Roetgen - Nur wenig Appetit auf „Hühner-Voodoo

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Nur wenig Appetit auf „Hühner-Voodoo

Von: Günther Sander
Letzte Aktualisierung:
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Margareta Ritter (links) und Manfred Eis (rechts) stellen „Hühner-Voodoo“-Autorin Hortense Ullrich in Roetgen vor. Foto: Günther Sander

Roetgen. War der Auftakt des „Lit.Eifel“-Festivals in Rurberg mit der Lesung des Autors Dietmar Sous ein gelungener (wir berichteten), verlief die Fortsetzung in Roetgen weitaus anders. Was war nur los?

Hielt der „schräge“ Titel des Buches von Hortense Ullrich die Besucher ab? Oder die zwölf Euro Eintrittsgeld? Oder ist man weniger kulturinteressiert? 

Schade, diese Veranstaltung hätte eine bessere Resonanz verdient gehabt. Grelles Licht auf der Bühne, nur 20 Kulturinteressierte in „familiärer Runde“ im Bürgersaal davor („Ich habe sogar schon vor nur einem Kind gelesen“, so Ullrich), die eine quicklebendige Autorin erlebten, die munter drauf los plauderte und die Gäste unterhielt.

Monschaus Bürgermeisterin und „Lit.Eifel“-Chefin Margareta Ritter sowie Roetgens Bürgermeister Manfred Eis bedauerten den schwachen Besuch dieser Veranstaltung. Auch im kommenden Jahr seien weitere Autorenlesungen geplant, so Margareta Ritter. „Wir sind froh, diese Lesung nach Roetgen bekommen zu haben“, ließ Manfred Eis wissen. Ritter und er kannten das 61. Buchwerk von Hortense Ullrich nicht. „Ich habe im Internet nachgeschaut, ich werde mir gleich ein Exemplar kaufen“, versprach die Bürgermeisterin. Voodoo, oft gehört, weniger bekannt.

Dabei ist Voodoo eine geheime kreolische Religion, aber weit weniger „unheimlich.“ Zum Teil kommt sie dem europäischen Hexenwesen nahe. Eine „Untergrundreligion“, die den Wunsch vieler Menschen nach geheimnisvollen Mächten erfüllt, die auf das Leben Einfluss haben. Häufig ist die Rede von Voodoo-Zauber, Voodoo-Puppen, Voodoo-Hexen, Voodoo-Liebe. Noch verständlich? Was es aber mit „Hühner-Voodoo“ auf sich hat, weiß man spätestens seit der Lesung im Bürgersaal.

Hortense Ullrich, Journalistin, Autorin, bisher durch zahlreiche Kinder- und Jugendbücher („Hexen küsst man nicht“) bekannt, zog in Roetgen alle Register ihrer Vorlesekunst. Diesmal hat sie die Freiheit genutzt, für eine wahrlich abenteuerliche Story: „Hühner-Voodoo.“ „Ich bin ein Handwerker. Wenn der Verlag ruft, dann schreibe ich ein Buch“, ließ sie wissen. Daheim lagere noch reichlich Material für weitere Werke. Die Mutter von zwei Töchtern (22 und 25 Jahre) schreibt sogar im Pyjama. „Ich kann nicht aufräumen, nicht aufwaschen, aber schreiben“, lacht Hortense Ullrich.

Sie weiß, schon die Cover-Aufmachung von „Hühner-Voodoo“ sei „schräg und merkwürdig“. Wie mag erst der Inhalt aussehen? Alles nicht normal, auch die Hauptperson nicht. Eine irre Alte, ein unheimlicher Leichenbestatter. „Diese Geschichte habe ich immer schon im Kopf gehabt“, verriet sie stolz. Was sich in diesem Buch auf 288 Seiten abspielt, servierte die Autorin humorvoll, mit viel Sprachwitz gewürzt, den aufmerksamen Zuhörern. Es ist kein altruistischer Charakterzug, der Gwendolyn Herzog von Wohlrath dazu treibt, eine psychologische Praxis zu eröffnen. Obwohl sie mit der Psychologie überhaupt nichts am Hut hat. Außerdem mangelt es an Geld, um ihren Wunsch verwirklichen zu können.

Große Aufregung, ihr erster Patient, Frederick Ackermann, ein Enddreißiger, von Beruf Leichenbestatter in der 20. Generation, sucht die Praxis auf. Für ihn waren bisher nur zwei Dinge im Leben von großer Bedeutung: Die Weiterführung des väterlichen Unternehmens und die Gründung einer Familie. Gerade mit dem Letzteren scheint es nicht sonderlich gut zu stehen. Der gute Frederick hat eine extrem hohe „Ausfallquote“. Verständlich, welche Dame hat schon Bock darauf, sich gerne zum ersten Rendezvous von einem Leichenwagen abholen und chauffieren zu lassen? Kein Wunder, es gibt keine zweiten Treffen mehr. Die wenigen hartnäckigen und tapferen Damen, die dennoch „durchhalten“, ereilt ein tragisches Schicksal.

Bei Antrag Tod

Sobald Frederick ihnen einen Heiratsantrag macht, sterben sie. Und zwar auf der Stelle. Just, als er die dritte Freundin durch Tod verloren hat, begibt Frederick sich in die Hände einer Therapeutin. Dann kommt es, wie es kommen muss. Genauer gesagt: Er landet bei Gwendolyn! Die erfreut sich an Fredericks skurrile Geschichten, doch nur so lange, bis es einen neuerlichen Todesfall gibt. Jetzt nimmt die Psychologin seine Erzählungen ernst. Schlimm schließlich, als sie erfährt, dass ausgerechnet ihre Nichte Britta sich in Frederick verliebt hat. Da kommt Panik auf.

Ziel von Gwendolyn ist es, vorzeitig zu handeln und mit allen Mitteln zu verhindern, dass der Freier ihrer Nichte nur ja keinen Heiratsantrag macht. So weit, so gut, aber wie? Vielleicht hilft in diesem besonderen Fall gar „Hühner-Voodoo.“ Der Beifall der Besucher bewies, die Lesung traf genau deren Geschmack. Lachen, Schmunzeln, Nachdenken. Über „Hühner-Voodoo.“

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