Schulklassen umherlaufen und sich alles rund um die heimische Natur anschauen können”, beschreibt Hermann Carl einen Wunsch, der aus Mangel an einem Finanzier jedoch bisher nicht in Erfüllung gegangen ist.
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