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Reisen nach Mali: „Moscheen die sichersten Orte“

Von: P. St.
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Die Erinnerung an zahlreiche Afrikareisen lebt für Jöb Kersting immer auf, wenn er die alten Fotos und Dias betrachtet. Foto: P. Stollenwerk
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Kreuz und quer durch Afrika: Auf vollgeladenen Lastwagen war für Jöb Kersting immer noch ein Platz frei.
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Gut aufgenommen fühlte sich Jöb Kersting von der einheimischen Bevölkerung in Mali.
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Timbuktu, die legendäre Wüstenstadt in Mali: So sah Jöb Kersting das geschäftige Treiben vor Ort.

Nordeifel. Über das Ausmaß des Krieges in Mali ist wenig bekannt. Ausländische und auch malische Journalisten werden von den Kampftruppen nicht an die Fronten gelassen, auch, weil Frankreich den Eindruck eines klinisch sauberen Krieges erwecken will.

Die Lage im westafrikanischen Staat Mali ist rund fünf Wochen nach dem Beginn der französischen Militärintervention weiter angespannt. Zwar sind die größeren Islamistenverbände aus den nordmalischen Städten vertrieben, aber kleinere Islamistengruppen werden zunehmend aktiv.

Die politische Situation in dem westafrikanischen Binnenstaat, der 1960 seine Unabhängigkeit von Frankreich erlangte, ist weiterhin angespannt, aber das Thema wird immer mehr aus den Schlagzeilen zurückgedrängt.

Zu den intensiven Beobachtern des Konfliktes aus der Ferne gehört aber nach wie vor Jöb Kersting, der Verwalter des Jugendzeltplatzes des Eifelvereins im Woffelsbacher Schilsbachtal. Nicht weniger als zwölf Mal hat Kersting den schwarzen Kontinent bereist, und in den Jahren 1979 und 1980 war er auch jeweils für mehrere Wochen in Mali. Als wäre es gestern gewesen, kann er sich noch an Begegnungen und Erlebnisse in dem damals vollkommen friedlichen Land erinnern, seien es die freundlichen Menschen oder die legendäre Wüstenstadt Timbuktu. Jöb Kersting fand ein Denkmal zu Ehren von Heinrich Barth, der 1853 als zweiter Deutscher überhaupt die Wüstenstadt besuchte (entdeckt worden ist sie von einem französischen Forscher im Jahr 1828) oder bestaunte eine Erinnerungstafel an früheren deutschen Bundespräsidenten Heinrich Lübke, der 1966 im Rahmen einer Afrikareise Mali besuchte.

Das Abenteuer Mali hatte für Jöb Kersting im Schilsbachtal begonnen. Es war im Jahr 1965, als ein französischer Missionspater mit einer Gruppe Jugendlicher in der romantischen Rurseebucht ein Zeltlager aufschlug und Kersting sich mit dem Geistlichen anfreundete. Im Rahmen des deutsch-französischen Jugendaustausches fand damals auch am Rursee ein großes Treffen statt. Erst viele Jahre später kam Jöb Kersting auf die Einladung zurück, den französischen Pater auf seiner Missionsstation in Mali zu besuchen.

Immer wieder fühlte Kersting sich nach Afrika hingezogen. Erstmals besuchte er im Jahr 1955 Kenia und Tansania, wo vor 60 Jahren Touristen noch eine ausgesprochene Seltenheit waren und erst recht Reisende vom Schlag eines Jöb Kersting, der auf sich allein gestellt das Abenteuer suchte. Damals nutzte er den sogenannten Europabus, der in Köln startete, über Barcelona nach Gibraltar fuhr, wo man die Möglichkeit hatte, mit der Fähre nach Tanger auf den afrikanischen Kontinent überzusetzen. Das Amazonasgebiet, Südamerika, Kambodscha und Island waren weitere Reiseziele, doch Afrika übte die stärkste Faszination aus.

Bei seinem ersten fünfwöchigen Besuch in Mali, erinnert sich Jöb Kersting, sei er aufgrund der Legenden, die sich um Timbuktu rankten, doch ein „wenig enttäuscht“ von der Wüstenstadt gewesen, „die im Grunde nur aus vielen einfachen Lehmbauten bestand“.

Und wenn er den Bogen zur heutigen politischen Situation schlägt, die darauf zielt, die Islamisten zurückzudrängen, muss Jöb Kersting feststellen, „Moscheen waren für mich immer die sichersten Orte.“

Erinnern kann er sich auch an die starke Verbundenheit der Menschen mit der Wüste und Natur und wie es ihnen gelang, sich den oft lebensfeindlichen Bedingungen anzupassen.

„Stammeskämpfe“, weiß Jöb Kersting aus eigener Anschauung, „gehörten in Afrika zum Alltag.“ Und so ist für ihn auch durchaus denkbar, dass von einem Konflikt wie er heute in Mali existiere, möglicherweise vor 40 Jahren „niemand Notiz genommen hätte, auch weil die Kommunikationswege noch nicht so ausgeprägt waren.“

Der heutige 75-jährige Jöb Kersting hat seine Reisetätigkeit längst beendet. Seine letzte große Afrikareise führte ihn 1984 zum Senegal und nach Guinea.

Heute genießt er die Ruhe des Schilsbachtals, ehe im Sommer wieder die ersten Jugendgruppen aufschlagen.

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