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Roetgener Ortsbild: Altes und Neues verbinden

Von: Günther Sander
Letzte Aktualisierung:
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RWTH-Professor Rolf Westerheide (re.) informierte die rund 100 Interessenten im Bürgersaal über Möglichkeiten der künftigen Entwicklung des Roetgener Ortsbildes. Foto: Günther Sander

Roetgen. Zahlen, Daten, Fakten, Erhebungen und Analysen bestimmten bei der „Bürgerwerkstatt Roetgen“ am Freitag im Bürgersaal das Geschehen. Rund 100 Interessenten ließen sich über erste Ergebnisse informieren, um am Ende bei einer lebhaften Diskussion auch Kritik und Anregungen mit auf den Weg zu geben.

Im Mittelpunkt stand die Frage der Ortsbildgestaltung in Roetgen. Es ging um künftige Planungen, vor allem aber um den Erhalt alter Bausubstanz.

Mit Sicherheit hat der Heimat- und Geschichtsverein (HeuGeVe) Roetgen den Anstoß dazu gegeben, dass die Gemeinde Roetgen in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen die Erarbeitung eines Gestaltungsgutachtens in Angriff genommen hat, um bei baulichen Tätigkeiten Altes und Neues zu einem verträglichen Miteinander zu vereinen.

Bürgermeister Jorma Klauss (SPD) sagte, dass die Bürgerwerkstatt die Gelegenheit biete, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Seit Jahren bewege das Thema Abriss und Neubau von Häusern die Gemüter in der Gemeinde. Gemeindeverwaltung und Gemeinderat hätten dem Institut für Städtebau der RWTH Aachen den Auftrag gegeben, verträgliche Lösungen zu erarbeiten.

Kurzfristig nicht zu verändern

„Wir sind keine Museumskuratoren, wir haben den Auftrag erhalten, ein Gutachten zu erstellen“, ließ RWTH-Professor Rolf Westerheide wissen. Man stecke mitten in einem Prozess. „Wir möchten an die Qualität des Ortes herankommen“. Dazu habe man sich eines Fragebogens bedient, der ausgewertet wurde. Selbst Schüler seien befragt worden mit der Bitte, markante Punkte im Ort aufzuzeichnen, die sie für wichtig halten.

„Was wir nicht machen wollen, ist Neubauten verhindern. Es geht ums Schauen, was wir überhaupt haben“, so Westerheide. Die Aufgabenstellung beinhalte zwei Phasen: Flächendeckende Analyse des örtlichen Raumes und der baulichen Gestaltung in drei Ortschaften sowie die Vorbereitung einer Satzung zu anderen Instrumenten für eine Beschlussfassung im Rat der Gemeinde Roetgen.

Mit der Entwicklung der Siedlungsstrukturen befasste sich Diplom-Ingenieur Stefan Krapp ausführlich. Bis 1995 sei in Roetgen entlang der Straßen viel passiert, erst später sei in den Innenbereich Bewegung gekommen. Eigentlich sei Roetgen ein Straßendorf, beispielsweise die Hauptstraße, in der die Gebäude unterschiedliche Präsenz aufweisen würden.

Ortstypische Elemente und einfache Formen fielen deutlich auf. Materialien, mit denen gebaut worden sei, hätten einen regionalen Hintergrund. Kontakt zur Landschaft werde in Roetgen spürbar, viele „Häuslebauer“ hätten sich in den letzten Jahren an diesen Elementen orientiert. Die Strukturen ließen sich kurzfristig nicht verändern. Dringende Parameter seien unter anderem Dichte beziehungsweise Lockerheit der Struktur.

Der demografische Wandel habe zu anderen Ansprüchen und anderen Wohnformen (Beispiel Rosentalstraße) geführt, steigender Parkplatzbedarf jedoch zu erheblichen Flächenversiegelungen. Es sei nicht einfach, die Vielfalt in den Griff zu bekommen. Dem Ortsteil Rott bescheingte Krapp eine dynamische Entwicklung, er sprach von einem Wohnbereich mit vorstädtischer Siedlungsstruktur.

Professor Westerheide betonte, dass man gut hinschauen müsse, bevor man etwas abreiße, sonst sei der Ort verloren.

Erste Ergebnisse der ausgewerteten Fragebogenaktion analysierte Diplom-Ingenieur Andreas Klozoris. Er vermeldete eine durchaus positive Bilanz, die zufriedenstellend ausgefallen sei. In diesem Zusammenhang wurde aber von den Bürgerinnen und Bürgern bedauert und bemängelt, dass nur bedingt diese Fragebögen zur Verteilung gelangt seien.

Aus den Reihen der Teilnehmer wurde die Idee der Bürgerwerkstatt durchweg begrüßt. Rainer Hülsheger (Vorsitzender des Eifelvereins Rott): „Ich habe zwar keinen Fragebogen bekommen“, aber die Analyse sei sicher gut, aber man könne daraus noch keine großen Schlüsse ziehen. Peter Schneider (CDU) hatte nicht mehr erwartet, er zeigte sich zufrieden. Silvia Bourceau (UWG) war positiv überrascht, man sei in Roetgen auf einem guten Weg.

Dieter Fischer (HeuGeVe-Vorsitzender) pocht schon lange auf die Erstellung einer Liste, die alte Häuser erfasse. Die sei wichtig für einen Investor. „Unser Verein möchte nicht als Makler in Erscheinung treten“, so Fischer.

Bürgermeister Jorma Klauss hielt fest, dass es sich bei den Fragebögen um keine flächendeckende Erhebung gehandelt habe. „Es galt lediglich, Meinungen einzufangen. Das ist geschehen“, so Klauss.

In der konstruktiven und lebhaften Diskussion klang immer wieder an, dass nur ein geringer Prozentsatz der Haushalte Fragebögen erhalten habe. Man möge die Aktion wiederholen. „Wir wollten nur ein Stimmungsbild erreichen“, so Professor Rolf Westerheide, man sei offen für einen „Schneeballeffekt“, daher empfahl er allen, sich im Rathaus Fragebögen zu besorgen. Anregungen nehme man gerne mit.

Westerheide wollte von den Bürgern wissen, wo man Handlungsfelder sehe, wie groß die Gestaltungsfreiheit sein solle und was am meisten störe. „Sind Sie mit dem Leitgedanken zur Gestaltung einverstanden?“, fragte er in die Runde.

Fehler der Vergangenheit

Der Bauausschuss lehne Projekte ab, die Städteregion erlaube sie, hieß es in der Diskussion, und weiter: Es gebe viele Baulücken im Ort, dennoch würden Neubaugebiete erstellt. Zur Sprache kamen auch Probleme mit Bäumen und Hecken. Westerheide riet, man solle „nicht nur seine Scholle sehen“.

Das Gebäude sei die „Hardware“, es gehe um den Charakter. Eine Baumschutzsatzung könne nicht alles regeln. In der Eifel gebe es eine gewachsene Heckenkultur: „Ein Gebäude hat immer sein Gesicht nach vorne. Wenn ich ein Fachwerk habe, muss ich es auch erhalten. Das ist auch anstrengend“, so Westerheide.

Aus der Diskussionsrunde war weiterhin zu hören, dass in Roetgen viele Fehler gemacht worden seien, die man hätte verhindern können. Falsch sei, nur auf die Verantwortung der Privaten oder der Gemeinde zu setzen. Außerdem habe man das Gefühl, in Roetgen würden die Bürger „gerne anklagen“ und alles auf die Politik abwälzen.

In Rott habe man durchaus gewachsene Strukturen, wurde festgestellt. Empfohlen wurde, auch für Leute, die weniger Geld zum Bauen hätten, Möglichkeiten zu schaffen. Auffallend sei ein Mangel an Konzepten für eine bauliche Ausrichtung des Ortes. Entscheidungskontingente sollten auf breitere Füße gestellt werden.

Der HeuGeVe, der sich stark für den Erhalt mehrerer Häuser eingesetzt habe, sei kein „Träumerverein.“ Leider sei er durch sein für viele „unbequemes Einmischen“ in Verruf gekommen, was er nicht verdient habe, hieß es von Seiten des Vorstandes.

Einig waren sich am Ende alle Beteiligten, dass man in Roetgen die Entwicklung zu einer „Vorstadt ohne Charakter verhindern“ wolle, was aber noch viele Arbeit bedeute.

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