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Rodung für die Windräder hat begonnen

Von: ag/ho
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Die Arbeiten laufen: Im Lammersdorfer Wald an der B 399 zwischen Lammersdorf und Raffelsbrand sind schwere Maschinen im Einsatz, um Platz für die sieben geplanten Windkraftanlagen zu schaffen. Foto: A. Gabbert

Lammersdorf. Die Rodungsarbeiten für den im Lammersdorfer Wald geplanten Windpark haben in dieser Woche begonnen. Südöstlich der B 399 zwischen Lammersdorf und Raffelsbrand sollen sieben 190 Meter hohe Windkraftanlagen mit einer Leistung von jeweils 3,3 Megawatt aufgestellt werden. Der künftige Betreiber ist die Firma „Juwi Energieprojekte GmbH“.

Die Planungen für den Windpark laufen bereits seit dem Jahr 2011. Damals war in Zusammenhang mit einem Pumpspeicherkraftwerk der Bau von 17 Windkraftanlagen vorgesehen. Nachdem der Stadtwerke-Verbund Trianel im Juni 2013 bekannt gab, dass er aufgrund des gesellschaftlichen Widerstandes (unter anderem durch die Initiative „Rettet den Rursee“) die Pläne zum Bau des Pumpspeicherkraftwerks nicht weiter verfolgen würde, forcierte die Gemeinde Simmerath die Planungen für den Windpark im Lammersdorfer Wald. Damals wurde über den Bau von acht bis zehn Windrädern diskutiert.

Im März 2015 wurden dann mehrere Fachgutachten vorgelegt, aus denen hervorging, dass keine artenschutzrechtlichen Bedenken bestehen. Aus einem hydrogeologischen Gutachten ging allerdings hervor, dass einer der geplanten Standorte für ein Windrad nicht geeignet ist. So reduzierte sich die Zahl der Anlagen auf nunmehr sieben.

Dutzende Einwände vorgetragen

Im August 2015 hatten die Gegner des Windparks im Rahmen einer öffentlichen Erörterung Gelegenheit, ihre Einwände ausführlich zu erläutern und Fragen zu stellen. Stundenlang trugen sie Dutzende Einwände vor.

Dabei ging es unter anderem um die Überprüfung der Abstandsflächen, die Wirtschaftlichkeit des Windparks, die Rückbaukosten, die Betroffenheit verschiedener Schutzgebiete, fehlende Unterlagen, die Nichtberücksichtigung von neuen Studien, mögliche Gesundheitsschäden, Messverfahren, Auswirkungen auf Erholungssuchende, die Renaturierung, Wiederaufforstung, Folgeschäden für den Wald und die Beeinträchtigung von Fledermäusen, Kranichen und anderen Tierarten.

Dennoch wurde der Bau des Windparks dann zwei Tage vor Weihnachten von der Städteregion Aachen genehmigt. Ein Einwand stand aber noch im Raum. Der geologische Dienst NRW und die Erdbebenstation Bensberg hatten vor Erteilung der Baugenehmigung Bedenken geltend gemacht, dass die geplanten Windräder negative Auswirkungen auf die in der Nähe befindlichen Erdbebenmessstationen haben könnten. Es sei zu befürchten, dass die von den Windrädern ausgehenden Erschütterungen die Messergebnisse verfälschen und Messstationen unbrauchbar würden. Die Einwände der Seismologen wurden in diesem Fall zurückgewiesen. Für den Verein Natur- und Landschaftsschutz Nordeifel mit Sitz in Rott war dies ein Unding. Die Bürgerinitiative hatte sich umgehend an die Bezirksregierung gewandt und gefordert, die Genehmigung für den Windpark Lammersdorf aufzuheben.

Einer der Gegner des Standortes, Siegfried Klinkhammer, kritisiert unter anderem den Flächenverbrauch im Wald. Durchschnittlich seien nach seiner Rechnung, die auf vergleichbaren Projekten beruht, pro Windrad (inklusive Standfläche, Baunebenflächen, Zuwegung, Entwässerung etc.) 3,6 Hektar Wald zu roden, insgesamt also 25,2 Hektar. In der von der Städteregion ausgestellten Genehmigung sei von insgesamt rund neun Hektar die Rede. Dies sei aber irreführend, sagt Klinkhammer, dort seien im Gegensatz zu seiner Rechnung nur die vom zukünftigen Betreiber genannten Flächen erfasst. Der Flächenverbrauch sei so niedrig angesetzt, um bei den ökologischen Ausgleichsmaßnahmen sparen zu können. Dieser Planwert werde aber nach der Inbetriebnahme nie kontrolliert.

Außerdem erfolge die Rodung nicht durch den künftigen Betreiber, sondern durch die Gemeinde Simmerath. Die jährlichen forstwirtschaftlichen Maßnahmen würden nun so gesteuert, dass sich diese nur auf die Rodung der benötigten Flächen für die Windkraftanlagen beziehen würden und jede weitere Maßnahmen auf die Folgejahre verschoben werde.

„Juwi ist natürlich von dieser Vorgehensweise geradezu begeistert, denn wo ist bisher der Besitzer und Verpächter von Windpotenzialflächen im Wald so entgegenkommend gewesen und hat auf eigene Kosten im vorauseilenden Gehorsam für Juwi (und auch für den zukünftigen Käufer des Windparks) kostenlos die benötigten Flächen bereitgestellt? Fehlt also nur noch, dass die Gemeinde Simmerath die Zuwegung zu den sieben Windkraftanlagen auf ihre Kosten baut“, schreibt Klinkhammer.

Dabei handele es sich um eine besonders aufwendige und kostspielige Maßnahme, schließlich müsse die Zuwegung laut Richtlinien der Hersteller der Windkraftanlagen Traglasten von bis zu 60 Tonnen aushalten können.

In der Verwaltung der Gemeinde Simmerath war am Freitag kein Ansprechpartner mehr erreichbar.

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