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Pumpspeicherwerk: Initiative liefert „Argumentationshilfen“

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Die Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ warnt vor „einer Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen“ beim Bau des Pumpspeicherkraftwerks.

Nordeifel. In diesen Wochen treffen sich bei der Bezirksregierung die Regionalräte zur Beratung über die 13. Änderung des Regionalplans. Es geht dabei um das Projekt Pumpspeicherwerk Rursee. Die Bürgerinitiative „Rettet den Rursee“ spricht von „einer Entscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Sie wird die Region Rureifel für die nächsten 50 bis 80 Jahre prägen.“

Im Vorfeld der Beratung versorgt die BI nun die politischen Entscheidungsträger reichhaltig mit Material, da „solche Entscheidungen einer genauen Prüfung bedürfen“ und nicht allein aufgrund von „Fachbeiträgen“ des Investors getroffen werden könnten.

Die von der Bezirksregierung vorgelegten Unterlagen „entsprechen nicht der Bedeutung des Vorhabens, und stützen sich ausschließlich auf die Angaben des Vorhabenträgers Trianel“, kritisiert Christoph Pranter aus Heimbach für die BI.

Es sei „befremdlich, dass die Regierungspräsidentin, persönlich und im Vorfeld, die Beschlussvorlagen für den Regionalrat mit einer eigenen Bewertung versieht. Hier ist offensichtlich eine bewusste Einflussnahme auf die Entscheidungsträger und die Öffentlichkeit beabsichtigt. Ein solches Verhalten lässt Zweifel an der Sorgfalt und Objektivität der sachbearbeitenden Behörde aufkommen.“

Die Bürgerinitiative erinnert den Regionalrat an die große Verantwortung, „die Sie mit einer Regionalplanänderung für die Zukunft der Rureifel übernehmen“.

Nach der „Landschaftszerstörung im Nordkreis Düren“ durch die Braunkohle, folge „eine weitere Landschaftsvernichtung: diesmal in der Rureifel und am Rursee; und diesmal ohne tatsächliche Notwendigkeit“, heißt es im Schreiben der BI.

Die Folgen für den sanften Tourismus rund um den See und den Wassersport auf dem See und damit für die anliegenden Gemeinden seien „nicht abschätzbar und aller Voraussicht nach das Ende aller touristischen Bemühungen“.

Trianel habe den Plan zur Errichtung eines Pumpspeicherwerks vor der politischen Entscheidung zur Energiewende gefasst. Nach der Energiewende und der Forderung, die Atomkraftwerke abzuschalten, habe sich die wirtschaftliche Perspektive grundlegend geändert. Der billige Atomstrom werde bis 2022 verschwinden, neue regelbare Kraftwerke übernähmen die Funktion der alten, nicht regelbaren Kraftwerke. Neue Speicher und Leitungskonzepte können bis 2050 eine CO2-freie Energieversorgung ermöglichen. Damit reduziert sich die Geschäftsgrundlage des Pumpspeicherwerks sukzessive.

Trianel habe bisher keine Rentabilitätsberechnungen für die Verhältnisse nach der Energiewende vorgelegt. Christoph Pranter: „Daraus begründet sich der Vorwurf der BI, am Rursee solle eine Industrieruine errichtet werden.“

Die Zukunft der Pumpspeicher sehe auch das Umweltbundesamt und das Fraunhofer-Institut in ihren Studien zur CO2-freien Energieversorgung bis 2050 nicht anders: Beide gingen vom Bestand der vorhandenen Pumpspeicherwerke aus und würden die Ertüchtigung bereits vorhandener Pumpspeicher empfehlen.

Das bedeutet für die BI im Klartext: „Ein Pumpspeicherwerk Rursee ist, nach Maßgabe beider renommierter Studien, für die Energiewende bis 2050 nicht notwendig.

Daher sei es wichtig, die beantragte Regionalplanänderung zu verhindern. Eine solche Änderung und das Raumordnungsverfahren eröffneten der Firma Trianel die Möglichkeit, jederzeit ein Planfeststellungsverfahren für ein Pumpspeicherwerk zu beantragen.

Selbst wenn sich Trianel aufgrund des zunehmenden Widerstands in der Rureifel von dem Pumpspeicherwerk Rursee vorläufig verabschieden sollte, bliebe nach einer erfolgten Umwidmung des Geländes durch die Bezirksregierung die Möglichkeit für Trianel, jederzeit das Projekt wieder aufleben zu lassen. „Das gilt es aus Sicht der BI, zu verhindern!“

Die Unterlagen von Trianel für Regionalplanänderung und Raumordnung seien durch die politische Entwicklung zur Energiewende überholt worden. Somit fehle den Anträgen von Trianel die Grundlage.

Die Bürgerinitiative liefert den Entscheidungsträgern im Regionarat „Argumentationshilfen“ gegen die beantragte Regionalplanänderung: Die von Trianel beantragte 380kV-Höchstspannungsleitung unter den Straßen von Schmidt und Hausen berge Risiken. Pranter: „Die Auswirkungen auf die dort lebenden Menschen wurden von Trianel in ihrem Antrag nicht berücksichtigt.“ Erschwerend komme hinzu, dass die technische Ausführung der von Trianel beantragten Verlegung von Experten als in dieser Art „nicht machbar“ eingeschätzt werde. Insofern geht die BI davon aus, „dass der wirtschaftliche Schaden durch die Errichtung des Pumpspeicherwerks für die Region größer sein würde als der angestrebte, energiepolitische Nutzen. Die Lebensqualität der Menschen im Kreis und die wirtschaftliche Vernunft sollten hier eindeutig Vorrang haben.

Die im Kreis Düren betroffenen Gemeinden hätten sich fraktionsübergreifend gegen das Trianel-Projekt ausgesprochen. Daher erwarte man, „dass sich unsere politischen Vertreter nicht länger mit den vagen Aussagen des Stromkonzerns zufrieden geben.“ Es spreche alles für eine rasche Beendigung dieses Raumordnungsverfahrens bei der Bezirksregierung in Köln.

Das Image der Rureifel als intakte Erholungslandschaft habe weit über die Region hinaus Gewicht. Es sei mit bis zu acht Jahren Bauzeit, verbunden mit Lärmentwicklung, Staub und Sprengungen, zu rechnen. 200000 Massentransporte (von Trianel bestätigt) über öffentliche Straßen zur Baustelle würden zu einer unerträglichen Belastung von Anwohnern und Gästen führen. Die Absenkung des Sees würde zur Abwanderung der Wassersportler (2500 Boote sind auf dem See registriert) und damit ebenfalls zum Rückgang der touristischen Frequenz führen.

Ständig wechselnde Wasserstände von bis zu zwei Metern Höhe im gesamten See beim Betrieb des PSW würden Segeln, Schwimmen und Tauchen zum Risiko machen. Die Strandnutzung in den Schwimmbädern am See wird einem „Schlammbad“ gleichen. Zwei Meter Wasserspiegel-Änderung bedeuteten in den flachen Uferzonen 15-20 Meter Unterschied.

Der WVER als verantwortlicher Betreiber des Rursees werde sicher keine Verantwortung für Unfälle übernehmen und den See für die Freizeitnutzung daher sperren.

Der von Trianel vorgelegte Fachbeitrag zum Thema Tourismus „strotzt“ laut Einschätzung der BI „vor falschen Angaben.“

Der energiewirtschaftliche Nutzen der Pumpspeicherwerke sei minimal, insbesondere der eines neuen zusätzlichen Pumpspeicherwerks. Zudem verfolge Trianel in seinen Unterlagen eine Ausführung der Leitungstrasse, „die so technisch nicht zu realisieren ist, und auf diese Weise noch nie gebaut wurde, aber auch nicht gebaut werden kann,“ sagt die BI.

Die beantragte Leitung (3,5 km durch Ortsgebiet) stelle allein aufgrund der alle 700 Meter notwendigen Muffenbauwerke „mit ihrer Explosionsgefahr eine permanente Gefährdung der Ortsbevölkerung von Schmidt und Hausen dar“. Auch die Verlegung innerhalb des Sicherheitsstreifens einer Gaspipeline (wie beantragt) sei aus sicherheitstechnischen Überlegungen nicht zu realisieren, lautet die Auskunft des Pipeline-Betreibers.

Abschließend hält Christoph Pranter für die Bürgerinitiative fest: „Wir meinen angesichts des geringen energiepolitischen Nutzens eines Speicherkraftwerks im Vergleich zu der hohen Gefährdungsrate der regionalen und kommunalen Entwicklung, ist das Projekt als spekulativ zum Nachteil der Bevölkerung der Rureifel einzustufen.“

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