Simmerath - „Onleihe“: Gemeindebücherei wird digital

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„Onleihe“: Gemeindebücherei wird digital

Von: Andreas Gabbert
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Nutzer der Gemeindebücherei Simmerath können jetzt auch online auf Medien zugreifen: „Das ist wie ein Sechser im Lotto, gerade für kleine Bibliotheken“, sagt die Leiterin der Bücherei, Rita Plum. Foto: A. Gabbert

Simmerath. „Das ist für uns wie ein Sechser im Lotto, gerade für kleine Bibliotheken“, sagt Rita Plum. Die Leiterin der Simmerather Gemeindebücherei ist begeistert von der neuen „Onleihe“. Seit einigen Wochen haben die Nutzer der Gemeindebücherei die Möglichkeit, ihre Lieblingsbücher auf einem E-Reader oder einem Tablet-PC zu lesen, sich Hörbücher herunterzuladen, Zeitungen zu lesen und Videos anzuschauen.

Das neue Angebot werde von den Nutzern gut angenommen. Von den rund 500 Nutzern der Gemeindebücherei im ersten Quartal würden bislang rund 200 Personen die Möglichkeit nutzen, den Katalog der Bibliothek online zu durchforsten, Medien vormerken zu lassen und Ausleihfristen zu verlängern. Davon würden aktuell 71 Prozent die Onleihe nutzen. 23 Personen hätten sich als neue Leser angemeldet, ausschließlich um das Onleihe-Angebot wahrnehmen zu können. „Die kommen aus allen Altersgruppen, die meisten sind aber über 50 Jahre alt“, sagt Plum.

Gerade für ältere Menschen biete die Onleihe zahlreiche Vorteile, ist Plum überzeugt. Sie berichtet zum Beispiel von einer 87-jährigen Frau, die keine Bücher halten und die übliche Schriftgröße nicht mehr erkennen kann. Die begeisterte Leserin habe sehnsüchtig auf dieses Angebot gewartet. Nun könne sie den E-Reader auf den Tisch stellen und die Schrift gleich auf die passende Größe einstellen. Hinzu komme, dass auch wenig mobile Personen auf das Medienangebot zugreifen könnten.

Ein Mal im Jahr persönlich

Dafür müssen die Nutzer der Gemeindebücherei Simmerath ein Mal im Jahr persönlich in den Räumen an der Bickerather Straße vorbeischauen. Ansonsten reicht es, sich mit der Lesernummer auf dem Bibliotheksausweis und einem Passwort unter www.onleihe.de/region-aachen anzumelden. Alternativ gelangen die Nutzer auch über den Online-Katalog der Bücherei oder die Internetseite der Gemeinde zu dem Angebot. Sie können einfach Stöbern oder über die Suchfunktion gezielt nach bestimmten Titeln, Autoren oder Themen suchen. Ein Symbol zeigt an, ob es sich bei den Suchergebnissen um ein normales Buch, ein Hörbuch, ein Spiel oder ein elek-tronisches Medium handelt. Das Letztgenannte kann auf den Computer oder auf einen E-Reader und über entsprechende Apps auch auf Tablets oder Smartphones runter geladen werden. Wer einen E-Reader des Onlinehändlers Amazon nutzt, schaut allerdings in die Röhre, das Gerät mit dem Namen „Kindle“ erlaubt nur kostenpflichtige Downloads aus dem Amazonshop. Lediglich mit den Tablet-PCs Kindle Fire und Kindle Fire HD ist mit dem entsprechenden Einrichtungs-Aufwand die Onleihe-Nutzung möglich. Eine Anleitung ist auf der Internetseite zu finden.

Die Leihfrist erlischt nach 14 Tagen automatisch, danach kann die heruntergeladene Datei nicht mehr geöffnet werden. Eine Verlängerung ist nicht möglich, nur eine erneute Ausleihe. Da nichts zurückgebracht werden muss, fallen auch keine Säumnisgebühren an. „Diese Frist mag im Vergleich kurz erscheinen. Das liegt daran, dass die Medien nicht vorzeitig zurück gegeben werden können. Um sicher zu stellen, dass die Medien möglichst Vielen zugänglich sind, wurde die Frist eng gesetzt“, erklärt Rita Plum. Denn auch in der digitalen Welt gilt nach wie vor das Prinzip: ein Nutzer pro Medium.

Das gehöre zu den Lizenzbedingungen der Verlage, erklärt Plum. Es gebe Bedenken, zu viel Gewinn an die Bibliotheken zu verlieren. Deshalb seien auch nicht alle Werke online erhältlich. Die Harry-Potter-Bände seien beispielsweise nicht online verfügbar, weil der Verlag sie dafür nicht freigegeben habe. „Eigentlich widerspricht das dem generellen Informations- und Bildungsauftrag der Bibliotheken“, kritisiert Plum.

Die Zahl der verfügbaren Medien hält sich noch in Grenzen. „Das ist noch nicht viel, aber ein Anfang“, sagt Plum. Das Angebot soll kontinuierlich ausgebaut werden.

Da es sich bei der Onleihe um ein Verbundprojekt handelt, an dem elf Bibliotheken aus der Städteregion Aachen und den Kreisen Düren und Heinsberg beteiligt sind, kann es vorkommen, dass ein Titel für Benutzer aus Simmerath nicht mehr verfügbar ist, weil er bereits in Herzogenrath ausgeliehen wurde. „Viele Titel sind aber mehrfach vorhanden, und es gibt eine Vormerkfunktion“, sagt Rita Plum. Zusätzliche Gebühren müssen die Leser für die Onleihe nicht bezahlen. Das Angebot ist in der Jahresgebühr bereits enthalten. Erwachsene zahlen in Simmerath 6 Euro im Jahr, Kinder 3 Euro und Familien 9 Euro pro Jahr.

Wer sich für die Onleihe interessiert, findet auf der Internetseite viele weitere Informationen, in der Gemeindebücherei liegen Broschüren bereit, außerdem können sich Interessierte dort auch von Rita Plum beraten lassen, die Vorführmodelle der E-Reader bereithält, um das Vorgehen in der Praxis demonstrieren zu können.

Zwei Jahre lang wird die Onleihe durch das Land NRW gefördert. Insgesamt kostete das Projekt circa 180 000 Euro. „Die Kosten für die Einrichtung in der Gemeindebücherei Simmerath lagen bei rund 8200 Euro“, sagt Plum. Davon würden im ersten Jahr 70 Prozent gefördert, im zweiten 50 Prozent. Der verbleibende Eigenanteil sei durch die Gemeinde Simmerath sowie Spenden des Lions Clubs und des Fördervereins abgedeckt. Die Bücherei selbst müsse jedes Jahr fünf bis zehn Prozent ihres Medienetats in das Projekt einbringen, damit die Nutzer an dem großen Gemeinschaftsangebot teilhaben können. Das Projekt habe auch Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns überzeugt und zu einem einstimmigen Beschluss im Kulturausschuss der Gemeinde geführt, sagt Plum.

„Für uns war klar, dass die Onleihe zu unserem Angebot gehören soll. Das ist nichts Exotisches. Kassetten und Videos haben schließlich seinerzeit auch den Weg in die Bibliotheken gefunden. Außerdem leisten wir so auch einen Beitrag zur Barrierefreiheit“, sagt Plum.

Monschau will nachziehen

Die Stadtbücherei Monschau beteiligt sich bislang nicht an der Onleihe. „Das hat seinen guten Grund“, sagt Trixi Reichardt. Die Stadtbücherei sei im Netz zwar durch den Verbundkatalog der Bibliotheken vertreten, einen eigenen Web-Katalog habe sie aber noch nicht. „Diese Einrichtung ist mit hohen Kosten verbunden. Wir hoffen, das im nächsten Jahr mit der Hilfe von Fördermitteln auch umsetzen zu können“, sagt Reichardt.

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