Roetgen fordert zweite Ampel auf der Bundesstraße 258

Von: ag
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Hier ist was los: Tausende Pendler fahren täglich über die Kreuzung der Bundes- und der Rosentalstraße. Wenn es nach der Gemeinde Roetgen geht, soll eine Ampel dort den Verkehr regeln. Die Städteregion ist dagegen. Foto: A. Gabbert

Roetgen. Mehr als 5000 Fahrzeuge rollen am Vormittag über die Kreuzung Bundesstraße/Rosentalstraße in Roetgen. Nachmittags von 15 bis 19 Uhr sind es fast 6500 Wagen. In den meisten davon sitzen Pendler aus Monschau oder Simmerath, die über die Bundesstraße 258 nach Aachen zur Arbeit und zurück pendeln. Nun droht Ärger: Roetgen will an der Kreuzung eine Ampel installieren.

Bei den Pendlern dürfte die Forderung der Gemeinde, genau an dieser Stelle eine zweite innerörtliche Ampel aufzustellen, nicht gerade für Begeisterung sorgen. Hintergrund ist, dass im Zuge der Aldi-Ansiedlung festgeschrieben wurde, dass die Verkehrsführung am Knotenpunkt Bundes-/Rosentalstraße geregelt werden müsse.  Wartezeiten für Abbieger aus der Rosentalstraße sollen so verkürzt werden und andere Knotenpunkte entlastet werden. Die Investoren haben dafür bereits Geld an die Gemeinde gezahlt.

Mit einer Ampelanlage ist die Städteregion aber nicht einverstanden und hat darauf bestanden, zu untersuchen, ob an dieser Stelle nicht auch ein Kreisverkehr möglich ist. Die von der Gemeinde Roetgen in Auftrag gegebene Studie kommt zu dem Ergebnis, dass mit Blick auf die Verkehrssicherheit, den Flächenbedarf und die Kosten eine Ampel die geeignete Lösung sei. Schon die Kosten (600.000 Euro für einen Kreisverkehr, 340.000 Euro für eine Ampel) seien ein stichhaltiges Argument, heißt es von Seiten der Gemeinde Roetgen.

Ein Kreisverkehr würde außerdem „eklatante Einschnitte“ im Bereich des Pferdeweihers und im Bereich des künftigen Hotelgeländes der Roetgen Therme bedeuten. Das sei beides unakzeptabel, wenn es denn Alternativen gebe. Bei der Verkehrssicherheit würden die Nachteile eines Kreisverkehrs besonders deutlich, da die Querung der Fuß- und Radwege als „nicht sicher und unangemessen“ betrachtet wird.

Diese Erkenntnisse lägen der Städteregion Aachen seit Juni 2012 vor. Dort sei man aber bis heute nicht bereit, die erforderliche verkehrsrechtliche Anordnung zu erlassen, da man den Verkehrsfluss für den Pendelverkehr auf der B 258 höher bewerte, als die innerörtliche Verkehrssicherheit, deren Regelungsbedarf „nicht in ausreichendem Maße“ erkannt werde.

Die Städteregion kommt zu anderen Ergebnissen. Da eine Ampel für den fließenden Verkehr deutliche Leistungseinbußen und zu höheren Emissionswerten führen würde, habe man am 29. April eine eigenständige Verkehrserhebung vorgenommen. Die Ergebnisse seien andere als in der von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Studie, schreibt Städteregionsrat Helmut Etschenberg an Roetgens Bürgermeister Manfred Eis.

Aus dieser stichprobenhaften Verkehrsbeobachtung lasse sich die zwingende Notwendigkeit einer Ampel aus fachlicher Sicht nicht ableiten. Etschenberg schreibt, er halte es zunächst für zielführend, mit dem Landesbetrieb Straßenbau NRW die bauliche Umgestaltung des Knotenpunktes abzustimmen. Außerdem bitte er um die Beteiligung der Polizei, der RVE und der Städteregion.

Das brachte die Mitglieder des Bauausschusses der Gemeinde Roetgen am Dienstagabend auf die Palme.
Michael Seidel (CDU) sprach von einem „einmaligen Vorgehen von Verwaltungen, insbesondere der Städteregion. Irgendwen los zu schicken, um an einem Tag die Fahrzeuge zu zählen, sei nicht seriös. „So kann man nicht miteinander umgehen“, beklagte Seidel.

Klaus Onasch (SPD) unterstrich diese Aussage. In der Sache habe es mit der Städteregion von Anfang an  Differenzen gegeben. Die Gemeinde sei den Forderungen der Städteregion nachgekommen. Die Städteregion habe die Sache aber erstmal liegen lassen und komme dann „mit einem Taschenspielertrick daher“. „Das ist eine Unverschämtheit gegenüber der Gemeinde Roetgen. Der Städteregionsrat wohnt da oben und will einfach nur schnell nach Aachen kommen“, sagte Onasch.

Theo Janßen vom Ingenierbüro IVV, der die Studie für die Gemeinde Roetgen erstellt hatte, übte Kritik an der Art und Weise der Zählung der Städteregion. Diese entspreche nicht den üblichen Kriterien.
Günther Severain (UWG) freute sich sehr über die Empörung seiner Kollegen und sprach von einer „Frechheit der Städteregion“.

Er schlug vor den zu beratenden Beschlussvorschlag zu ändern. Statt die Aufforderung an die Städteregion, grünes Licht zu geben, als Bitte zu formulieren, wollte er lieber eine Forderung sehen. „Die Zeit des Bittens ist vorbei“, sagte Severain. Es sei Zeit zu zeigen, „dass Roetgen eine eigenständige Gemeinde und nicht ein Anhängsel von Monschau und Simmerath ist“.

Gerd Pagnia (Grüne) unterstrich die Notwendigkeit der Maßnahme aufgrund der Vereinbarungen im Zuge der Aldi-Ansiedlung. Frank Martin (SPD) bezeichnete die Ampel als Steinzeitlösung. Gleichzeitig verstehe er aber die Argumente dafür. Er befürchtete, dass eine Ampel negative Auswirkungen auf ein neues ÖPNV-Konzept für die Eifel haben könne, und dass „das Geschrei“ groß werde und schnell der Rückbau der Ampel gefordert werde.

Kampfeslustig gab sich Silvia Bourceau (UWG). „Wir wehren uns und ziehen die Boxhandschuhe an“, sagte sie.

Die Frage nach den Einflussmöglichkeiten der Gemeinde auf die Entscheidung der Städteregion versuchte Klaus Onasch zu beantworten: „Wir haben ja nicht mal Rückhalt in Monschau oder Simmerath. Die sehen doch schon rot, wenn sie von einer zweiten Ampel hören.

Alsdorf zum Beispiel interessiert es eh nicht. Die Chancen kann sich jeder ausmalen, aber mit ein wenig gesundem Menschenverstand müsste es doch gehen“, sagte Onasch.

Am Ende stimmten die Mitglieder des Bauausschusses bei zwei Enthaltungen (Frank Martin – SPD, Dr. Georg Dittmer – FDP) dafür, die Städteregion eindringlich aufzufordern, die gewünschte Anordnung zu erlassen.

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