Rekord-Raser ohne Führerschein geblitzt

Von: Udo Kals
Letzte Aktualisierung:
Bildnummer: 51462043  Datum: 3
Den Vogel an den stationären Starenkästen hat im vergangenen Jahr ein Raser zwischen der Autobahnauffahrt Broichweiden und dem Kreisverkehr Birk abgeschossen: Bei erlaubten 70 Stundenkilometern kam der Autofahrer auf der Landesstraße 223 am Abzweig zum Würselener Stadtteil Euchen mit Tempo 141 angeflogen. Foto: imago/INSADCO

Städteregion Aachen. Den Vogel an den stationären Starenkästen hat im vergangenen Jahr ein Raser zwischen der Autobahnauffahrt Broichweiden und dem Kreisverkehr Birk abgeschossen: Bei erlaubten 70 Stundenkilometern kam der Autofahrer auf der Landesstraße 223 am Abzweig zum Würselener Stadtteil Euchen mit Tempo 141 angeflogen.

Satte 71 km/h zu viel hatte der Verkehrsteilnehmer auf dem Tacho, der in der Folge mehr auf Bus und Bahn setzen muss. „Dabei ist der vorgegebene Messtoleranzwert bereits herausgerechnet”, sagt Städteregionssprecher Holger Benend und führt mit Blick auf die mobilen Kontrollen einen noch bedenklicheren Fall an.

Tatort diesmal: die Kinzweiler Burg. Auf der gut ausgebauten Straße in dem Eschweiler Stadtteil gilt Tempo 50. Definitiv zu langsam, befand ein Zeitgenosse, der daraufhin von einem Messwagen mit 121 hm/h geblitzt wurde. Und damit nicht genug: „Den Führerschein konnten wir dem Autofahrer nicht mehr entziehen, denn den hatte er vor geraumer Zeit schon wegen anderer Verkehrsdelikte verloren”, sagt Benend.

Auch im vergangenen Jahr waren die 50 stationären Knipser, die abwechselnd mit elf Digitalkameras bestückt werden, sowie die drei mobilen Einsatzwagen, die in drei Schichten quasi rund um die Uhr besetzt sind, eine nicht zu verachtende Einnahmequelle für die Städteregion. Knapp 4,7 Millionen Euro kann der Kämmerer verbuchen, rund 100 000 Euro mehr als im Jahr zuvor, fast genauso viel wie im Jahr 2009.

Der Rekordwert des vergangenen Jahrzehnts bleibt indes unangetastet: 5,41 Millionen Euro prasselten 2006 in die Kasse des damaligen Kreises Aachen. Wobei im Februar 2009 die Bußgelder empfindlich erhöht wurden. Seitdem kostet ein Bußgeld, das für eine überhöhte Geschwindigkeit von 21 Stundenkilometer und mehr verhäng wird, nicht mehr mindestens 40, sondern 70 Euro. Für geringere Verstöße wird ein Verwarnungsgeld von maximal 35 Euro fällig. 186.138 Verwarnungsgelder wurden im vergangenen Jahr verhängt, 12.015 Bußgelder, insgesamt wurde also 198 154 Mal geblitzt - ein Plus von rund 6000 im Vergleich zum Vorjahr, ein Plus von 2000 im Vergleich zu 2009.

Klarer Spitzenreiter sind nach Auskunft von Sprecher Benend die Blitzer am Stolberger Fettberg (Tempo 30) und an der Würselener Ortsausfahrt auf der Bundesstraße 57 in Richtung Birk/Alsdorf (Tempo 50). „Das liegt vor allem daran, dass die Straßen ein sehr hohes Verkehrsaufkommen haben”, sagt Benend. Was übrigens auch für die Blitzer bei Euchen und auf der B 258 an Fringshaus (Tempo 50) gelte.

Inzwischen halten sich die per mobiler Kamera geahndeten Tempoverstöße mit 96.870 Fällen fast die Waage mit denen, die von den stationären Starenkästen dokumentiert werden (101.284 Fälle). „Dabei gibt es über 200 mobile Standorte in den neun Kommunen, die als Gefahrenstelle klassifiziert sind und an denen daher mobil geblitzt werden darf. Typische Gefahrenstellen sind Tempo-30-Zonen vor Grundschulen oder Kindergärten”, sagt Benend und erläutert, dass die Städteregion weiterhin nur für das Gebiet des Altkreises, nicht aber für die Stadt Aachen zuständig ist.

17,9 Millionen Fahrzeuge

Dabei hat der Überwachungsdruck auf den Straßen des Altkreises in den vergangenen Monaten drastisch zugenommen. So sind im November 2010 die zehnte und elfte Kamera für die stationären Anlagen sowie im Februar vergangenen Jahres ein dritter Messwagen für die mobile Geschwindigkeitskon­trolle angeschafft worden. In Zahlen bedeutet dies: Wurden 2010 rund 14,8 Millionen Fahrzeuge kontrolliert, waren es im vergangenen Jahr 17,9 Millionen - ein dickes Plus von 21 Prozent.

Dass der Städteregion vor diesem Hintergrund nach einem jahrelangen Abwärtstrend wieder mehr Temposünder ins Netz gegangen sind, ist nachvollziehbar. Mussten 2006 noch 218.565 Verkehrsteilnehmer blechen, waren es 2010 „nur” noch 192.137 - ein Minus von rund zwölf Prozent. Nun stieg die Zahl der Ertappten auf 198.154, ein leichtes Plus von drei Prozent. Dieser doch recht sanfte Anstieg nährt bei Benend die Hoffnung, dass die Verkehrsteilnehmer vielleicht doch moderater als früher fahren.

Dabei waren in 94 Prozent der geahndeten Fälle die Auto- und Lkw-Fahrer höchstens 20 Kilometer zu schnell und kassierten ein Verwarnungsgeld. Erst bei gröberen Verstößen setzt es ein Bußgeld und Punkte in Flensburg.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert