Olympische Athleten mit Herz und Leidenschaft

Von: Andreas Gabbert
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Sie haben schon viele Erfolge mit der Behindertensportgemeinschaft gefeiert: Markus Knein, Peter Langer, Alex Langer, Sonja Kather und Hendrik Ritter. Foto: A. Gabbert

Monschau/Bütgenbach. Hendrik ist ein Spitzensportler. Er hat internationale Erfolge gefeiert und olympische Medaillen mit nach Hause gebracht. Mittlerweile hat er eine ganze Sammlung davon. Aber Siege und Medaillen stehen für den 14-jährigen gar nicht im Vordergrund.

„Lasst mich gewinnen, doch wenn ich nicht gewinnen kann, so lasst mich mutig mein Bestes geben!”, lautet der Eid der Special Olympics, den auch Hendrik geleistet hat. Special Olympics ist die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung. Sie ist vom Internationalen Olympischen Komitee offiziell anerkannt und darf als einzige Organisation den Ausdruck „Olympics” nutzen.

Hendrik kommt aus Imgenbroich, einem Ortsteil von Monschau. Alle zwei Wochen bringen seine Eltern ihn zum Training ins Behindertensportzentrum der Deutschsprachigen Gemeinschaft im belgischen Bütgenbach. Die ankommenden Sportler nehmen sich gegenseitig in den Arm, drücken und herzen sich. Sie nehmen sich an der Hand, motivieren sich gegenseitig und gratulieren sich zu gelungenen Aktionen. So viel Nähe ist Hendrik manchmal etwas unheimlich.

Er ist Autist und hat das Asperger-Syndrom. Es fällt ihm schwer, zwanglose Beziehungen zu anderen Menschen herzustellen. Hendrik nimmt nicht wahr, wenn ihn jemand mag. Der Verein hat ihm geholfen, einen kleinen Bekanntenkreis aufzubauen. Er ist selbstbewusster geworden und strahlt jetzt auch über das ganze Gesicht. Er freut sich wieder da zu sein.

„Was ist denn mit Dir los”, fragt Hednrik, als er Alex Langer entdeckt. Langer beobachtet seine Schützlinge heute von der Tribüne aus - der Trainer hat es im Rücken. Sein Kollege leitet das Training - sechs Trainer und Betreuer mischen sich unter die Sportler. Auch Menschen ohne Behinderung nehmen gerne an den Übungen teil - Langers Sohn Peter ist oft dabei.

Die Grundelemente des Trainings müssen aber erhalten bleiben, damit alle mitmachen können. „Sonst wären einige Athleten verloren”, sagt Alex Langer. Denn das Niveau ist sehr unterschiedlich. „Die Kraft ist meist vorhanden, aber mental oft nicht umsetzbar. Nicht alles, was im Körper steckt, ist umsetzbar”, sagt der Trainer. Einer der Läufer kann zum Beispiel nicht überholen. Er passt sich lieber dem Tempo der anderen an - in einer langsamen Gruppe ist auch er langsam, in einer schnellen Gruppe ist es genau umgekehrt.

Nach dem Aufwärmen teilen sich die Athleten in drei Gruppen auf: Basketball, Netzball und Leichtathletik. Das sind gleichzeitig die Disziplinen, in denen die Athleten bei den nationalen Special Olympics am 13. Mai in Brüssel antreten werden. „Das ganze Stadion ist ruhig, gleich geht es los”, beginnt der Übungsleiter seine Ansprache, um die Sportler mental auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten. Die Athleten sollen lernen, sich zu konzentrieren, daneben geht es auch um Schnelligkeit und Ausdauer.

Im Mannschaftssport scheint das leichter zu fallen. Die Basketballer, zwischen 1,50 und 2,00 Metern groß, experimentieren mit dem Ball. Jeder ist beschäftigt. Ähnlich sieht es beim Netzball aus. Die Regeln sind die gleichen wie beim Volleyball, der einzige Unterschied ist, dass der Ball gefangen werden darf.

Hendrik gehört zu den Leichtathleten. Da geht es ein wenig turbulenter zu. Wenn kleine Pausen entstehen, beschäftigen sich die Sportler schnell mit sich selbst, aus einer Reihe wird dann eben ein Pulk. Auch Hendrik lässt sich gerne ablenken und macht nicht immer das, was gerade verlangt wird. Die Betreuer müssen mehr Arbeit investieren. Mühe scheint es ihnen aber nicht zu machen, sie lachen viel mit den Athleten. Ihr Lohn ist die Entwicklung ihrer Schützlinge - sportlich und auf vielen anderen Ebenen.

Die meisten Vereinsmitglieder sind Schüler beziehungsweise ehemalige Schüler der Grundschule für differenzierten Unterricht in Elsenborn. Dort unterrichtet Alex Langer Sport. „Ich wollte die Athleten nachdem sie die Schule verlassen haben, weiterhin sportlich unterstützen und fit halten und habe deshalb vor rund 20 Jahren mit meiner Frau den Verein gegründet.” Seit 14 Jahren ist der Verein als „Leistungszentrum für Athleten mit einer geistigen Behinderung” anerkannt.

In dieser Zeit haben die Athleten des Behindertensportclubs durch die Special Olympics schon viel von der Welt gesehen. Siebenmal haben sie bereits an den internationalen Winterspielen teilgenommen und Nagano in Japan oder Toronto in Canada kennengelernt. Hendrik war im vergangenen Jahr bei den Winterspielen im us-amerikanischen Idaho, wo er im Langlauf die Bronzemedaille und mit der Staffel die Silbermedaille gewonnen hat. Als nächstes stehen die nationalen Special-Olympics-Wettkämpfe in Brüssel an, dort war Hendrik schon mehrmals erfolgreich. Im kommenden Jahr werden einige Athleten auch zu den Sommerspielen nach Griechenland reisen. Dann will Hendrik wieder mit dabei sein.

„Tut, Tut, tut alles aufräumen.” Mit lauter Stimme gibt der Übungsleiter das Signal zum Abbau. Genauso herzlich wie sich die Sportler begrüßt haben, verabschieden sie sich auch von einander. Mit einem Lachen im Gesicht geht es wieder zurück nach Hause. Bis zum nächsten Mal.

Die meisten tragen die blau-schwarzen Trainingsanzüge mit dem Aufdruck „B.S.C. - Leistungszentrum der D.G.” - auch Hendrik.
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