Roetgen - Nicht die Idee ist falsch, sondern der Ort

Nicht die Idee ist falsch, sondern der Ort

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Es geht doch, Windparks auf den Höhenkämmen der Eifel zu bauen. Unser Bild zeigt den Windpark Höfen/Schöneseiffen und ist vom Steling aus fotografiert, dem höchsten Punkt der Nordeifel in Mützenich. Foto: Heiner Schepp

Roetgen. „Es ist nicht zu verstehen, welchem Gehirn diese Idee entsprungen ist. Was der Aachener Liegenschaftsausschuss da beschlossen hat, ist einfach nicht zu fassen!” In Roetgen beginnt es zu rumoren, formiert sich Widerstand gegen einen Windpark im Münsterwald.

Öffentlich voran geht Dr. Klaus Hübner und macht sich auf den Weg zur Gründung einer Bürgerinitiative gegen das seiner Meinung nach die Landschaft verschandelnde Großprojekt vor den Toren der kleinen Gemeinde.

Dabei ist der Facharzt im Ruhestand, stellvertretende Schiedsmann und FDP-Parteigänger „ohne Amt und Funktion” keineswegs ein Gegner der Windkraft. Im Gegenteil, Hübner ist in Norddeutschland geboren, und als „Nordlicht” kennt er Windparks und -räder auf Deichen oder auf dem platten Land, dort „wo sie niemand stören und wo sie hingehören”. Eine „gute Sache” nennt er diese Form der regenerativen Energiegewinnung und kann ihr eine Menge Positives abgewinnen, allerdings nicht im Münsterwald.

Zerstörung von Umwelt

Der pensionierte Mediziner bezweifelt nicht nur, dass die Windverhältnisse an dieser Stelle bei weitem nicht genügen, was ihn aber vor allem umtreibt, ist die seiner Meinung nach nicht zu verantwortende Zerstörung von Umwelt, um die zehn riesigen Räder, jedes höher als der Kölner Dom, dort auf Aachener Stadtgebiet platzieren zu können. Was ist mit dem Umweltschutz, was mit der dringend schützenswerten Tier- und Pflanzenwelt? Was ist mit Naherholung und Landschaftsschutz? Was ist mit den ungezählten Fledermäusen, die anderenorts von den Rotoren erschlagen werden? Was ist im Winter mit gefährlichem Eiswurf auf die nahe „Himmelsleiter”? Fragen über Fragen. Da muss das „Tor zur Eifel” gar nicht romantisiert werden.

Klaus Hübner sieht sich nicht als einsamer Rufer in der Wüste. Spontan fallen ihm mindestens 20 Namen in Roetgen ein, die ebenfalls einen Windpark im Münsterwald ablehnen. Im Eifelverein regt sich auch bereits Widerstand, weiß Hübner. Seine Partei, die FDP, lehne diese „hirnrissige Idee” ohnehin kategorisch ab, die CDU eine Beteiligung der Gemeinde an dem Projekt inzwischen auch, die UWG „ist unentschieden” und die SPD „hält sich raus”.

Käme es jetzt in Roetgen zum Schwur, dann würden nach Hübners Einschätzung nur die Grünen zustimmen und damit ihre Aachener Parteifreunde unterstützen. Denn diese Riesen-Windräder würden von Aachener Seite schließlich „besonders dem Wunsch der Grünen” entsprechend errichtet. Hübner: „Es klingt total widersinnig, aber um diese Monster-Windräder durchzudrücken, ist den Grünen offenbar jedes Mittel recht, auch das Fällen einer Masse von alten, 30 Meter hohen Bäumen.”

Auf Kammrücken verlegen

Laut Hübner ist nicht die Idee falsch, sondern der Ort. Würde man die Windpark auf einem der Kammrücken der Eifel errichten, wo er niemanden störe, wo es keine andere Bebauung gebe und wo das ganze Jahr hindurch genügend Wind wehe, habe niemand etwas dagegen. Aber dort spiele dann er Umweltschutz die entscheidende Rolle.

Vor den Toren Roetgens bezeichnete Hübner einen Windpark indes als „Schnickschnack”, und es sei nicht weiter verwunderlich, dass die Stadt Aachen den Windpark weit nach draußen an die Stadtgrenze verlege, um ihren Bürgern diesen Anblick zu ersparen.

Wann und wo sich die Bürgerinitiative formal gründet, steht noch nicht fest. Dass sie sich gründet, ist laut Hübner sicher: „Wir Roetgener sehen uns jetzt gezwungen, auf die Entscheidung in Aachen zu reagieren. Wir wollen keinen Windpark im Münsterwald!”
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