Paustenbach/Konzen - Ravel-Radweg: Kleiner Umweg fürs Birkhuhn?

Ravel-Radweg: Kleiner Umweg fürs Birkhuhn?

Von: Heiner Schepp
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An der Hoscheiter Straße in L
An der Hoscheiter Straße in Lammersdorf ist auf der einen Seite schon die Feinschicht des künftigen Radweges aufgetragen, während auf der gegenüberliegenden Fortsetzung der einstigen Bahnstrecke noch das Gras auf dem Damm wuchert. Der Nabu-Einspruch sowie Finanz- und Querrungsfragen lassen das ehrgeizige touristische Projekt derzeit ein wenig haken. Foto: Heiner Schepp

Paustenbach/Konzen. Der Naturschutzbund Nabu wartet seit nunmehr 14 Tagen auf Reaktionen infolge seines Einspruchs gegen einen Teil des Ravel-Radweges. Die Umweltorganisation hatte am 18. Mai Einspruch gegen die Erteilung der Städtebaugenehmigung für den Ausbau des Ravel-Radweges auf der ehemaligen Vennbahntrasse im Bereich des Paustenbacher Venns eingelegt.

Das Projekt verstößt nach Ansicht des Nabu in diesem etwa drei Kilometer langen Bereich zwischen Paustenbach und Konzen gegen europäisches und deutsches Naturschutzrecht. „Gutachten belegen eindeutig, dass der Ausbau der Radroute und der damit zunehmende Radtourismus erhebliche Auswirkungen auf die benachbarten Schutzgebiete und das im Einzugsbereich der Vennbahntrasse lebende Birkhuhn haben wird”, erklärt Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Nabu NRW. Damit dürfe die Trasse so wie bisher geplant nicht gebaut werden.

Grundsätzlich befürworte der Nabu zwar den Bau der Radroute, da sie sicherlich für den Tourismus in der Region förderlich sei, aber auch bei diesem Projekt müsse das geltende Naturschutzrecht befolgt werden.

Der Nabu fordere daher von den zuständigen belgischen und deutschen Behörden, die bereits mehrfach vorgeschlagene alternative Trassenführung zwischen Lammersdorf und Konzen umzusetzen. „Die von Gutachtern der Städteregion Aachen vorgeschlagene Alternativroute würde zudem wesentlich preiswerter und mutmaßlich auch sicherer”, verweist Dr. Eike Lange, 2. Vorsitzender des Nabu-Kreisverbandes Aachen-Land auf die damit wegfallende, gefährliche Querung der B258 im Bereich des bisherigen Bahnübergangs. Die Alternativroute sind eine Querung im Bereich der vorhandenen Kreuzung B 258/Blumgasse vor.

Dies wie jenseits der Grenze sei man, so der Nabu, „nach EU-Naturschutzrecht verpflichtet, für einen guten Erhaltungszustand der Birkhuhnpopulation zu sorgen.” Diese Verpflichtung gelte auch außerhalb von Schutzgebieten. „Es reicht nicht, Birkhühner im Hohen Venn mit viel Aufwand zu schützen, wenn die außerhalb lebenden Tiere dann ohne Rücksicht auf Verluste vertrieben werden”, so der Nabu-Landesvorsitzende.

Mit dem Birkhuhn sei zudem eine Art der höchsten Gefährdungskategorie betroffen: In der aktuellen Roten Liste von Nordrhein-Westfalen gilt das Birkhuhn als Brutvogel als ausgestorben oder verschollen . „Daher muss alles getan werden, um die wenigen vorhandenen Exemplare zu schützen und die Situation der Art wieder zu verbessern”, sagt Tumbrinck.

Seit 2005 gebe es erfreulicherweise mehrere Hinweise auf Birkhuhn-Vorkommen im Bereich des Natura 2000-Gebietes „Kalltal und Nebentäler”, an dem die geplante Ravel-Route vorbeiführen soll.

Die Städteregion Aachen ließ daher im Jahr 2010 zwei Gutachten zur natur- und artenschutzrechtlichen Bewertung der geplanten Baumaßnahme anfertigen, die diese Angaben bestätigten.

Auch die Biologische Station der Städteregion Aachen bestätigte sowohl das Vorkommen des Birkhuhns als auch die Aussagen des Gutachtens zur Gefährdung dieses Vorkommens durch den geplanten Bau des Radweges.

Weder die Städteregion Aachen noch die belgischen Genehmigungsbehörden hätten bisher jedoch signalisiert, diese Ergebnisse bei ihren Planungen zu berücksichtigen.

„Sollte unserem Einspruch nicht entsprochen werden, behält sich der Nabu eine förmliche Beschwerde bei den zuständigen Dienststellen der Europäischen Kommission in Brüssel vor, da das Projekt mit Interreg-Mitteln gefördert werden soll. „Nach geltendem Recht ist es ausgeschlossen, dass ein Projekt, das so massiv gegen europäisches Naturschutzrecht verstößt, auf der anderen Seite mit Geldern der europäischen Steuerzahler subventioniert wird”, so Vorsitzender Tumbrinck.

„Wir haben bisher weder von deutscher, noch von belgischer Seite eine Reaktion erhalten”, so Dr. Eike Lange, „vier bis sechs Wochen” habe man sich als Zeitfenster gesetzt, um dann weitere Maßnahmen zu ergreifen. Doch so weit müsse es nicht kommen, wie man auch beim Nabu hofft. Dr. Lange: „Schließlich haben die Belgier auf ihrer Seite schon gezeigt, dass auch Alternativrouten der Attraktivität des neuen Ravel-Radweges keinen Abbruch tun.”

Krings: „Betroffenes Gebiet als Lebensraum für Birkhühner völlig ungeeignet”

Er ist nach eigenem Bekunden „kein Freund des Ravel-Radweges, weil es hier bei uns genug Radwege gibt”, sagt Günter Krings. Doch für den Einspruch des Nabu gegen die Streckenführung der Route hat der erfahrene Eifeler Vogelbeobachter nur Kopfschütteln übrig:

„Die Verhinderung der Ravel-Radfahrroute zwischen Lammersdorf und Konzen kann nicht ernsthaft mit dem Schutz der Birkhühner (Bild) begründet werden, weil der Lebensraum dort für Birkwild mittlerweile völlig ungeeignet ist. Da müssen die Naturschützer schon geeignetere Argumente vorbringen”, sagt der engagierte Hobby-Ornithologe.

Lebensraum für das Birkwild sind laut Krings ausgedehnte Moor- und Heide- sowie stark aufgelichtete, abwechslungsreiche Waldgebiete. Werden die schattenmeidenden Zwergsträucher dort aber durch dichteren Kronenschluss verdrängt, verschwindet das Birkwild”, erläutert der Dedenborner Naturkenner.

Die Aufgabe der Bewirtschaftung des Venns und als Weideland für Schafe sowie die Urbarmachung (Trockenlegung) großer Vennbereiche (unter anderem Hatzevenn, Platte Venn, Brather Hof, Kranzbruchvenn, Hoscheidter Venn) ließen das Venn austrocknen und Birken, Weiden, Ebereschen und Espen so dicht aufwachsen, dass der Lebensraum für das Birkwild in den 1970er Jahren völlig verschwand, wie die Beobachtungsaufzeichnungen des Dedenborners eindeutig beweisen: 1979 wurden letztmals balzende Birkhähne in unserem Raum beobachtet. Vier Jahre zuvor hatten die Beobachter noch sechs, 1970 sogar noch 13 balzende Hähne notiert.

„Im Übrigen”, so Krings, sollte in Erinnerung gerufen werden, dass in den 20er-Jahren auf der zweispurigen Vennbahn täglich mehr als 60 Züge fuhren, die das Birkwild damals auch nicht vertrieben haben.”

Auch Braunkehlchen haben laut Günter Krings „im Bereich der Bahnstrecke zwischen Lammersdorf und Konzen nie gebrütet, weil der Lebensraum für sie dort ebenfalls völlig ungeeignet ist.”

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