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Ortsumgehung Kesternich: Artenschutz verhindert die Ideallösung

Von: hes
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Vor vollen Zuhörerrängen diskutierte der Simmerather Bauausschuss am Dienstagabend 90 Minuten lang das Thema Ortsumgehung Kesternich Viele Bürger des Ortes waren dazu ins Rathaus gekommen. Foto: H. Schepp

Simmerath. Die Ortsumgehung Kesternich ist zum Greifen nah. Vor über 50 Zuhörern hat Manfred Jansen vom Landesbetrieb Straßenbau am Dienstag dem Simmerather Bauausschuss die dritte und bislang beste Trasse der nördlichen Umgehung vorgestellt und eine Realisierung ab 2013 in Aussicht gestellt.

Einziger Haken: Eine Anbindung an die B266 nach Einruhr scheint aus Gründen des Artenschutzes nicht realisierbar, stattdessen würde das Teilstück der Landstraße 166 entlang des Baugebiets „Im Dreieck” und der Rurberger Straße mit geschätzten 1200 Fahrzeugen täglich mehr belastet. Aus diesem Grund konnte der Bauausschuss sich am Dienstag nach 90-minütiger Diskussion noch nicht dazu durchringen, der „Trassenvariante 1c” zuzustimmen.

Umgehungsstraßen sind in der Eifel seit Jahrzehnten ein beliebtes Thema für Bürger, Politiker und Verwaltungen. Realisiert aber wurde letztendlich seit Jahren keine einzige Ortsumgehung, nicht in Roetgen, nicht in Konzen, Imgenbroich oder in Höfen. Die Umgehungsstraße für das vor allem an Ausflugswochenenden von einer Blechlawine „gesegnete” Kesternich aber scheint nun so nah wie nie zuvor.

Der Landesbetrieb Straßenbau hat eine Trasse fernab der Bebauung gefunden und ist willens, dass Millionenprojekt in Angriff zu nehmen. Für die - auch dort vorhandenen - umweltrelevanten Bedenken liegen Lösungen parat, und „auch der Kreis Aachen zeigt sich überaus kooperativ”, wie am Dienstag im Bauausschuss betont wurde.

Lärmschutz auch ohne Gesetz

Die künftige Umgehungsstraße beginnt auf der Straucher Straße am Ortseingang von Kesternich aus Richtung Strauch und verläuft nördlich der Ortslage. Im Bereich der Straßen Im Sief und Nordstraße kommt die Trasse bis auf 100 Meter an die Bebauung heran, liegt ansonsten aber weit weg von den Wohnhäusern.

Manfred Jansen erläuterte, dass man wegen dieser großen Entfernung gesetzlich nicht gezwungen sei, für Lärmschutz zu sorgen. „Da wir aber in weiten Teilen der Trasse nichts in Sachen Lärmschutz machen müssen, könnte man den Überschuss für Lärmschutzmaßnahmen im Bereich Sief/Nordstraße bzw. Rurberger Straße/Dreieck nutzen”, stellte Jansen in Aussicht.

„Darauf möchten wir auch Wert legen”, bat Kesternichs Ortsvorsteher Ulrich Offermann, darum, den Lärm- und Anwohnerschutz auch bei der nun großen Entfernung nicht außer Acht zu lassen.

Besonders wichtig ist der Anwohnerschutz ihm wie auch allen anderen Sprechern im Bauausschuss aber für den südöstlichen Teil des Dorfes: „Es kann nicht sein, dass wir die einen im Ort entlasten und die anderen belasten”, forderte er mit Nachdruck, in weiteren Gesprächen auf eine direkte Anbindung an die B266 zu drängen.

Für hörbaren Unmut sorgte die Begründung, warum die zusätzliche Querverbindung zur B266 nicht umsetzbar erscheint. „Biologen und Umweltbehörden haben in diesem Bereich mehrere Tierarten nachgewiesen, die vom Aussterben bedroht sind”, erläuterte Manfred Jansen. Und dies sei nach aller Erfahrung, die man beim Landesbetrieb habe, ein „K.o.-Argument” für ein Bauvorhaben, wenn es eine Alternative gebe. „Und in diesem Bereich gibt es eine Alternative, nämlich die vorhandene L166”, so Jansen.

Die Art „Menschen” schützen

Dennoch brachte im Bauausschuss niemand Verständnis für den Artenschutzgedanken auf: „Wir sollten erst einmal an die Art ÈMenschÇ denken, ehe wir andere Arten schützen”, ereiferte sich Ulrich Offermann (CDU), und auch sein Fraktionskollege Bernd Goffart wunderte sich, „dass da außer einer kleinen Hecke doch nichts steht”.

Gregor Harzheim (SPD) wunderte sich, dass die Umweltbedenken auf der Nordumgehung ausräumbar seien, die Anbindung im südöstlichen Bereich aber eben daran scheitere. „Schließlich wird auf der Nordumgehung sogar eine Brücke über ein Naturschutzgebiet gebaut”, so Harzheim. Manfred Jansen aber stellte heraus, „dass es dort eben keine alternative Trasse gibt” und Paragraph 4a des Landesumweltgesetzes NW ein solches Vorhaben nur dann verbiete, wenn es keine Alternativmöglichkeit gebe („Verschlechterungsverbot”).

„Wenn wir das jetzige Teilstück der L166 zurückbauen und quasi der Natur zurückgeben, müsste doch eine Lösung möglich sein”, rangen Bernd Goffart und Jens Wunderlich (CDU) nach einer Lösung, doch Manfred Jansen blieb bei seiner Einschätzung, die, wie er versicherte, nicht seine persönliche Meinung widergebe: „Aufgrund des hohen Stellenwerts, den der Artenschutz in unserer Gesetzgebung genießt, sehe ich keinerlei Chance auf eine Realisierung”.

Auch UWG, FDP und Grüne stimmten schließlich der Anregung von Ulrich Offermann zu, die Thematik in einer Bürgerversammlung in Kesternich noch einmal öffentlich zu diskutieren. Der Ortsvorsteher: „Wir sind nicht dagegen, dass in Kesternich etwas passiert. Aber wir brauchen 100 Prozent und nicht 75.”
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