Pater Johannes Lorse bekennt: „Ich war nie ein frommer Junge”

Von: Raimund Palm
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Der aus Dahlem stammende Johannes Lorse, Pater der Steyler-Missionare, lebt und wirkt seit 2002 in Monschau und in der Gemeinschaft von Gemeinden (hier in der Grundschule Mützenich). Am Sonntag feiert er sein goldenes Priesterjubiläum. Foto: R. Palm

Monschau. Denglagu und Mingende in Papua-Neuguinea, Paris und Washington, Australien, Frankfurt, Geilenkirchen, Goch am Niederrhein und seit 2002 Monschau - das sind Stationen im Leben von Johannes Lorse, Pater der Steyler Missionare. Johannes Lorse ist mit großen Leidenschaft und voller Begeisterung Priester.

Er war zudem Lehrer, Manager, Bauherr, er hat Kirchen und Schulen gebaut, Wasserkraftwerke und damit erstmals auf der großen Missionsstation Denglagu am Fuße des Mount Wilhelm für Strom gesorgt. Am nächsten Sonntag, am 8. August, feiert Pater Johannes Lorse sein goldenes Priesterjubiläum, die Festmesse dazu beginnt um 10.30 Uhr in der Monschauer Aukirche.

Dass Johannes Lorse Priester und Missionar geworden ist, das hat auch mit der schlimmen Entwicklung und der „Katastrophe” des Dritten Reiches zu tun. Die „Unfreiheit” habe ihm als damals jungem Menschen „schwer zu schaffen gemacht”, sie habe ihn belastet. Und so ist es ihm als Priester und Missionar ein „Anliegen von ganzem Herzen, mich für Gott, die Kirche und die Menschen einzusetzen”.

Nach Abschluss der Volksschule in Dahlem wurde Johannes Lorse zunächst Waldarbeiter, doch sein damaliger Lehrer Büchel habe ihm geraten, seine „Talente anders zu nutzen”. Da habe er sich dann selbst gefragt: „Was machst Du mit und aus Deinem Leben?”

Und so kam der 16-jährige Johannes Lorse („Ich war nie ein frommer Junge, ich war auch nie Messdiener”) auf das Pro-Gymnasium St. Josef der Steyler nach Geilenkirchen. Um aber das Gymnasium in der Unter- und Oberprima zu absolvieren und dann das Abitur zu machen, musste er danach auf das Gymnasium der Steyler in Bad Driburg. Inzwischen stand für Johannes Lorse fest: Er bleibt bei den Steylern, er will Priester und Missionar werden.

Als Lehrer nach Australien

So kam er dann 1954 für zwei Jahre ins Noviziat der Steyler nach St. Augustin, 1956 legte er dort das erste Gelübde ab, studierte Theologie und Philosophie. Noch ehe er 1961 die Studien beendet hatte, wurde er 1960 zum Priester geweiht - dies auf dem Eucharistischen Weltkongress in München durch Aloysius Joseph Kardinal Muench, dem ersten Apostolischen Nuntius in der Bundesrepublik Deutschland.

Der Eucharistische Weltkongress 1960 in München war das erste internationale Großereignis (mehr als eine Million Besucher) im Nachkriegsdeutschland - für Johannes Lorse so etwas wie ein Wegweiser - denn bald begann seine „Reise” durch die weite Welt. Gleich nach der Priesterweihe studierte er in Paris „vergleichende Religionswissenschaft”. Eines Tages erreichte ihn dort ein Telegramm aus Rom, er solle „sofort nach Amerika”, um in Washington weiter Theologie und Philosophie zu studieren.

Dann hatte sein Orden, die Steyler Missionare, eine neue Aufgabe: Er solle in Papua-Neuguinea ein Priesterseminar aufbauen und leiten. „Als ich dort im Januar 1963 ankam, gab es dort nichts, kein Stein und kein Brett”. Pater Lorse erinnert sich: Kaum war er eine Woche in Neuguinea, da erreichte ihn ein Telegramm der Ordensleitung: An einer Steyler-Schule in Australien sei ein Lehrer ausgefallen, er solle dorthin, um den Lehrer zu ersetzen.

Also reiste Johannes Lorse nach Australien, um dort an der Steyler-Schule Philosophie, Latein und Griechisch zu unterrichten. Ein Jahr später kehrte nach Papua-Neuguinea zurück, inzwischen war auf der dortigen Missionsstation Mingende in der Provinz Simbu im westlichen Hochland ein Priesterseminar errichtet worden - das waren, so Pater Lorse, „ein paar Baracken und vier Studenten”. Pater Lorses Aufgabe als Missionar in Papua-Neuguinea war der Aufbau eines Schulsystems. Die Steyler waren am Aufbau des Schulsystems beteiligt, sie haben auch die erste Highschool eingerichtet.

Im Jahr 1967 kam Pater Lorse dann zurück nach Deutschland, um in Frankfurt zu promovieren, doch die damalige „Studentenrevolte hat dies unmöglich gemacht”.

Also kehrte er bald wieder in die Missionsarbeit nach Papua-Neuguinea, sein Einsatzort: die große Missionsstation in Denglagu am Fuße des Mount Wilhelm, fast 14000 km Luftlinie von Monschau entfernt. Gemeinsam mit Laienhelfern baute Pater Lorse dann dort ein Wasserkraftwerk, das die Missionsstation samt Kirche, Pfarrhaus, Schwesternhaus, Grundschule und Krankenhaus mit Strom versorgte. Nach 15 Jahren in Papua-Neuguinea kehrte nach Deutschland zurück, in dieser Zeit hatte er neben dem Kraftwerk auch sieben Kirchen gebaut. 1978 wurde Pater Johannes Lorse Pfarrer in St. Johann Baptist Hünshoven bei Geilenkirchen, danach war er 12 Jahre lang Pfarrer in Goch am Niederrhein. Im Jahr 2002 kam Pater Lorse dann als Ruheständler nach Monschau.

Subsidiar im Ruhestand

Doch ein Ruheständler, der nichts mehr tut, kann und will er nicht sein: Pater Lorse war zeitweise stellvertretender Dechant in Monschau, derzeit ist er Subsidiar in der Gemeinschaft der Gemeinden Monschau, da mit den Schwerpunkten in der Altstadt Monschau, in Imgenbroich und Mützenich. „Ich kann mir nicht vorstellen, nichts mehr zu tun”, sagt Pater Lorse, der sich gerne „für Gott, die Kirche und die Menschen” einsetzt.

Johannes Lorses Wunsch zum Goldenen Priesterjubiläum: Er habe keine Wünsche: „Wenn ich etwas tun kann, dann bin ich zufrieden.” Dann äußert er doch einen Wunsch: „Ich möchte so lange in Monschau bleiben wie die Menschen in Monschau und in der Gemeinschaft der Gemeinden mich mögen.”
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