Simmerath - Noch keine Alternative zur Flüchtlingsunterkunft Langschoß

Noch keine Alternative zur Flüchtlingsunterkunft Langschoß

Von: P. St.
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Immer wieder im Blickpunkt steht die Flüchtlingsunterkunft Langschoß: Auslöser der Diskussion sind die sanierungsbedürftigen Gebäude und die abgelegene und nicht gerade der Integration dienende Lage mitten im Wald. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Dass die Flüchtlingsunterkunft Langschoß, gut zwei Kilometer außerhalb von Lammersdorf und mitten in einem weitläufigen Fichtenbestand gelegen, nicht gerade der ideale Standort für die Unterbringung von Asylbewerbern und Flüchtlingen ist, zweifelt wohl niemand an.

Auch bei den Simmerather Kommunalpolitikern herrscht Einigkeit darüber, dass die abgelegene ehemalige Kaserne, die mit 585 Metern über dem Meeresspiegel die höchste Erhebung in der Gemeinde Simmerath darstellt, ihre Nachteile hat und bestimmt auch kein Aushängeschild für die optimale Unterbringung von Flüchtlingen ist.

50.000 Euro für Baumaßnahmen

Über die Frage, wie nun weiter mit der Unterkunft verfahren werden, gehen die Meinungen in den Fraktionen allerdings weit auseinander. Dies wurde auch bei der jüngsten Sitzung des Simmerather Gemeinderates wieder deutlich, als es um die Frage ging, ob im Haushaltsplan 2018 weitere Mittel für die Instandsetzung des Gebäudekomplexes bereitgestellt werden sollen. Das wird der Fall sein: 50.000 Euro werden für Baumaßnahmen zur Verbesserung der Gebäude zur Verfügung stehen.

SPD und UWG scheiterten mit ihrem Antrag, das Geld besser in die Erstellung einer Gesamtkonzeption zur Unterbringung von Flüchtlingen in der Gemeinde Simmerath zu investieren. SPD-Sprecher Gregor Harzheim sah es als nicht sinnvoll an, Jahr für Jahr in das vom baulichen Zustand her stark sanierungsbedürftige Gebäude immer weiter zu investieren. Im vergangenen Jahr seien es 35.000 Euro für die energetische Sanierung gewesen, in diesem Jahr stünden 50.000 Euro für neue Fenster an, und für das Jahr 2021 seien 230.000 Euro für die Erneuerung von Dach und Außenfassade vorgesehen.

Daher fordere er die Bereitstellung von zunächst 30.000 Euro, um eine solche Konzeption in Auftrag zu geben, „die sowohl bauliche Aspekte wie auch die menschlich-sozialen Aspekte angemessen berücksichtigt“. Einem solchen Verfahren möchte man sich „ergebnisoffen“ stellen, betonte Harzheim. Auch ein Neubau, so hatte Harzheim bereits in der Sitzung des Hauptausschusses gesagt, sei dabei nicht ausgeschlossen.

Die Kritik am schlechten Zustand des Gebäudes aber wollte Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns relativieren. In den vergangenen Jahren habe man einige Anstrengungen unternommen, um den baulichen Zustand des Gebäudes zu verbessern.

Offen blieb auch diesmal bei der Diskussion, wo eine neue Flüchtlingsunterkunft innerhalb der Gemeinde Simmerath ihren Standort haben sollte.

Auch die UWG, die ebenfalls die Bereitstellung von Haushaltsmitteln für eine gesamte Konzeption beantragt hatte, wollte sich bei der Standortfrage nicht festlegen. UWG-Sprecher Reinhold Köller beließ es bei allgemeingültigen Aussagen: „Neben einem generellen Unterbringungskonzept müssen geeignete Gebäude gefunden beziehungsweise entworfen werden. Es müssen Standorte gefunden werden, und es muss ein Konzept für die weitere Nutzung von Langschoß entwickelt werden.“ Nach Auffassung der UWG sei Langschoß „nicht der richtige Ort, um Menschen zu integrieren. Der Wald ist aus unserer Sicht eher geeignet für Windräder als für die Unterbringung von geflüchteten Menschen“. Daher sei Langschoß auch als adäquate und langfristige Unterbringungsmöglichkeit nicht geeignet.

Als „nicht nachvollziehbar“ bezeichnete CDU-Fraktionssprecher Christoph Poschen den erneuten Antrag der SPD, die 50.000 Euro im Haushalt für die Erneuerung von Türen und Fenstern in Langschoß zu streichen. Das Gebäude könne man nun wirklich nicht als „marode“ bezeichnen. „Die Geflüchteten können hier absolut angemessen untergebracht werden.“ Daher wolle man auch weiterhin das Gebäude baulich verbessern und dafür Mittel bereitstellen. Für Poschen stellte es sich als „widersprüchlich“ dar, wenn die SPD einerseits den Gebäudezustand kritisiere, andererseits aber Mittel für die Verbesserung des Gebäudezustandes ablehne.

Zur von der SPD angeregten Konzeption für die Unterbringung von Geflüchteten merkte Poschen an, dass auch bereits jetzt zahlreiche Personen dezentral im Gemeindegebiet untergebracht seien und man zweifellos in der Zukunft nicht ohne eine Sammelunterkunft auskommen werde. Der Vorschlag von SPD und UWG ergebe nur Sinn, wenn man sich von Langschoß als Unterkunft trennen wolle. Poschen: Wenn man sich aber von Langschoß trennen möchte, müsse man anderswo eine Unterkunft für rund 50 Personen schaffen, doch die Möglichkeiten, wo eine neue Unterkunft entstehen könnte, seien „erkennbar limitiert“. Der CDU-Sprecher richtete die Erwartung an SPD und UWG, „den Bürgern einmal zu sagen, wie und vor allem wo sie sich eine solche Unterkunft vorstellen“.

Schon bei den Beratungen zum Haushalt 2017 habe man diese Frage an die SPD gerichtet und ein Jahr lang keine Antwort erhalten. In diesem Jahr werde der Antrag nun lediglich wiederholt, ohne dass die SPD ihre Vorstellungen „klipp und klar“ äußere.

Auch Klaus Stockschlaeder (Grüne) hielt nicht viel davon, zum jetzigen Zeitpunkt ein auswärtiges Büro mit einer teuren Planung zu beauftragen. „Das macht keinen Sinn“, sagte Stockschlaeder. Vorab müsse die Frage geklärt werden, wo man hin und ob man sich vom Standort trennen wolle.

Neubau: „Kostenexplosion“

Schließlich räumte Bernd Goffart (CDU) mit der Vorstellung auf, dass ein Neubau für eine Unterkunft abgesehen vom Standort leicht zu machen sei. Goffart sagte eine „Kostenexplosion“ voraus, allein schon wegen der Tatsache, dass an die Baugenehmigung inzwischen immer die Bereitstellung eines Sicherheitsdienstes geknüpft sei.

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