Protestaktion gegen Vogelsang und Nationalpark Eifel

Von: P. St.
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Mit plakativen Maßnahmen protestiert Herbert Daniel aus Morsbach gegen die Vorhaben in Vogelsang und im Nationalparl Eifel. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Dass nicht alle Bürger die 40 Millionen-Euro-Investitionen zur Umgestaltung der ehemaligen Ordensburg Vogelsang nachvollziehen können, ist bekannt, doch nur selten wird der Unmut darüber so drastisch zum Ausdruck gebracht wie es Herbert Daniel aus Morsbach tut.

Der 66-jährige, der bis zum Abzug des belgischen Militärs Ende 2005 viele Jahrzehnte in Vogelsang beschäftigt war, rückt im Rahmen seines einsamen Kampfes immer wieder mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen seine Kritik an der neuen Konzeption für das Vogelsang-Gelände wie auch am Nationalpark Eifel in den Blickpunkt.

Jetzt errichtete er auf einem Wiesengrundstück direkt an Bundesstraße 266 zwischen Kreisverkehr Vogelsang und Morsbach mit Hilfe eines Frontladers eine Art Installation. In deren Mittelpunkt die plakative Feststellung „Halbzeit der Zerstörung Vogelsang“ zu lesen ist. Damit spielt er auf die umfangreichen und jetzt etwa zur Hälfte abgeschlossenen Bauarbeiten auf dem Gelände an. Unter anderem soll auf dem Adlerhof ein Dokumentationszentrum entstehen. Damit werde, sagt Daniel, das „Herz Vogelsangs“ zerstört, der das Schild, das nur einige Tage zu sehen war, mit „Alter Vogelsänger grüsst aus dem Jenseits“ unterschrieben hat. Es soll, so lässt der verbissene Einzelkämpfer wissen, der in direkter Nähe des Geländes wohnt und dessen Familie vor der militärischen Nutzung hier einst Ländereien besaß, noch nicht die letzte Aktion gewesen sein.

Scharfe Kritik aber übt Herbert Daniel auch an der Konzeption des Nationalparks Eifel, insbesondere in Zusammenhang mit dem jüngst erfolgten Rückbau von Bachüberfahrten, die das Militär seinerzeit aufgeschüttet hatte. Hierüber hat er eine umfangreiche Dokumentation erstellt, die belegen soll, das belastetes Material verbaut worden sei. Eine lange Liste der Missstände hat er auch dem Kreis Euskirchen zugeleitet. Der 66-jährige als einstiger Vogelsang-Beschäftiger will wissen, dass in den 1970-er Jahren vom Militär schadstoffhaltige Anschüttüngen im Gelände zum Alltag gehörten. Im Zuge des Rückbaus sei dieses Material nun aufgebrochen und erneut an anderer Stelle verbaut worden, beispielsweise zur Stabilisierung der neu angelegten Brücken oder für den Wegebau im Nationalpark. Daniel: „Entweder lässt man das Material ruhen oder entsorgt es komplett“.

Das Problem des belasteten Erdreiches in bestimmten Bereichen des Nationalparks als Folge der intensiven Vornutzung ist kein Geheimnis. Im Rahmen des Projektes „Wald, Wasser Wildnis“, das auch die Wiederherstellung aller Bachtäler zum Ziel hatte, wurde daher im Rahmen der Altlastenbeseitigung die Untere Bodenschutzbehörde des Kreises Euskirchen eingeschaltet. Projektleiterin Bettina Krebs von der Biologischen Station des Kreises bestätigt, dass Schlacken aus der Metallindustrie aufgetaucht seien, die durch die Behörde untersucht worden seien. Diese Analyse habe ergeben, dass die Schlacke von ihren Inhaltsstoffen her zwar giftig sei, aber die belasteten Stoffe nicht nach außen treten würden. Daher sei das Material schließlich als unbedenklich eingestuft und freigegeben worden. Die Schlacke sei zum Teil erneut verbaut und dann mit Erde abgedeckt worden. Überfälliges Material soll später auf einer Deponie entsorgt werden.

Herbert Daniel kann das alles nicht überzeugen. Er will weiterkämpfen „gegen Zerstörung und Steuergeldverschwendung.“

In dieser Woche hat Daniel den nächsten Schritt unternommen. und an der gleichen Stelle auf neue Weise seinen Protest zum Ausdruck: „Zuerst kommt die Vorspeise, dann das Hauptgericht.“ In der neuen Protestaktion wird Bezug genommen auf eine Demonstration Schleiden am 4. Mai 1991, die sich für ein „ziviles Vogelsang aussprach. „Haut ab!“ bzw. „Go home!“ stand auf diesen Schildern, die nun nach über 20 Jahren ein zweites Mal, verbunden mit polemischen Schlagworten gegen Nationalpark Eifel und Vogelsang, zum Einsatz kommen.

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