Nordeifel - Plötzlicher Sommer: Eifeler Landwirte haben Hochbetrieb

Plötzlicher Sommer: Eifeler Landwirte haben Hochbetrieb

Von: Julia Wirtz und Clara Lamm
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Früher war die Heuernte auf d
Früher war die Heuernte auf den Feldern der Eifel eine Plackerei: Heute benutzen Landwirte und Lohnunternehmer für diese schwere Arbeit große Maschinen. Foto: imago/imagebroker

Nordeifel. Mit einem Eis in der Hand, der Sonnenbrille im Gesicht und dem Bikini in der Tasche genoss so manch einer in den vergangenen Tagen das, worauf alle so lange gewartet hatten.

Der verloren geglaubte Sommer zeigte sich tatsächlich ein paar Tage lang von seiner besten Seite. Und das freute nicht nur die Schüler, die ihre Ferien bisher wohl eher vor dem Computer als draußen verbracht haben. Auch für die Landwirte waren die Sonnentage bitter nötig, doch begann für sie damit nicht die Zeit des Faulenzens, sondern die der harten Arbeit.

Das schlechte Wetter der letzten Wochen hatte schließlich dafür gesorgt, dass sie weder ihre Felder bewirtschaften noch das Heu ernten konnten. Mit den ersten Sonnenstrahlen waren nun auf jedem Feld fleißige Landwirte und Lohnfuhrunternehmer bei der Arbeit zu beobachten.

Es duftet nach frisch gemähtem Gras und das laute Knattern der Traktoren übertönt das Zwitschern der Vögel, während immer mehr Heuballen aus der Presse zum Vorschein kommen.

Wenn sich den Bauern die Aussicht auf einige schöne und vor allem trockene Tage bietet, wird bereits früh am Morgen das Gras gemäht, damit es den ganzen Tag über in der Sonne trocknen kann. Mit Hilfe der modernen und vielseitigen Maschinen ist dieser Vorgang heutzutage in kurzer Zeit und mit meist nur einem einzigen Fahrer erledigt.

Doch das war nicht immer so. Noch vor einigen Jahrzehnten waren Sense, Heugabel und vor allem viel Kraftaufwand für die Heuernte erforderlich. Es wäre undenkbar gewesen, dass eine einzige Person das gesamte Feld hätte mähen können. Freizeit war zu dieser Zeit ein Fremdwort für die Bauern und ihre Familien. Jeder wurde in die Landwirtschaft mit eingespannt. Die Arbeitsschritte, die befolgt werden mussten, um qualitativ hochwertiges Heu zu produzieren, sind im Wesentlichen bis heute gleich geblieben.

Hilfe bei der Futterernte holen sich die Bauern heutzutage auch - bei den Lohnfuhrunternehmen. „Durch die Maschinen ist alles viel schnelllebiger geworden”, beschreibt Marianne Völl vom Lohnunternehmen „Völl & Victor GbR” die Entwicklung.

Mit der Heuernte beginnen die Landwirte und Lohnfuhrunternehmer normalerweise bereits zwischen Ende Juni und Anfang Juli. Durch das schlechte Wetter war die Ernte in diesem Jahr jedoch erst in dieser späten Juliwoche möglich. „Die Futterqualität des Heus ist noch akzeptabel”, so Landwirt Elmar Victor.

Der Ertrag der Heuernte ist in diesem Jahr sogar besonders gut ausgefallen, denn der viele Regen hat gut zum Wachstum auf den Feldern beigetragen. „Im Vergleich zum Vorjahr können wir eine hundertprozentige Ertragssteigerung verzeichnen”, erzählt Elmar Victor weiter.

Beständige Wetterverhältnisse sind für die Heuernte heute noch genauso bedeutend wie zur damaligen Zeit. Marianne Völl und Elmar Victor denken an die Ernte vor zwei Jahren zurück. Diese fiel sehr gut aus, da es über einen langen Zeitraum hinweg sehr sonnig und trocken war.

Letztes Jahr hingegen begann diese Trockenperiode bereits im Frühjahr, was dazu führte, dass die Gräser nicht gut wachsen konnten und es somit im Sommer nur einen geringen Ernteertrag gab. „In diesem Jahr musste sogar Futter zugekauft werden”, erinnern die beiden sich.

Neben Heu stellt das Lohnfuhrunternehmen auch Heulage und Silage her, welche sich durch einen höheren Feuchtigkeitsgehalt ausweisen. Damit das Gras von allen Seiten trocknen kann, muss es zwischendurch gewendet werden.

Im Gegensatz zu früher, als die Bauern mit der Heugabel in der starken Mittagshitze auf dem Feld standen und das Heu mit sehr viel Kraftaufwand wendeten, ist auch dies heute mit Hilfe der Maschinen gut zu bewältigen. Bei Silage geschieht dieser Arbeitsschritt nur einmal, manchmal wird er vollständig weggelassen. Heu hingegen sollte möglichst vollständig getrocknet sein, wofür ein drei- oder vierfaches Wenden vonnöten sein kann.

Ist die gewünschte Qualität schließlich erreicht, kann der Landwirt das Heu zusammenfahren. Das Lohnfuhrunternehmen „Völl & Victor GbR” hat sich darauf spezialisiert, Heulage, Silage und Heu zu Rundballen zusammen zu pressen.

Heu wird hierbei nur von einem Netz zusammengehalten, was es allerdings erforderlich macht, die Ballen zusätzlich mit einer Plane vor eventuellen Regenschauern zu schützen.

Die Heuballen werden außerdem auf Roste gestellt, damit die Feuchtigkeit aus dem Boden nicht in sie hineinziehen kann. Heulage und Silage hingegen werden mit sechs bis acht Schichten Folie umwickelt und sind somit gut vor Nässe geschützt.

Eine andere Möglichkeit wäre, eckige Ballen zu pressen oder ein Fahrsilo anzulegen. Hierbei wird das Heu nicht gepresst, sondern lose zusammengelegt und mit einer Plane luftdicht verschlossen.

Für die gesamte Ernte, vom Mähen bis hin zum Pressen des Heus zu Rundballen, werden von dem Unternehmen im Normalfall zwei bis drei Tage benötigt. Der plötzliche Sommer und die hohen Temperaturen waren für die Landwirte und Unternehmen ein Grund zur Freude, weil die Ernte nicht nur beginnen konnte, sondern sogar schneller als sonst vonstatten ging.

„Heute Morgen wurde um 8 Uhr gemäht und heute Abend zwischen 20 und 22 Uhr können wir bereits die Ballen pressen”, erzählt uns Marianne Völl begeistert.

Nur ein Tag für die Heuernte und dann können auch die Bauern und ihre Helfer endlich so richtig die Sonne genießen. Noch vor wenigen Jahren wäre dies völlig undenkbar gewesen. Unter besten Wettervoraussetzungen verbrachten die Bauern etwa zwei Wochen auf ihren Feldern, bis das Heu endlich auf den von Pferden oder Ochsen gezogenen Holzkarren aufgeladen und zur Scheune gebracht werden konnte. Dort mussten die Männer ein letztes Mal ihre gesamte Kraft aufbringen, um die Ernte auf den Heuboden zu verladen.

War das Wetter schlechter, konnte sich die Ernte über drei oder vier Wochen hinziehen. Haben die Arbeiter des Lohnunternehmens alle Heuballen gepresst, werden diese zum Hof der Unternehmer gebracht. Auch hierzu sind Maschinen unbedingt notwendig. Einen der Ballen ohne maschinelle Unterstützung zu transportieren, wäre unmöglich. Denn ein durchschnittlicher Rundballen Heu bringt etwa 300 Kilo auf die Wage, bei Silage sind es sogar 700 bis 900 Kilo.
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