Neutrale Schlichter helfen bei Streit rund um die Pflege

Von: Daniel Gerhards
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Im kommenden Jahr wartet eine Menge Arbeit auf die Seniorenombudsmänner: Simon Robert (l.) und Werner Wolff wollen möglichst viele Pflegeeinrichtungen in Aachen für ihre Arbeit begeistern. Foto: Daniel Gerhards

Würselen. Die beiden kommen ganz schön rum. Simon Robert und Werner Wolff sind seit einem Jahr Ombudsmänner für Senioren. Bei ihrer Arbeit lernten sie viele Pflegeeinrichtungen im ehemaligen Kreis Aachen kennen. Ihr Ziel: „Wir wollen uns um die Belange der älteren Menschen kümmern”, sagt Simon Robert.

Als Robert und Wolff das Amt Anfang 2009 von Franz Breuer, der neun Jahre lang Seniorenombudsmann des Kreises gewesen war, übernahmen, mussten die beiden vieles lernen. „Für uns war das absolutes Neuland”, sagt Werner Wolff: „Wir haben viele Gespräche mit den Heimleitungen geführt, denn für uns war es wichtig, einen vertrauensvollen Kontakt aufzubauen.”

Als neutrale Schlichter suchen die Ombudsmänner engen Kontakt zu Pflegebedürftigen und Pflegeeinrichtungen. Wolff: „Wir verstehen uns als Partner der Häuser und der Menschen, die dort betreut werden.”

Das Amt des Ombudsmanns gibt es im ehemaligen Kreis seit 1996. Er wird immer dann tätig, wenn es Beschwerden in stationären Pflegeeinrichtungen, in der Tages- oder Kurzzeitpflege sowie in ambulanten Pflegeeinrichtungen gibt. Allerdings nur, wenn sich die Einrichtungen zuvor zum Ombudsmann-Verfahren bekannt haben.

„Wenn die Häuser keinen Vertrag mit uns haben, darf der Ombudsmann nichts machen”, sagt Heinz Müller, Leiter des Amtes für Altenarbeit der Städteregion, der froh über die politische Nähe der beiden ist. Der Alsdorfer Simon Robert (SPD) und der Eschweiler Werner Wolff (CDU) waren beide über Jahrzehnte in der Kommunalpolitik aktiv. „Durch die Verbindungen, die beide mitbringen, können sie sehr effektiv und wirkungsvoll arbeiten”, sagt Müller.

Die Ombudsmänner werden häufig gerufen, wenn Pflegebedürftige oder Angehörige mit der Einstufung in eine Pflegestufe unzufrieden sind oder bei ungeklärten Fragen des Betreuungsrechts. In „festgefahrenen Situationen” können sie als „neutrale Dritte” oft einiges bewegen, erklärt Simon Robert. Wenn sich ältere Menschen bei fortgeschrittenen Krankheiten noch für fitter halten, als sie sind, ist das auch für die Ombudsmänner eine emotionale Situation. „Das geht einem schon sehr nahe”, sagt Robert.

Besonders stolz sind die beiden darauf, dass sie bisher noch keinen Schiedsspruch fällen mussten. „Wir versuchen immer, uns mit den Leuten zu einigen”, sagt der 66-jährige Wolff: „Bei einem Schiedsspruch bleiben immer Unzufriedene zurück.”

Wolff und Robert geht es bei ihrer Arbeit nicht nur um klassische Beschwerdefälle, sie wollen so viel wie möglich über die Zustände in den Pflegeeinrichtungen erfahren. Wolff: „Wir wollen wissen, was hinter den Kulissen los ist und ob sich die Leute wohlfühlen. Dafür führen wir auch Gespräche mit den Bewohnern, wenn die Heimleitung nicht dabei.” In den allermeisten Fällen seien die Pflegebedürftigen zufrieden mit ihrer Betreuung.

Für besonders gute Betreuung vergeben die Ombudsmänner ein Gütesiegel. Damit belohnen sie Pflegeeinrichtungen, die besonders auf die Bedürfnisse ihrer Bewohner eingehen. Als Grundvoraussetzung müssen sich die Einrichtungen und ambulanten Dienste dem Ombudsmann-Verfahren angeschlossen haben.

Mit dem Beginn des kommenden Jahres nehmen die Ombudsmänner ihre Arbeit auch in der Stadt Aachen auf. Simon Robert: „Wir wollen uns auch dort darum kümmern, in welcher Qualität die Menschen betreut werden”, sagt der 61-Jährige. „Wir müssen eine Vertrauensbasis schaffen, damit wir so viele Pflegeeinrichtungen wie möglich für uns begeistern.” Das bedeutet eine Menge Arbeit für die beiden Ehrenamtler: Knapp 60 Pflegeeinrichtungen gibt es in der Stadt Aachen.

Im ehemaligen Kreis haben sich alle 36 stationären und knapp zwei Drittel der ambulanten Einrichtungen dem Verfahren angeschlossen. Gelänge das auch in der Stadt Aachen, so betonen beide, hätte das positive Auswirkungen für die Pflegebedürftigen und die Einrichtungen.
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