Konzen - Ravel-Route: Hoscheiter Venn „nicht Tourismus opfern”

Ravel-Route: Hoscheiter Venn „nicht Tourismus opfern”

Von: rpa
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Das gefährdete Birkhuhn hat im Hoscheiter Venn eines seiner letzten Rückzugsgebiete. Foto: imago/McPhoto

Konzen. Die Lebensräume des Rotwildes werden erheblich gestört, das Birkwild und andere seltene Vogelarten werden wohl aus dem „noch unberührten Schutzgebiet” vertrieben - durch die Radfahrer auf der Ravel-Route im Hoscheiter Venn zwischen Paustenbach und Konzen. Dies jedenfalls befürchtet Hermann Carl aus Monschau, Naturschützer, Waldführer und Jagdaufseher.

Seine weitere Sorge: Führt die Ravel-Route wie geplant über die Trasse der alten Vennbahn, dann „verlieren die Jagdreviere auf belgischer wie auf deutscher Seite erheblich an Wert”.

Liste gefährdeter Arten

Hermann Carl, in der Nordeifel weithin als Gestalter und Präsentator der „Rollenden Waldschule” bekannt, plädiert für eine Alternativeroute über die K 20, die von Paustenbach durch das Paustenbacher Venn nach Konzen führt und dort auf die Blumgasse trifft. Bis zum weiteren Einstieg (über einen Kreisverkehr an der Blumgasse /B258 an der „Bahn” in Konzen sind es nur ein paar hundert Meter.

Carl hat sich an den Umweltminister der Wallonischen Region gewandt, um seine Sorgen und Bedenken vorzubringen. Über seine Initiative hat er auch Ministerin Isabelle Weykmann von der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Eupen informiert, seinen Brief hat er zudem an die Bürgermeisterin von Monschau und an den Simmerather Bürgermeister geschickt, dazu an Städteregionsrat Helmut Etschenberg, an das Umweltamt der Städteregion Aachen und an die Biologische Station.

Hermann Carl listet auf, was im Hoscheiter Venn entlang der alten Vennbahntrasse, im nahen Kranzvenn und im angrenzenden Naturschutzgebiet Lenzbach an Besonderheiten aus der Tier- und Pflanzenwelt dauerhaft vorkommt und was dort besonders schützenswert ist: Braun- und Schwarzkehlchen, Raubwürger, Bekassine, Kuckuck und die Nachtschwalbe, auch Ziegenmelker genannt.

In der Kall und im Kranzbach leben seit vielen Jahren Biber, die (recht frischen) Spuren sind unverkennbar. In den renaturierten Gebieten kommen sehr seltene Insektenarten und Pflanzengesellschaften vor wie Beinbrech, Sonnentau, Fieberklee, Lungenenzian, Sumpfblutauge und Orchideen. Hermann Carl: „Im Gebiet unmittelbar an der geplanten Trasse wurden zahlreiche Pingos renaturiert, auf denen sich die eben genannten Pflanzen und viele Lurche sowie wassertypische Insektenarten vorkommen und sich immer weiter ausbreiten.”

Als besonderes Argument gegen die Ravel-Route auf der Vennbahntrasse wird das Birkwild genannt: „Das Hoscheiter Venn steht räumlich in Verbindung mit dem Steinleyvenn, wo noch das Birkwild brütet und lebt. Gerade im Gebiet der Hoscheiter Bahntrasse ist diese seltene Vogelart in jüngster Zeit noch verlässlich mehrfach beobachtet worden. Diese Vogelart und auch andere sehr seltene Arten werden das bisher sehr ruhige Gebiet mit Sicherheit verlassen, wenn dauerhaft Unruhe durch Nutzer der Radfahrtrasse entstehen wird.”

Hermann Carl gibt weiter zu bedenken: Das Hoscheiter Venn im Bereich der Bahntrasse ist ein Standort des Rotwildes, das „unbedingt Ruhezonen” braucht, vor allem in der Notzeit des Winters. Da aber Deckung wie Nahrung beinträchtigt seien werde das Wild vermutlich diese Reviere künftig meiden, was auch den Wert der Reviere mindere.

Der Jagdaufseher im Jagdbezirk Simmerath-Paustenbach verweist auf die „kostenträchtigen Maßnahmen bei den Renaturierungsarbeiten (Interreg-Projekt Hochmoor), die „ad absurdum geführt” würden. „Es ist nicht zu verstehen, dass eine Radfahrroute quer durch dieses Gebiet geführt werden soll. Durch die geplante Trasse wird auch eines der letzten ruhigen Venngebiete Radsportlern und Touristen geopfert.”

Weil für die Bevölkerung im strukturschwachen Gebiet wie die Nordeifel „jede touristische Attraktion bitter nötigt” sei, sei es durchaus möglich, allen Interessen gerecht zu werden und mit vernünftigen Kompromissen eine Lösung zu finden.

Hermann Carl schlägt eine Lösung vor, die seiner Ansicht nach den „Ansprüchen der Ravel-Route gerecht” wird (die von ihm vorgeschlagene Ausweichstrecke entspreche „im Niveau von Steigung und Gefälle exakt den Vorgaben), zudem „noch erheblich kostengünstiger ist und auch den Naturschutz in ausreichender Weise gewährleistet”.

Sein Vorschlag: Die K 20, die von Paustenbach nach Konzen führt und „ganz schwach frequentiert” sei, für den „allgemeinen Fahrzeugverkehr sperren” und als Ausweichstrecke auszuweisen. Für die drei Bauernhöfe, die in diesem Bereich liegen, könnte die K 20 als „Anliegerstraße” oder mit dem Zusatz „frei für Land- und Forstwirtschaft” ausgeschildert werden. Für den allgemeinen Verkehr, so Carl, entstünde „kein oder nur ein sehr unwesentlicher Umweg über die parallel führende B 258 oder die Blumgasse in Konzen”.

Hermann Carl bittet „dringend darum, das noch unberührte Naturschutzgebiet Hoscheit mit einer vernünftigen und sogar kostenlosen Alternative”, die ebenfalls durch eine attraktive Landschaft führt, zu umgehen. „Wenn man die Touristen in unsere schöne Natur holt, so sollte man dabei diese Natur nicht opfern.”
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