Schmidt/Gerstenhof - Privater Betreiber ersetzt alte Windkraft-Anlagen

Privater Betreiber ersetzt alte Windkraft-Anlagen

Von: Anneliese Lauscher und Heiner Schepp
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Aus der Luft wie auch am Boden wirkt selbst der gelbe Riesenkran gegen die mächtigen Kraftwerke wie ein Spielzeug. Foto: H. Schepp
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Die Windräder am Gerstenhof wurden kürzlich abgebaut und werden derzeit durch moderne und etwas höhere Windräder ersetzt. Foto: A. Lauscher

Schmidt/Gerstenhof. Während in den städteregionalen Kommunen Monschau (Höfen-Brath), Simmerath (Lammersdorf) und Roetgen (Münsterwald) die geplanten Windparks noch im Genehmigungsverfahren oder im Falle Roetgen noch in der politischen Diskussion stecken, geht es am Gerstenhof bei Schmidt voran.

Seit Wochen steht nun schon der große gelbe Kran unweit der Landstraße 246 zwischen Strauch und Schmidt, wo der private Betreiber zweier Windräder aus den 90er-Jahren derzeit durch zwei Anlagen der neueren Generation ersetzt.

„Repowering“, von Wikipedia übersetzt mit „Kraftwerksneubau“, heißt das Zauberwort. Im Falle der Anlagen am Gerstenhof erfolgt das Aufrüsten des Kraftwerks am bisherigen Standort.

Neue Windkraftanlagen laufen ruhiger, da sich mit zunehmendem Rotordurchmesser, wie er bei leistungsstärkeren Anlagen notwendig wird, die Zahl der Umdrehungen verringert, sie laufen leiser aufgrund besserer Flügel-Aerodynamik und -geometrie und sie sind deutlich stromnetzverträglicher als alte Anlagen.

Wichtig für den Betreiber: Neue WKA erbringen deutlich mehr Stromertrag als Anlagen älterer Bauart, weshalb in vielen Windparks nach dem Repowering nur noch die Hälfte oder ein Drittel der vorher vorhandenen Windrad-Zahl steht. Durch Repowering können auch Planungsfehler aus den Pionierjahren der Windenergienutzung korrigiert werden, sind oft aber auch neue Auflagen und Gesetze zu Lärm oder Abstandsregeln einzuhalten.

Die Ausmaße der „repowerten“ Windräder am Gerstenhof werden deutlich höher sein als die der bisherigen Windräder aus den Jahren 1997 bzw. 1998; allerdings gehören sie nicht der neuesten Generation an, wie Karl-Josef Schreiber von der Schreiber-Jansen GbR, die hier als Bauherr fungiert, erläutert. Die beiden neuen Anlagen werden danach eine Nabenhöhe von 105 Metern haben, der Durchmesser der Rotoren wird 92 Meter betragen. Damit werden die neuesten Schmidter Windräder bei weitem nicht so hoch in den Himmel ragen wie beispielsweise einige Anlagen in Schöneseiffen oder auch die in Roetgen und Lammersdorf angedachten, die auf rund 200 Meter Gesamthöhe kommen.

Einige Irritationen gab es jetzt um die Verkehrsregelung, die den Baustellenverkehr der Großbaustelle unweit der Landstraße regeln soll. Seit Wochen wundern sich nicht nur viele Pendler im Berufsverkehr über eine auf den ersten Blick merkwürdige Geschwindigkeitsbeschränkung am Gerstenhof zwischen Strauch und Schmidt. Wenn man von Schmidt in Richtung Buhlert fährt, ist die Geschwindigkeit vor der Linkskurve am Gerstenhof auf 70 km/h begrenzt; kurz vor dem Bauernhof darf man nur noch 50 km/h fahren, dahinter wieder 100 km/h, dann 70 km/h und vor einem Waldweg wiederum nur 50 km/h.

Auch in Gegenrichtung stehen entsprechende Schilder: Es wird auf eine Baustellenein- und -ausfahrt hingewiesen, Baufahrzeuge sieht man aber so gut wie nie hier verkehren. „Es liegt eine Genehmigung vor, wonach bis Ende Januar diese Geschwindigkeits-Trichterung stattfinden kann“, sagte dazu die Pressestelle der Städteregion Aachen auf Anfrage unserer Zeitung.

Die Baustelle für die beiden Windkraftanlagen werde von unten angefahren und dann auf einem Waldweg verlassen, hieß es dazu weiter. „Den Lkw soll eine Gelegenheit gegeben werden, sich in den Verkehr einzufädeln. Wenn aber kein Baustellenverkehr stattfindet, sollten die Schilder entfernt oder zugehängt werden“, so die Pressestelle.

Dies geschah aber erst in der vergangenen Woche: Die Schilder wurden auf die Erde gelegt, der Verkehr kann zurzeit fließen wie immer. „Die Anlieferung der großen Betonteile hat man nicht gesehen, weil sie nachts erfolgt ist. Ich verstehe, dass die Autofahrer sich wundern, weil sie so lange keine Baufahrzeuge gesehen haben. Aber es waren allein 60 Lkw pro Fundament, die hierher fahren mussten; insgesamt sind über 200 Touren nötig gewesen“, so Karl-Josef Schreiber.

Auch wegen der Verschmutzung der Fahrbahn sei eine Geschwindigkeitsbegrenzung durchaus sinnvoll, sagt der der Betreiber und ergänzt: „Aber am wichtigsten ist die Temporeduzierung im Bereich des Waldweges. Wenn hier ein Lkw-Fahrer sein Fahrzeug aus dem Wald herausfahren will, dann sieht er sehr wenig.“

In knapp zwei Wochen könnte es wieder etwas geschäftiger auf der Baustelle und an den Zu- und Abfahrten auf der L 246 werden: Wenn das Maschinenhaus und die Rotorblätter für die beiden Anlagen angeliefert werden, werden die Temposchilder wieder aufgerichtet. Die spektakuläre Anlieferung, die mit Begleitfahrzeugen vonstattengeht, wird der normale Autofahrer allerdings wieder nicht erleben – es sei denn, er ist in der Nacht unterwegs.

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