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„One Billion Rising“: Auch die Eifel tanzt zum Protest

Von: Carmen Krämer
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Die Flashmobaktion „One Billion Rising“ fand neben Australien, Thailand und den USA auch im Zentrum von Imgenbroich statt. Dadurch soll auf Missachtung und Misshandlung von Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt aufmerksam gemacht werden. Foto: Carmen Krämer

Imgenbroich. Wer am Donnerstagnachmittag in Imgenbroich zunächst eilig mit dem Einkaufswagen durch die Schneeflocken ins Trockene hastete, der blieb bei diesem Anblick doch plötzlich stehen und konnte sich so schnell nicht wieder losreißen.

Auf dem Parkplatz im Zentrum von Imgenbroich hatten sich am Valentinstag rund 50 Frauen und Mädchen jeden Alters in roter Kleidung versammelt, die dort auf ein Signal zu warten schienen. Als plötzlich aus den Lautsprechern der Song „Break the Chain“, was so viel heißt wie „Brich die Fessel auf“, erklang, fing die Gruppe an, eine Choreographie dazu zu tanzen.

Wenn sich Menschen, die sich nicht einmal unbedingt kennen, an öffentlichen Plätzen treffen, um gemeinsam ungewöhnliche Dinge zu tun, wie zum Beispiel tanzen, nennt man das einen Flashmob. Solche Flashmobs fanden an diesem Donnerstag überall auf der Welt in über 199 Ländern und allein in 190 Städten in Deutschland statt. Ob in Australien, in Indien oder in Südamerika, überall auf der Welt tanzten unzählige Menschen die Choreographie zu „Break the Chain“, die man sich zuvor im Internet anschauen und lernen konnte.

Jede dritte Frau betroffen

Zwei Schwestern aus Monschau hatten Anfang Februar im Fernsehen einen Beitrag zu dieser Aktion im Fernsehen gesehen, die sich „One Billion Rising“ – „Eine Milliarde erhebt sich“ nennt. Dadurch soll auf Missachtung und Misshandlung von Mädchen und Frauen auf der ganzen Welt aufmerksam gemacht werden. „Jede dritte Frau weltweit war bereits Opfer von Gewalt, wurde geschlagen, zu sexuellem Kontakt gezwungen, vergewaltigt oder in anderer Form misshandelt“, heißt es auf der Internetseite, auf der man sich über die Aktion informieren kann. Und weiter: „One Billion Rising, das bedeutet, ins öffentliche und ins individuelle Bewusstsein zu rufen, womit Frauen sich tagtäglich auseinandersetzen müssen.“

Die beiden Monschauer Schwestern, die selbst gern tanzen, waren nach dem Fernsehbeitrag sofort angetan von der Aktion. „Dieser ‚Streik‘ hat nichts mit Emanzipation zu tun, sondern soll aufmerksam machen auf das, was manche Frauen wie selbstverständlich täglich am Arbeitsplatz oder zu Hause erleben müssen“, erklären die beiden. „Überall wo Unrecht geschieht, muss etwas getan werden. Und gerade nach den letzten Nachrichten aus Indien ist es umso wichtiger, ein Zeichen gegen den gewaltsamen Umgang mit Frauen zu setzen.“

Der Tanzclub Dash, Arbeitskollegen, Freunde und Verwandte wurden daraufhin angesprochen, um spontan bei der Aktion mitzuwirken. Fahrlehrer Günter Stollenwerk hatte sich sofort bereit erklärt, seinen Anhänger mit Boxen bereitzustellen, um für die nötige Beschallung zu sorgen. „Das ist eine tolle Aktion, die man unterstützen sollte. Darum hab ich sofort zugestimmt, als ich gefragt wurde.“ Und auch der Tanzclub Dash war stark vertreten. „Gewalt und Aggressionen können in Worten und Taten ausgeübt werden. Dagegen muss man etwas tun“, erklärt Ine Krings aus Konzen.

„Ich mache mit, weil es einfach Spaß macht, in großen Gruppen zu tanzen“, erklärt Luca Deutz, die genauso wie die 17-jährige Carolin Gasper in einer der Formationen des Tanzclub Dash tanzt. Sie erklärt: „Ich bin mit meinen Freundinnen hier, weil wir denken, dass man mit dem Tanz auf eine schwierige Sache aufmerksam machen kann. Natürlich sind wir alle gegen Missbrauch von Frauen und freuen uns, so auch etwas leisten zu können.“

Sicher ist, dass in Imgenbroich längst nicht so viele Teilnehmer dabei waren wie beispielsweise in Berlin oder San Francisco, aber die Zahl der Tänzerinnen und der Weg, den sie teilweise auf sich genommen haben, war für die Region beachtlich und hat die Aufmerksamkeit von so manchem Passanten auf sich gelenkt.

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