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Rathausplatz: Behinderte und Senioren gegen Bürgerinitative

Von: Peter Stollenwerk
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Vollen Einsatz muss Andrea Niessen-Comuth, Leiterin des Helena Stollenwerk-Hauses in Simmerath zeigen, um die viele zu steile Rampe am Rathausplatz mit einer Bewohnerin zu überwinden. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Agnes Huppertz kommt nicht weit, wenn sie die Seniorenresidenz in Simmerath zu einem kleinen Ausflug in den Ortskern Simmerath verlassen möchte. Die Heimbewohnerin muss ihren Rollstuhl über das teilweise holprige und brüchige Pflaster des Rathausplatzes bewegen. Wenn ihr dieses nicht ungefährliche Unterfangen gelingt, ist aber den sechs Betonstufen, die hinauf zum sogenannten kleinen Rathausplatz gegenüber dem Krankenhaus führen, Schluss.

Zwar gibt es an der Seite eine Rampe, aber die ist nur bedingt behinderten- und rollstuhlgerecht. Der Anstieg ist zu steil und ohne zusätzliche Anschubhilfe kann Agnes Huppertz die Barriere nicht überwinden: „Ich könnte allein durch Simmerath fahren, wenn wenn der Platz eben wäre“, sagt die 74-jährige, die auch dem dem Heimbeirat angehört.

Die Seniorin und auch die anderen Heimbewohner freuten sich auch daher, dass im Frühjahr im Simmerather Gemeinderat der mehrheitliche Beschluss gefasst wurde, den Rathausplatz einer umfangreichen und barrierefreien Neugestaltung zu unterziehen.

Doch in den letzten Wochen ist diese Freude wieder getrübt worden, seitdem eine Simmerather Initiative eine Bürgerfragung gestartet hat, ob der Beschluss wieder aufgehoben werden soll.

Dieser Vorstoß hat nun alle vier Simmerather Behinderten- und Seniorenheime (Seniorenresidenz, Seliger Gerhard, Helena Stollenwerk-Haus und Villa Hammerstein) auf den Plan gerufen. In einem gemeinsamen Pressegespräch machen sie deutlich, dass die Sanierung des Platzes auf keinen Fall auf die lange Bank geschoben werde und man die Chance nutzen solle.

„Es geht auch um ein Stück Lebensqualität. Die Bewohner wollen am Leben teilhaben“, sagt Stefan Könnicke, Heimleiter der Seniorenresidenz. Man würde sich auch gerne mit den anderen Einrichtungen im Ort austauschen und in Kontakt treten, aber die jetzige bauliche Situation auf dem Rathausplatz stehe diesem Wunsch nach gegenseitigen Besuchen der Bewohner entgegen. Bisher seien bereits Bewohner auf dem Platz gestürzt, was auch auf den wenig komfortablen Untergrund zurück zuführen sei. Auch die derzeitige etwas ungeordnete Parksituation auf dem Platz ist aus der Sicht Könnickes eine dauernde Gefahrenquelle.

Franz-Josef Gerull, Bewohner der Villa Hammerstein, hat schlechte Erinnerungen an den Rathausplatz. Nach einem Einkauf blieb er mit seinem Rollator in einer Loch hängen und stürzte. Mit einer Rippenprellung wurde er ins Krankenhaus eingeliefert.

„Simmerath würde durch eine Neugestaltung des Platzes enorm aufgewertet“, ist Könnicke überzeugt. Die Gemeinde sei auch bereits auf einem „guten Weg“ gewesen, indem neue Bänke auf dem Platz aufgestellt worden seien, und ein provisorischer barrierefreier Zugang vor dem Haupteingang des Rathauses errichtet worden sei, selbst wenn die Barrierefreiheit des Rathauses selbst noch einiges zu wünschen übrig lasse.

„Die Steuergelder wären auf dem Rathausplatz gut investiert“, ist Georg Duhr, Sozialarbeiter in der Villa Hammerstein. Schließlich müsse auch bedenken, dass die zahlreichen Heimbewohner und Mitarbeiter in Simmerath „auch jede Menge Geld in der Gemeinde lassen.“ (s. Box).

Die Gesellschaft komme nicht umhin, sich sich ernsthafter mit der Alltagsproblematik älterer Menschen zu befassen, findet Thomas Pulwey, Leiter der des Seniorenstifts Seliger Gerhard. „Ein neu gestalteter Rathausplatz kann Simmerath nur bereichern.“

650 000 Euro soll die Komplett-Neugestaltung des Platzes kosten , die Hälfte davon würde das Land NRW als Zuschuss besteuern. Während Bürgermeister Karl-Hermanns nur eine große Lösung für effektiv hält und durch einen Verzicht Simmeraths das Geld nur an eine andere Kommune weitergereicht sieht, dürfe aus der Sicht der Bürgerinitiative die mit 3,9 Millionen Euro verschuldete Gemeinde Simmerath sich nicht weiter finanziell belasten, sonst seien Steuererhöhungen die Folge.

Die Verantwortlichen und Bewohner der Simmerather Heime hoffen jedenfalls, dass die Bürgerbefragung negativ ausfällt und der Beschluss des Gemeinderates umgesetzt wird.

Simmerath habe sich mit vielen Geschäften, Ärzten und Krankenhaus zu einem „netten Mittelstädtchen entwickelt“, findet Andrea Niessen-Comuth, Leiterin des Helena Stollenwerk-Haus. Da sei es auch erforderlich, mit der entsprechenden Infrastruktur nachzuziehen. Das kann Monika Marx-Schifflers, Pflegedienstleiterin in der Seniorenresidenz, nur unterstützen: „Unsere Bewohner kaufen gerne in Simmerath ein, aber wenn sie durch einen schlechten Rathausplatz daran behindert werden, dann bestellen sie eben im Katalog. Da nützt ihnen auch der Elektroroller nichts.“ Außerdem gehöre auch zur Barrierefreiheit, dass Bürgersteige richtig abgesenkt würden und auch wirklich keine Barriere mehr darstellen würden.

Wenn in diesen Tagen häufig von Inklusion die Rede sei, sind sich die Heimleiter einig, dann gelte es, diesen Anspruch in die Praxis umzusetzen.

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