Priester-Netzwerk wehrt sich gegen Überprüfung

Von: Robert Esser
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Aachen. Statt Imagepolitur gibts neue Kratzer. Knapp 500.000 Euro zahlt die katholische Deutsche Bischofskonferenz (DBK) an das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN), um die Missbrauchsskandale in der katholischen Kirche untersuchen zu lassen. Doch der Preis könnte weit höher sein.

Denn die wissenschaftliche Analyse kostet womöglich etliche deutsche Priester in den 27 Bistümern ihre Privatsphäre - auch unbescholtene und bislang unverdächtige Pfarrer. Darum ist nun ein innerkirchlicher Streit entbrannt. Gegen den zwischen DBK und KFN vertraglich vereinbarten Zugriff auf rund 100.000 vertrauliche Personalakten formiert sich heftiger Widerstand.

Laut dem „Netzwerk katholischer Priester” stellt „die ohne Befragung und Zustimmung des Einzelnen an Dritte beschlossene Auslieferung von Persönlichkeitsdaten aus allen (!) Bereichen des klerikalen Werdegangs eine grobe Verletzung der den Bischöfen und Oberen obliegenden Fürsorgepflicht für die ihnen Untergebenen dar”. Netzwerk-Sprecher Guido Rodheudt, Pfarrer aus Herzogenrath, forderte die Bischofskonferenz auf, „von dem Projekt Abstand zu nehmen”. Das Vorhaben verletze auch staatliches Arbeitsrecht.

Das Netzwerk, dem bundesweit rund 500 meist konservative Geistliche angehören, begrüße zwar „wirksame Maßnahmen zur Verhinderung des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen durch katholische Geistliche”. Jedoch stelle die umfassende Personalakteneinsicht alle Priester, Diakone und Ordensangehörige unter Generalverdacht. Deswegen wende man sich „mit Entschiedenheit gegen das juristisch wie menschlich höchst bedenkliche Vorgehen der deutschen Bischöfe”. Nach eigenen Angaben liegen dem Netzwerk bereits zahlreiche Beschwerden aus der Priesterschaft vor. Rodheudt und seine Mitstreiter werfen den Bischöfen „offensichtliche Hilflosigkeit” vor und beklagen einen „Mangel an Vertrauen zu uns Priestern”.

Die Bischofskonferenz erklärte indes, dass dem Institut unter der Leitung des renommierten Kriminologen Christian Pfeiffer kein direkter Einblick in alle Personaldaten gewährt werde. Speziell geschulte Archivmitarbeiter und Juristen würden die Daten heraussuchen und dann in „Erhebungsbögen” an das KFN übermitteln, hieß es.

Das Bistum Aachen war am Sonntag nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe und Forderungen aus Herzogenrath nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
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