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Ohne Straßenwärter und Heizöllieferanten geht derzeit nichts

Von: Nadine Preller
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Auch das ist der Eifelwinter:
Auch das ist der Eifelwinter: Die letzten Reste des zum Abriss stehenden Hauses Linde in Imgenbroich wirken im Februarwinter wie eine kalte Skulptur. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Gleich einer Märchenlandschaft, wie in einer Schneekugel, strahlen die Eifeler Orte derzeit um die Wette. Unter stahlblauem Himmel sind Dächer und Tannen mit einer hauchdünnen weißen Schicht bedeckt, als ob jemand ein wenig Puderzucker über die Gegend gestreut hätte.

Autofahrer erblicken an den Straßenrändern die ersten Schneemann-Versuche, Wanderer flanieren durch schneebedeckte Wälder, und Kinder tollen draußen in den ersten Flocken um die Wette. Es scheint, als ob alle ihre rosarote Winterbrille aufgesetzt hätten. Doch die blendet zuweilen aus, dass im Hintergrund viele eifrige Helferhände am Werk sind, damit die heile Winterwelt auch so heile bleibt, wie sie derzeit erscheint.

Telefone klingeln Sturm

So schiebt Frank Steffens momentan auch eine Überstunde nach der nächsten, „alles was erlaubt ist, bis zur äußersten Grenze”. Die Telefone klingeln Sturm bei dem Heizöllieferanten aus Mützenich. „Die Leute haben darauf vertraut, dass nach den Heiligen Drei Königen die Temperaturen wieder langsam steigen und mit ihnen die Heizölpreise fallen”, sagt Steffens.

Der unerwartet späte Wintereinbruch aber hat die Menschen nun eines Besseren belehrt. Steffens Problem: „Viele haben ihre Tanker komplett leerlaufen lassen, hoffen jetzt, dass wir innerhalb kürzester Zeit nachliefern können.” Momentan sei das auch noch kein Problem, die meisten Aufträge wickelt Steffens innerhalb von 24 Stunden ab.

Für ihn bedeute das aber auch, schuften von Montag in der Früh bis Samstag Nachmittag. „Täglich liefert die Raffinerie uns Heizöl nach, sonst kämen auch wir nicht mehr hinterher.” Jetzt blubbern jeden Morgen 32.000 Liter in den Tank des Lieferanten der 80.000 Liter fasst. Schnell umgefüllt, und Steffens braust schon wieder mit seinem 9000-Tanker durch die Eifeler Straßen, auf zum nächsten frierenden Kunden. „Ich fände es auch mal schön, mit meiner Frau und dem Hund durch die weiße Landschaft zu spazieren”, meint er, fügt aber gleich lachend hinzu: „Ich bin ja auch sehr froh, dass die Aufträge kommen. Wäre ja auch schlimm, wenn die ausbleiben würden.” Und Aufträge, die hat er für die nächsten Tage sicher.

Sicher ist sich auch Gerhard Schmitz, dass es nicht bei dem einen Rohrbruch bleiben wird, zu dem er letzte Woche ausrücken musste. Der stellvertretende technische Leiter beim Wasserwerk Perlenbach weiß: „Die vergangenen Winter lagen wir im Schnitt bei 175 bis 195 Einsätzen.” Bei den momentanen Temperaturen könnte also noch einiges auf Schmitz und seine Kollegen zukommen.

Mit sieben Gemeinden von Roetgen über Heimbach bis Kreuzau misst das Wasserrohrnetzwerk ganze 600 Kilometer. Obendrauf kommen noch einmal 330 Kilometer Hausanschlussleitungen. Viel kritischer für die knapp 1000 Kilometer Rohre in der Eifel seien nach Schmitz aber weniger die eiskalten Temperaturen. „Wenn es taut, dann passieren die meisten Brüche”, sagt er. „Das ist, wie wenn Sie unter einen warmen Decke liegen und plötzlich reist Ihnen jemand das Laken weg. Dann wirds plötzlich eiskalt.” So ähnlich warm aufgehoben fühlten sich nämlich die Rohre unter den Frostschichten und der dünnen Schneedecke. Bis es taut.

Vorbeugen können Hausbesitzer und Wohnungseigentümer dennoch: „Auf jeden Fall die Wasserzähler dick einpacken”, rät Schmitz. „Da gibt es die tollsten Ideen: von Schaumstoff über Glaswolle bis Styropor. Und immer gut heizen.” Kritisch sieht der stellvertretende Leiter die Wochenendhäuser. Wenn hier das Wasser tagelang in den Leitungen steht, gefriere es schnell und ein Rohrbruch sei wahrscheinlich.

So ein Rohrbruch käme Bruno Alzer gar nicht recht. Der regionale Betriebsleiter der Straßenmeistereien sieht die Eifel momentan gut gestreut. Und das soll auch so bleiben. „Es wird erst wieder kritisch, wenn es nieselt - oder eben ein Rohr bricht. Dann wirds glatt”, weiß Alzer. Sonst aber reiche das momentan gestreute Restsalz allemal, den nächtlichen Frost zu bekämpfen. Bislang.

Vorsichtshalber hat die Meisterei am Mittwoch noch einmal aufgestockt. Mit 300 zusätzlichen Tonnen füllen das Lager jetzt wieder 1200 Tonnen Salz. Für definitiv zu früh halte Alzer den Zeitpunkt, die Hallen jetzt schon leer zu fahren. „Eher ordern wir noch ein paar Mal nach”, prophezeit er. Engpässe wie in vergangenen Jahren deuteten sich aber noch lange nicht an. „So etwas erfahren wir rechtzeitig von den Lieferanten. Wie behalten das Ganze aufmerksam im Blick.”

Im Blick behält Manfred Stein seine Rodelbahn in Rohren derzeit auch. Aber bis auf einige Zentimeter Schnee erblickt er dort nichts. „Das ist einfach noch viel zu wenig, um vernünftig Ski fahren zu können”, sagt der Besitzer. „Da fehlen mindestens noch 20 Zentimeter Neuschnee.”

Keine Hoffnung auf Neuschnee

Und die deuten sich in den kommenden Tagen bei den harten Minustemperaturen eher weniger an. „Rodeln aber kann man auf der Bahn, dazu reicht es gerade noch”, ermuntert Stein alle Winterfreunde. Und er hat noch einen ganz besonderen Tipp auf Lager.

„Bei diesem herrlich blauen Himmel und der weißen Landschaft sollte man sich einen Winterspaziergang auf keinen Fall entgehen lassen. Das sind doch wirklich gerade ganz tolle Bilder.” Recht hat er.
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