„Rigoletto“ steht im Regen

Von: js
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Schwierige Bedingungen: Für die Zuschauer war „Rigoletto“ im Regen kein Vergnügen. Foto: Josef Schreier
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Tapfer durchgespielt: Die Rigoletto-Aufführung im Rahmen der Festspiele Monschau litt unter widrigen äußeren Bedingungen. Foto: Christoph Hahn

Monschau. Am Samstagabend gab es auf der Monschauer Burg mindestens zwei Ereignisse gleichzeitig zu erleben. Einmal, wie geplant, „Rigoletto“, das Meisterwerk Giuseppe Verdis, dessen 200. Geburtstag damit gefeiert werden sollte. Dann, zwar nicht geplant, im Voraus aber natürlich auch nicht ganz auszuschließen, der Monschauer Regen. Und schließlich der Kampf dieser beiden Elemente gegeneinander.

Zunächst konnte man den Eindruck haben, daß die Musik Verdis und die Darstellung dieser menschlich sehr bewegenden Oper sich gegen die widrigen Wetterverhältnisse gut behaupten konnte. Es begann ja auch zunächst durchaus hoffnungsvoll. Als nach der düsteren musikalischen Einleitung das lebenslustige Treiben am Herzogshof in Mantua begann, konnte man noch mit einigem Grund hoffen, daß der Opernabend, sagen wir, äußerlich gut zu Ende gehen könnte. Dass im Stück selber freilich allerhand tragischer Zündstoff schlummerte, war an der zwielichtigen Figur des Hofnarren Rigoletto in der vorzüglichen Darstellung des isländischen Baritons Olafur Sigurdarson schon abzulesen.

Die ersten Regentropfen versuchte „Rigoletto“ mit einigen energischen Handbewegungen zu verscheuchen. Freilich vergeblich. Gegen Ende des ersten Aktes, als sich die tragische Verstrickung von Rigolettos Tochter Gilda mit dem triebhaften Herzog abzeichnete, zwang der immer stärker werdende Regen zu einer zehnminütigen Unterbrechung. Die gut 900 Besucher auf der fast ausverkauften harrten in ihren Regenponchos tapfer aus.

Bis dahin waren die musikalischen Leistungen nur zu loben. Die in Monschau schon aus früheren Jahren gut bekannte Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg stand diesmal unter der Leitung von Philip van Buren. Präzise und differenziert begleiteten die Musiker das Geschehen auf der Bühne, das in diesen ersten Szenen des Werks von der rücksichtslosen Sexgier des Herzogs und der zynischen Hilfestellungen seines Hofnarren Rigoletto geprägt war. Daß dessen eigene Tochter selbst Opfer dieses Treibens werden konnte (und würde), wollte der irregeleitete Vater zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht wahrhaben.

Neben Olafur Sigurdarson brillierte als Herzog der in Monschau ebenfalls schon bekannte und geschätzte Tenor Antonio Rivera. Die erste große Szene der Gilda, die zugleich den ersten musikalischen „Ohrwurm“ des Werks enthielt, nämlich ihre große Arie, die den vermeintlichen Studenten „Gualtier Maldé“ (in Wahrheit der verkleidete Herzog) besingt, konnte die ebenfalls vorzügliche Sopranistin Diana Petrova erst nach der erzwungenen Pause darbieten. Trotz des immer noch prasselnden Regens geriet sie zu einem brillanten und bewegenden Höhepunkt.

Leider waren die Zuhörer - gewissermaßen aus technischen Gründen, da sie ihre Regencapes festhalten mussten - daran gehindert, den gebührenden Applaus zu spenden.

Juri Gilbo, der eigentliche Dirigent des russischen Orchesters, fungierte an diesem Abend als Produktionsleiter und versuchte, mit einigen launisch-resignierten Bemerkungen Verständnis für das „romantische Monschau“ und seine Wetterprobleme zu wecken.

Nach einem nassen Opernabend gab es am Ende den gebührenden Applaus, aber ein Vergnügen war die Aufführung nicht.

So war auch die Witterung wieder ein großes Thema an diesem Abend. Dass Niveau der Monschauer Opernaufführungen hat sich mittlerweile so sehr stabilisiert hat, dass es fast ein Gebot der Fairness gegenüber den Künstlern wie auch gegenüber dem Publikum wäre, an eine Überdachung auch der Publikumsränge zu denken.

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