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Rennpiste Mulartshütte: Einwohner nennen Verkehr lebensgefährlich

Von: jpm
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Die gefährlichste Straße der
Die gefährlichste Straße der Städteregion? So jedenfalls empfinden die Bewohner von Mulartshütte die L12 nach Lammersdorf. Dass dort Tag für Tag viele hundert Male die Geschwindigkeit übertreten wird, steht in jedem Falle fest. Foto: J. Mönch

Roetgen-Mulartshütte. Neu ist das Thema schon lange nicht mehr, an Aktualität hat es jedoch nichts eingebüßt: Die Bewohner von Mulartshütte empfinden die Verkehrssituation in ihrem Dorf als unzumutbar - um nicht zu sagen lebensgefährlich.

Vor den anstehenden Landtagswahlen kommt nun noch einmal Bewegung in die Angelegenheit: Bei einem Ortstermin mit dem Landesbetrieb Straßenbau und dem Landtagsabgeordneten Axel Wirtz (CDU) erörterten die Dorbewohner, wie der Raserei ihrer Ansicht nach begegnet werden könnte.

Was den Verkehr betrifft, befindet sich Mulartshütte für Wirtz´ Begriffe in einer „prekären Lage”. Denn mitten im Ort kreuzen sich L12 (Mulartshütter Straße/Hahner Straße) und L238 (Zweifaller Straße). Der Durchgangsverkehr ist dementsprechend hoch, verkehrsberuhigend eingegriffen wird bislang kaum.

Vier Maßnahmen hält Jürgen Klein von der Bürgerinitiative der „Kümmerer” für besonders wesentlich, gemeinsam ist ihnen, dass sie nahezu kostenfrei zu haben wären.

Zunächst wäre da das Ortsausgangsschild auf der Zweifaller Straße: Würde man dieses um 300 Meter in Richtung Rott setzen, würde automatisch 300 Meter früher Tempo 50 gelten. Praktisch als Nebeneffekt könnten die Dorfbewohner und ihrer Besucher dort dann außerdem am Straßenrand parken. Denn vor allen Dingen am Wochenende ist auch der stehende Teil der Blechlawine oft ein Problem: Stichwort Parkdruck.

„Das Versetzen des Schildes kostet so gut wie nichts, hat aber einen riesigen Effekt”, glaubt Klein. Tempo 30 sollte dann, Maßnahme Nummer zwei, in einem Radius von 50 Metern um den Dorfplatz gelten. Der Kostenaufwand würde sich auf einige Schilder beschränken.

Mit weit mehr Respekt als die Zweifaller Straße beschreiten die Mulartshütter jedoch die Hahner Straße. Und dass Autofahrer insbesondere die acht Kilometer in Richtung Lammersdorf teils hinauf- und hinabbrettern, als wenn es kein Morgen gäbe, entspricht nicht nur dem subjektiven Empfinden von Klein, der selbst direkter Anwohner ist, und seinen Nachbarn.

Denn bereits vor drei Jahren wurde festgestellt, dass in dem Bereich im Schnitt 778 Fahrzeuge pro Tag die erlaubte Geschwindigkeit von 50 Kilometern in der Stunde überschreiten - also deutlich mehr als jedes Vierte. Gefährlich ist dies vor allem für Fußgänger, weil die Hahner Straße teils keine befestigten Fußwege bietet. Seitdem ist an der Raserei zwischen Mulartshütte und Lammersdorf zwar amtlich beglaubigt, nachgelassen hat sie dadurch jedoch nicht.

Die Forderung von Klein und seinen Mitstreitern: Fahrbahnverengungen („Die müssen nur aufgestellt werden”) sollen Autofahrer künftig sanft zum Drosseln ihres Tempos bewegen. Wer sich dann trotzdem noch als Hobbyrennfahrer versucht, soll hiervon Erinnerungsfotos zugeschickt bekommen - aufgenommen von einer stationären Geschwindigkeitmessanlage („Bringt sogar Geld ein”).

Als besonders frustrierend empfindet man in Mulartshütte, dass die Ideen im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft”, ausgerufen von der Städteregion, ersonnen wurden. „Erst wird man ermutigt, sich zu engagieren. Das haben wir längst getan, und dann unternimmt keiner etwas, um die Situation hier zu entschärfen”, ärgert sich Jürgen Klein. Axel Wirtz jedenfalls machte sich nun vor Ort für das Ende von Mulartshütte als Rennpiste stark, und fragt rhetorisch: „Muss denn erst jemand umkommen, bevor etwas passiert?”

Dass die „gefährlichste Stelle der Städteregion” nicht schon längst Todesopfer gefordert hat, liegt für Jürgen Klein einzig und allein daran, dass die Menschen in Mulartshütte der „katastrophalen Situation” den gebührenden Respekt zollen. Selbst Nachbarn, deren Häuser kaum ein Steinwurf trennt, würden sich teils nur mit dem Pkw besuchen, Kinder mit dem Auto zur Bushaltestelle kutschiert.

Ein Zustand, den man vor Ort leid ist. Klein: „Wir verlangen ja schließlich nicht mehr, als dass man sich an die erlaubte Geschwindkeit hält. Darauf haben wir ein Recht.”
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