Ortsumgehung Kesternich: Schutz für Menschen oder bedrohte Tiere?

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
umgehung-bu2
7100 Fahrzeuge täglich: Besonders die Anwohner der Bundesstraße B 266 wünschen sich eine Ortsumgehung für Kesternich. Foto: Archiv/Stollenwerk

Kesternich. Ein heißes Eisen, das in Kesternich zurzeit diskutiert wird, ist die geplante Ortsumgehung. Insbesondere die Anwohner der viel befahrenen Bundesstraße B266 wünschen sich lieber heute als morgen eine Umgehungsstraße.

Um sich über den Stand der Planungen zu informieren, hatten sich jetzt circa 85 Interessierte zu einer Bürgerinformation in der Aula der Hauptschule Simmerath eingefunden.

Das Ziel der Veranstaltung sei, vor dem regulären Verfahren zu informieren und die Einwände und Vorschläge der Betroffenen zu hören, um sie in alle Schritte einzubeziehen. „Wir spielen da absolut mit offenen Karten”, erklärte der Beigeordnete der Gemeinde Simmerath, Karl-Heinz Hermanns.

Der Vertreter der Verwaltung machte deutlich, dass die Gemeinde die Planungen zwar nicht im Detail mitbestimmen könne, dass es aber ohne die Zustimmung der Gemeinde keine Ortsumgehung geben werde. Die Verwaltung sehe in der Umgehung „eine Chance für Kesternich”. Es dürfe aber innerhalb des Ortes nicht zu einer Verlagerung der Probleme kommen. „Es muss auch wirklich etwas Positives für die Kesternicher ´rauskommen.”

Eine Variante, die weit um die Ortschaft herum führe, sei für die Bevölkerung sicher die beste Lösung, aber aus ökologischen (Stichwort Feuerfalter) und finanziellen (Brückenbau) Gründen nicht machbar, erläuterte Christoph Jansen von Straßen NRW.

Querverbindung nicht möglich

Nach den Plänen des Landesbetriebs wird die Umgehungsstraße auf der Straucher Straße am Ortseingang beginnen und nördlich der Ortslage verlaufen. Bis auf 100 Meter soll die Trasse im Bereich Im Sief und Nordstraße an die Bebauung heranreichen und schließlich an die Rurberger Straße (L166) angeschlossen werden.

Eine Querverbindung von dort zur Bundesstraße B266 scheint nicht möglich, weil bedrohte Tierarten (Fledermäuse, Vögel) in diesem Bereich gefunden wurden. Wenn es eine Alternative wie die vorhandene L166 gäbe, sei dies „in der Regel ein K.o.-Kriterium”, sagte Jansen. Gleichzeitig habe ein Gutachter festgestellt, dass die Belastung für die Anwohner des Knotenpunktes Rurberger/Bundesstraße zumutbar sei. An diesem Punkt ergebe sich für die Anwohner eine Mehrbelastung von 1200 Fahrzeugen pro Tag. Diese Zahl wurde von den Betroffenen angezweifelt, der Verkehr werde sich verdrei- oder vervierfachen, lautete ihre Einschätzung.

Eine Anwohnerin aus der Straucher Straße hatte einen mehrseitigen Vortrag vorbereitet, in dem sie die Gründe ihrer Wohnungswahl und die Folgen einer Umgehungstraße für sie darstellte. In Richtung der Anwohner der Bundesstraße sagte sie, man habe sich bewusst entschieden, dort zu leben, die Verkehrssituation sei nicht neu. „Wenn es eine Ortsumgehung geben sollte, dann möglichst weit weg zum Vorteil aller Kesternicher Bürger, lautete ihr Fazit. Die Reaktionen reichten von Beifall bis zu Kopfschütteln.

Anwohner der Rurberger Straße sprachen von einer Farce, schließlich betrage der Abstand dort lediglich 30 bis 50 Meter. Ein Bürger lud dazu ein, sich die Situation vor Ort auf seinem Balkon anzusehen.

Im Vergleich zu sieben Metern Abstand an der Bundestraße seien 50 Meter schon viel, erklärte Ortsvorsteher Ulrich Offermann. Die meisten Betroffenen an der Bundestraße seien dort geboren und hätten ihre Elternhäuser übernommen und instandgehalten. „Sonst ständen da heute Ruinen”, sagte Offermann und betonte, dass man auch an diese Menschen denken müsse. Viel Applaus erntete ein Bürger mit der Aussage, dass zwei Drittel der Einwohner profitieren würden.

„Das Argument des Naturschutzes ist vorgeschoben, in Wahrheit reden wir hier doch über die Kosten”, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Gregor Harzheim. Beim Thema Artenschutz spielten Kosten keine Rolle, hielt Christoph Jansen entgegen.

Harzheim wollte schließlich wissen, welche Behörde für diese Entscheidung verantwortlich sei; die europäische Rechtsprechung jedenfalls ließe den nationalen Regierungen Entscheidungsspielräume. Verantwortlich für die Entscheidung im Sinne des Artenschutzes seien die Landschaftbehörden, antwortete der Vertreter des Landesbetriebs.

Bernd Goffart, CDU-Ratsvertreter aus Kesternich, sah auch eher eine Kostenfrage im Vordergrund. Er zeigte sich froh darüber, „dass hier nicht zwei Gruppen aufeinander treffen”, sondern gemeinsam nach einer Lösung gesucht werde. In der Vergangenheit sei in der Eifel „oftmals Unmögliches möglich gemacht” worden. Deshalb könne er sich auch vorstellen, dass etwa ein möglicher Problembaum nicht lange stehen bleiben würde. Man müsse „alle Möglichkeiten nutzen”, erklärte Bernd Goffart und bat Gregor Harzheim, seine Verbindungen zu Parteigenosse Achim Großmann im Bundeverkehrsministerium zu nutzen.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass der Schutz von Menschen über den Bedürfnissen des Artenschutzes anzusiedeln sei.

Lärmschutz

Beigeordneter Karl-Heinz Hermanns regte an, eine Gesprächsrunde mit dem Bundesverkehrsministerium, der Bezirksregierung als höhere Landschaftsbehörde, dem Kreis Aachen als untere Landschaftsbehörde, dem Landesbetrieb Straßenbau und der Gemeinde Simmerath zu organisieren, um zu sehen, inwieweit der Artenschutz wirklich ein Hinderungsgrund für eine Weiterführung der Trasse sei. Zum Thema Lärmschutz wollte Christoph Jansen an diesem Abend keine Angaben machen. Dies sei beim derzeitigen Stand der Planungen noch nicht möglich.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert