Eschweiler - ÖDP sieht Wachstum als Ursache allen Übels

ÖDP sieht Wachstum als Ursache allen Übels

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Diskutierte mit Parteifreunden
Diskutierte mit Parteifreunden und interessierten Gästen über die Vision eines wachstumslosen Wirtschaftssystems: Sebastian Frankenberger (Mitte), Bundesvorsitzender der ÖDP. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Sie schwimmen gegen den (politischen) Strom, die Mitglieder der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP). Denn für sie ist ständiges Wirtschaftswachstum nicht das Allheilmittel zur Erhaltung und Mehrung des Wohlstands, sondern das genaue Gegenteil, nämlich „die Ursache aller Probleme”.

So formuliert es der Bundesvorsitzende Sebastian Frankenberger, der jetzt auf Einladung des ÖDP-Kreisverbands Städteregion Aachen (gegründet im November 2011, aktuell 18 Mitglieder) zu Gast in Eschweiler war und mit einigen Parteifreunden und Interessierten am „politischen Stammtisch” diskutierte.

„Das Leitmotiv der ÖDP lautet ´Weniger ist mehr. Es geht darum, zu erkennen, dass ein gutes Leben auch zu führen ist, ohne immer mehr haben zu wollen und sich damit in ein Hamsterrad zu begeben”, leitete mit Reiner Buchholz der Vorsitzende des Kreisverbands, der bei der NRW-Landtagswahl als Direktkandidat im Wahlkreis 4 Aachen antreten wird, die Gesprächsrunde ein. „Meiner Meinung nach ist ewiges Wirtschaftswachstum nicht möglich”, betonte er. Und gab damit Sebastian Frankenberger die Vorlage. „Vor allem ist es absolut gegen die Natur. Der Mensch stellt sich über den natürlichen Kreislauf”, so der gebürtige Passauer, der bis 2004 Mitglied der CSU war, bevor er zur ÖDP wechselte. „Die Erde ist ein geschlossenes System, Wir müssen mit den Ressourcen haushalten, denn es kommen keine neuen nach.” Unser Gesellschaftssystem funktioniere nur durch die Ausbeutung anderer. „Das hat schon vor Jahrhunderten mit den Kolonien begonnen und wird heute in der Dritten Welt, in Griechenland und gegenüber den Schlecker-Mitarbeiterinnen fortgesetzt”, kritisiert der 30-Jährige.

Doch geht es auch anders? Ein Blick in die Natur reiche. „Sie wirtschaftet mit dem, was vorhanden ist”, antwortet das Mitglied des Vereins „Mehr Demokratie”. Der Rückschluss: „Wir müssen zurückstecken, entschleunigen, nach Werten leben, die einer Ethik entstammen, die aus den Religionen abgeleitet sind. Grundlage jeder politischen Handlung muss die Frage sein, dient sie allen Menschen, den nächsten Generationen, allen Lebewesen.”

Um dies zu begreifen sei ein „tiefergreifender Geist” notwendig, und dieser benötige Bildung. „Doch Bildung braucht Zeit. Und diese haben wir gerade abgeschafft”, denkt Sebastian Frankenberger an das G8-Abitur sowie die Bachelor- und Master-Studiengänge. Das Bildungswesen müsse neben Wissen vor allem soziale Kompetenzen vermitteln. Doch gerade dies verhindere die Ganztagsschule, die es unter anderem Vereinen schwer mache, ihre Arbeit mit Kindern und Jugendlichen umzusetzen.

Eindeutig ist auch seine Haltung bezüglich des Eurorettungsschirms sowie des Fiskalpaktes. „Diese Instrumente gelten nur dem Credo Wachstum, Wachstum, Wachstum und doktern nur an den Symptomen herum, statt die Ursache, das Wachstum selber, zu bekämpfen.” Deshalb sollen deutliche Schritte folgen. „Am Tag, an dem der ESM und der Fiskalpakt im Bundestag beschlossen werden, legen wir Verfassungsbeschwerde ein”, verspricht Sebastian Frankenberger, der auch in dieser Hinsicht im Internet eine Chance sieht. „Menschen vernetzen sich, werden wach, lassen sich nicht mehr alles bieten”, stellt er erfreut fest. Entscheidend für die ÖDP und deren Mitglieder sei jedoch, die eigenen Ideen vor Ort vorzuleben.

„Es ist nicht schlimm, dass wir keine 50 Prozent-Partei sind. Stattdessen sind wir Vordenker und damit Multiplikatoren”, hofft er, dass die „Visionen, keine Utopien” auch bei Wählern und Politikern anderer Parteien Anklang finden.
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