Aachen - Polizei ist sicher: Nazi-Schmierer gefasst

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Polizei ist sicher: Nazi-Schmierer gefasst

Von: Oliver Schmetz und Stephan Mohne
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Diese Tat bleibt nicht ungesühnt: Die Polizei hat einen 24-Jährigen ermittelt, der unter anderem den Jüdischen Friedhof mit Nazi-Parolen beschmiert haben soll. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Übelste Nazi-Parolen am Jüdischen Friedhof an der Lütticher Straße, Attacken auf das Büro der Grünen und auch jenes der Linken sowie auf die Wohnung eines „Aussteigers” aus der rechten Szene und den Zeitungsverlag Aachen, tags zuvor Verschandelungen der SPD-Zentrale in Stolberg und einer Bushaltestelle in Breinig - das alles ereignete sich am Wochenende des 1. und 2. August.

Nachdem es zunächst keinerlei Hinweise gegeben hatte, wer für diese Taten verantwortlich sein könnte, scheint die Polizei Aachen jetzt den Täter gefasst zu haben. Es handelt sich demnach um einen 24 Jahre alten Mann, der der rechten Szene zugeordnet wird. Ein Hinweis aus der Bevölkerung sei es gewesen, der auf die Spur des Mannes führte, wie Polizeisprecher Karl J. Völker am Mittwochabend auf Anfrage sagte. Der Mann sei „dringend tatverdächtig”.

Polizei sieht Konzept bestätigt

Nach AZ-Informationen hat die Polizei bei Durchsuchungen zahlreiche Indizien und Beweise sichergestellt, die diesen Verdacht erhärten. Lediglich „letzte technische Untersuchungen” fehlten noch zur endgültigen Klarheit.

Völker wertet die Aufklärung der Taten als „Riesenerfolg”. Am Dienstagmorgen sind am Autonomen Zentrum in der Vereinsstraße, das zuletzt gehäuft Ziel rechter Attacken war, zwei Täter auf frischer Tat ertappt worden, als sie Parolen auf die Wände sprühen wollten. Um 1.33 Uhr morgens nahm die Polizei die Täter fest. Während ein 23-jähriger Aachener Schmiere stand, besprühte demnach eine 17-jährige Aachenerin die Fassade mit roter Farbe. Die Spraydosen wurden als Beweismittel sichergestellt. Kriminaltechnische Untersuchungen sollen zeigen, ob die Spraydosen bei früheren Straftaten, möglicherweise ebenfalls am Autonomen Zentrum, eingesetzt wurden.

Am „AZ” hatte es in den vergangenen Monaten einige Vorfälle gegeben, nicht nur Farbschmierereien. Höhepunkt der „Serie” war im Juli ein vermeintlicher Bombenfund vor dem Eingang, der zu einem Großeinsatz mit Spezialkräften und weitreichenden Absperrungen führte. Damals war ein herrenloses Paket dort gefunden worden. Auch waren Personen einmal mit Stahlkugeln - vermutlich mit einer Schleuder abgefeuert - beschossen worden. Seit einiger Zeit, so sagt Völker denn auch, stellt die Polizei „mit Sorge eine Zunahme von Straftaten fest, die augenscheinlich politisch motiviert sind”. Die Polizei habe diese Häufung von Straftaten sehr ernst genommen und eine eigens darauf ausgerichtete Konzeption entwickelt, um diesem Phänomen entgegenzuwirken. Durch „intensives und zielgerichtetes Zusammenwirken aller Beamten und Beamtinnen” wolle man Aktivitäten der Szenen frühzeitig erkennen und Straftaten verhindern.

„Aber es gibt ja nicht nur Straftäter, sondern auch Opfer rechter Straftaten”, erklärt Völker. Hier stehe die Polizei mit Rat und Tat zur Seite. Mit Opfern und gefährdeten Personen würden Sicherheitsgespräche geführt. Die Polizei gebe Handlungsratschläge. „Deswegen an dieser Stelle die Bitte an alle Personen, die sich durch rechte Aktivitäten bedroht fühlen, sich an die Polizei zu wenden. Denn nur bei Kenntnis einer solchen Bedrohung können die nach Beurteilung der Gefährdungslage möglichen Schutzmaßnahmen konzipiert werden”, betont der Polizeisprecher. Die Polizei appelliert zudem zur Kooperation mit der Polizei und bittet die Bevölkerung um Mithilfe. „Betroffene Personen sollen Strafanzeigen erstatten und Zeugen ihre Beobachtungen melden”, unterstreicht Völker.

Noch ein unbekannter Täter

Mit Blick auf den 24-jährigen Tatverdächtigen aus Aachen, der jetzt dingfest gemacht werden konnte, wird nun auch untersucht, ob er noch für weitere Straftaten in Frage kommt. Mindestens einem weiteren Täter werden gleich gelagerte Straftaten angelastet. Dieser Täter ist allerdings bislang noch unbekannt. Völker: „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.”

OB Marcel Philipp erklärte am späten Mittwochabend auf Anfrage: „Für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung ist es ganz wichtig, wenn schnell Fahndungserfolge erzielt werden.” Die Hintergründe gelte es weiter aufzuklären.
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