Roetgen - Roetgener Grundschule hat Notfallplan für atomaren Störfall in Tihange

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Roetgener Grundschule hat Notfallplan für atomaren Störfall in Tihange

Von: kfr
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Die Gemeinschaftsgrundschule Roetgen stellte jetzt einen Notfallplan vor, was sie bei einem atomaren Störfall in Tihange zu tun gedenkt. Foto: dpa
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Dr. Wilfried Duisberg referierte bei der Infoveranstaltung unter anderem zum Thema Atemschutzmasken. Foto: Katharina Isabel Franke

Roetgen. Schon seit Jahren schaut die Städteregion Aachen – und nicht nur die – besorgt nach Tihange. Das belgische Kernkraftwerk, das vor allem wegen baulicher Mängel immer wieder Schlagzeilen macht, wird als ständiger Risikofaktor in der Region empfunden, und über die Frage, wie die Menschen sich bei einem Störfall verhalten sollen, wird regelmäßig diskutiert.

Auch im 66 Kilometer Luftlinie von Tihange entfernten Roetgen bewegt diese Frage die Menschen. In der Roetgener Gemeinschaftsgrundschule versuchte man jetzt Antworten zu geben. Die Rektorin der Grundschule, Susanne Bortot, stellte einen von der Schulleitung entworfenen Krisenplan für den Fall eines nuklearen Störfalls vor. „Ich bin sehr belastet aufgrund dieser immensen Verantwortung“, gestand die Schulleiterin bei einer Informationsveranstaltung den interessierten Eltern ein. Die entscheidende Frage sei, wie 316 Kinder sicher zurück nach Roetgen, Rott, Mulartshütte und auch in die Region Raeren gebracht werden könnten. „Alle müssen handlungsfähig bleiben“, sagte Bortot.

Bevor die Schulleiterin mit ihrer Konrektorin Susanne Kahl den Eltern einen eigens auf die Grundschule Roetgen zugeschnitten Krisenplan vorstellte, hielt Dr. Wilfried Duisberg einen einstündigen Vortrag. In diesem machte der Allgemeinmediziner auf die tödlichen Folgen von Radioaktivität im Körper aufmerksam. Sein Fazit war eindeutig: „Die Regierung sagt, dass zwölf Stunden vergehen werden, ohne dass etwas passieren kann. Woher die diese zwölf Stunden nehmen, kann sich keiner von uns erklären. Es muss sofort gehandelt werden“, forderte der Mediziner.“

Notfallpakete in der Schule

Die Schule habe „schwierige Gespräche“ geführt, erläuterte Susanne Bortot die Begleitumstände für jetzt erstellten Krisenplan. Dieser Plan eröffnet die Möglichkeit, dass die Kinder ab sofort ein Notfallpaket in der Schule lagern können, dessen Inhalt allerdings durchaus überraschte. In diesem Paket sollten sich laut Empfehlung ein Getränk nach Wahl, eine Süßigkeit, und – um den emotionalen Druck abzubauen – das Lieblingskuscheltier des Kindes befinden. In dem Notfallpaket könnte auch eine Jodtablette deponiert werden. Diese Entscheidung liege allerdings bei den Eltern.

Der Krisenplan der Grundschule Roetgen bedachte auch andere Szenarien und Eventualitäten. Die Eltern sollten dem Notfallpaket einen Infozettel beilegen, ob das Kind im Fall eines Atomunfalls die Schule verlassen dürfe. Bei Regen, so regelt es der Plan, darf kein Kind die Schule verlassen.

Kahl und Bortot empfahlen den Eltern, mit den Kindern gemeinsam das Notfallpaket zu packen, um Ängste abzubauen.

Wie sehr das Thema eines möglichen Störfalls in Tihange auf die Roetgener Schule einwirkte, zeigte sich in der weiteren Konkretisierung des Notfallplans. Susanne Bortot hatte sogar schon einen Ablaufmechanismus für den Tag eines Atomunfalls entwickelt: „Es wird einen stillen Alarm geben, alle Fenster werden verschlossen werden, wir werden uns hier im Bürgersaal versammeln, die Anwesenheit kontrollieren, die Notfallpakete austeilen, die Entlassungen der Kinder nach Hause mit ihrem beigelegten Zettel kontrollieren und dementsprechend handeln.“ Und die Überlegungen gingen noch weiter: Eltern, die ihre Kinder an einem solchen Tag abholen möchten, sollten einen Zettel mit dem Namen des Kindes und der Klasse im Auto haben. Mit dem Fahrzeug würden sie dann an eine Schleuse heranfahren, die Kinder würden über ein Megafon ausgerufen und zu den Eltern gebracht. Drei Stunden nach einem Unfall schließe die GGS Roetgen und die verbliebenden Kinder würden verteilt.

Bürgermeister versteht Sorgen

Auch Bürgermeister Jorma Klauss konnte die Sorgen nachvollziehen. „Die Städteregion lässt nichts unversucht. Wichtig ist, dass die Stromtrasse zwischen Belgien und Deutschland bald fertig ist“, lautete seine Forderung. Klauss zeigte sich froh, dass die Schulleitung deutlich gemacht habe, dass sie gut vorbereitet sei.

Unter den anwesenden Eltern war auch die Allgemeinmedizinerin Sanda Masannek, die ab Sommer auch ihr zweites Kind in die GGS Roetgen schicken wird: „Rein medizinisch war das für mich heute nichts Neues, aber es war wichtig, dass dieser Vortrag stattgefunden hat.“

Katia Prinson ist Mutter zweier Kinder und lebt in Belgien: „Vielleicht sollten Belgier und Deutsche gemeinsam auf die Straße gehen. Man darf jetzt nicht lockerlassen. Europa muss Belgien bezuschussen, falls es da wirklich zu einem wirtschaftlichen Schaden kommen sollte, wenn man Tihange abschaltet. Ich habe Hoffnung, dass das bald passieren wird.“

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