Propaganda im Fokus szenischer Darstellung

Von: Michael Schnitzler
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Theater zu Propaganda und Manipulation: In einer der Szenen mischte sich der Fackelträger als Symbol für einen heutigen Ewig-Gestrigen mit seinen Ansichten unter jubelnde Fußball-Fans. Foto: Michael Schnitzler

Vogelsang. Besucher auf Vogelsang konnten jetzt einer außergewöhnlichen Veranstaltung beiwohnen: 15 Jugendliche aus Deutschland und Bosnien-Herzegowina führten eine Theaterinszenierung zu den Themen Propaganda, Manipulation und Identität auf.

In ihr wurde auch der „Fackelträger” als propagandistisch-bauliches Symbol der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang lebendig, der in seiner archaisch-hölzernen Art im gegenwärtigen Alltagsleben auftauchte.

In einzelnen Szenen, die von den Jugendlichen in Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Regisseur Detlef Gohlke innerhalb einer Woche entwickelt worden waren, traten der Fackelträger als Symbol für versuchte Manipulation und Propaganda in Erscheinung. So etwa als Rechtsradikaler unter jubelnden Fußballfans oder als Kinobesucher, bei dem gewaltverherrlichende Filme auf besonders guten Nährboden stoßen.

Darüber hinaus setzten sich die Jugendlichen in den Szenen auch auf humorvoll-provokative Weise mit Beeinflussung etwa durch die Werbung auseinander und stellten dar, wie Manipulation auf Menschen wirkt und sie zum - nicht immer selbstbestimmten - Handeln führt.

Zehn Tage zusammen

Zehn Tage hatten die sechs bosnischen und neun deutschen Jugendlichen im Rahmen einer Ferienfreizeit von Pax Christi in Aachen verbracht und dabei auch Vogelsang besucht. „Wir haben zusammen gearbeitet, geschwitzt und gelebt”, fasste Karin Ziaja, Referentin für Friedensdienste bei Pax Christi Aachen, zusammen. Die Themen Identität, Propaganda und Manipulation standen gerade deswegen im Fokus, weil Propaganda und Manipulation im Lebens bosnischer Jugendlicher große Bedeutung haben.

„In der Politik findet bei uns fast immer Manipulation statt”, erklärte etwa Alioscha Preradovic. Doch auch in Deutschland gebe es häufig Manipulation, die allerdings nicht immer als solche gesehen werde, ergänzte Jonas Klinner, der seinen Friedensdienst in Bosnien ableistet: „Eigentlich ist doch jede Werbung Manipulation. Auch darauf wollten wir mit unseren Stücken aufmerksam machen.” Im Unterschied zu Deutschland, wo das Wort Propaganda sehr negativ belegt ist, sei es im bosnischen Sprachgebrauch ein gebräuchliches Synonym für Manipulation, so Klinner weiter.

Neben der Theaterarbeit hatten die Jugendlichen aber auch noch genügend Zeit, sich während zahlreicher gemeinsamer Freizeitaktivitäten über die kulturellen Unterschiede der beiden Länder auszutauschen, ganz im Sinne von Pax Christi.
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