Simmerath - Nicht hübsch, aber notwendig: Flüchtlingsunterkunft im Wald

Nicht hübsch, aber notwendig: Flüchtlingsunterkunft im Wald

Von: Karl-Heinz Hoffmann
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Hübsch sieht sicher anders aus, auch wenn alle gesetzlichen Standards erfüllt sind: Die Flüchtlingsunterkunft Langschoß im Lammersdorfer Wald, die früher militärisch genutzt wurde. Foto: Karl-Heinz Hoffman
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Leoni Lepers, Sprecherin des „Arbeitskreises Langschoß“, rührt die Werbetrommel in Sachen der Flüchtlingsunterkunft. Foto: Karl-Heinz Hoffman

Simmerath. Auch wenn die gesetzlichen Standards alle erfüllt sind, schießt wohl jedem beim ersten Besuch der Flüchtlingsunterkunft Langschoß im Lammersdorfer Wald der Gedanke „Hübsch sieht anders aus“ durch den Kopf.

Über 40 Flüchtlinge sind hier derzeit von der Gemeinde Simmerath in den ehemals zu Militärzwecken genutzten Gebäuden an der B 399 knapp vier Kilometer hinter dem Ortsausgangsschild in Richtung Düren unweit der Bushaltestelle „Radarstation“ untergebracht.

„Und es werden immer mehr“, sagt Leonie Lepers aus Rott, Sprecherin des „Arbeitskreises Langschoß“, einer zehnköpfigen ehrenamtlichen Initiative, die sich um die dortigen Flüchtlinge aus aller Herren Länder aufopferungsvoll kümmert. Leonie Lepers „geladen“. Zum einen bemängelt sie in aller Deutlichkeit das Abwälzen der finanziellen Lasten von Bund und Land auf die Kommunen. Zum anderen wollen sie und ihr Team nun auch diejenigen zur verstärkten Hilfe animieren, die sich bisher mit Hilfe für die Flüchtlinge „vornehm zurückgehalten haben“. Ohne damit direkt die beiden großen kirchlichen Gemeinschaften in Verbindung zu bringen, will sie auch an diese in der Region herantreten, um sie für die Sache zu sensibilisieren.

Scheu kennt die engagierte Streiterin des Arbeitskreises also keine, die ansonsten die „hervorragende Zusammenarbeit“ mit der Gemeinde Simmerath betont. „Da möchte ich einmal ganz klar Frau Johnen vom Sozialamt erwähnen, die für uns immer ein offenes Ohr hat“, ergänzt sie in diesem Zusammenhang und fügt gleich weiter lobend an: „Und Hausmeister Denis von der Gemeindeverwaltung ist wirklich ein Schatz.“

Der hatte am Vortag mit dem „Gemeinde-Büschen“ acht Flüchtlinge zum Schwimmbad in Simmerath kutschiert und hatte Leonie Lepers berichtet, dass die Langschoß-Schwimmer voller Dankbarkeit und so begeistert waren, dass sie ihm am liebsten die „Füße geküsst hätten“. Beim nächsten mal wollen 20 Mann ins SimmBad mitreisen, „wenn sie denn eine Badehose haben“ erklärt Lepers.

Hausmeister „Denis“ packt auch beim Aufräumen mit an. Um das Außengelände vor den Baracken etwas freundlicher zu gestalten, will Lepers demnächst dort Winterjasmin pflanzen und hier und da einen neuen Anstrich anbringen lassen. Auch dafür braucht der Arbeitskreis weitere personelle Unterstützung und natürlich entsprechende Sach- und Geldspenden.

Womit die Rotterin dann auch gleich bei dem angekommen ist, was die auf Langschoß lebenden Menschen neben Kleidung und den erwähnten Badehosen alles brauchen. „Billardkugeln und Billardstöcke“, sagt Leonie Lepers überraschend wie aus der Pistole geschossen. Die werden nämlich für den vorhandenen Billardtisch dringend benötigt.

Tischtennisschläger nebst den entsprechenden Bällen sowie Fahrradschlösser und Regale stehen gleichfalls auf der Wunschliste. An einem simplen Beispiel schildert Leoni Lepers, dass es oft Kleinigkeiten sind die fehlen: „Wenn die Leute hier ankommen, erhalten sie ihr Zimmer, wo natürlich auch ein Schrank drin steht. Aber darin sind eben keine Kleiderbügel.“

Fahrten zum Arzt

Aus dem zehnköpfigen Team des Arbeitskreises erteilt ein Lehrer-Quartett den Flüchtlingen Deutschunterricht. „Das halte ich für sehr wichtig“, sagt Lepers. Langsam stößt die Crew des Arbeitskreises aber auch an ihre Grenzen. „Wir suchen Mitstreiter, die hier in vielfältiger Weise ehrenamtlich helfen wollen. Toll wäre es schon, wenn sich beispielsweise einer meldet, der Zeit hat, um von hier jemanden zum Arzt zu fahren oder beim Bepflanzen der Anlage hilft“, wirbt Lepers um Unterstützung. Schon solche Kleinigkeiten seien hilfreich und würden den Menschen auf Langschoß neuen Lebensmut geben.

Kürzlich hätten drei evangelische Christen der Flüchtlingsunterkunft am Gottesdienst in Lammersdorf teilgenommen, mit denen Pfarrer Böhm anschließend ins Gespräch gekommen sei. Solche sozialen Kontakte seien für die Menschen wichtig meint Lepers, die hofft, dass sich demnächst noch weitere Mitstreiter dem Arbeitskreis anschließen. „Hier kann in vielfältiger Weise ehrenamtlich geholfen werden und mein Wunsch ist es, dass dann von Außen frischer Schwung in die Sache kommt“, rührt Leonie Lepers noch einmal die Werbetrommel.

Für Interessierte stehen Leonie Lepers (Telefon 02471/2912) und Lexi Hermann (Telefon 02471/825) als Ansprechpartner zur Verfügung. Selbstverständlich sind auch Geldspenden willkommen. Dazu steht das Konto der Sozialstiftung Simmerath, Stichwort „Langschoß“, IBAN: DE 11 390 500 00 107062 9447 (BIC:AACSDE33) zur Verfügung.

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