Nordeifel - Neuntöter brütet umgeben von Wanderern und Radlern

Neuntöter brütet umgeben von Wanderern und Radlern

Von: Günter Krings
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Der Neuntöter ist noch vielerorts in der Nordeifel anzutreffen. Foto: Günter Krings

Nordeifel. Wenn Menschen Wildtieren zu nahe kommen, ergreifen diese die Flucht und ziehen sich zurück. Jeder Wanderer, der einmal Rehe oder Hirsche zu Gesicht bekommen, kann das bestätigen. Und wenn ein Fuchs einem Wildkaninchen zu nahe kommt, ergreift auch dieses die Flucht und flieht in seinen Bau.

Diese Fluchtdistanz ist jedoch bei jedem Tier anders. Es scheint so zu sein, dass bei größeren Wildtieren die Fluchtdistanz größer ist als bei kleineren Tieren.

Ein Beispiel dazu: Ein Graureiher lässt Menschen nicht so nahe an sich herankommen wie eine Amsel oder ein Buchfink. Andererseits können sich Tiere auch an Menschen gewöhnen, sonst würden Füchse nicht so häufig in unseren Dörfern gesehen werden. Weißstörche haben manchmal überhaupt keine Fluchtdistanz zu ihren menschlichen Mitbewohnern in den Dörfern.

Einer der am meisten frequentierten Rad- und Wanderwege in der Nordeifel ist der Talweg zwischen Dedenborn und Einruhr. In der Hauptsaison begegnet man dort täglich vielen Wanderern und Radfahrern. Trotzdem brüten in den Hecken am Rande dieses Weges jedes Jahr Neuntöter. In diesem Jahr haben hier drei Paare erfolgreich Junge großgezogen trotz der vielen Radfahrer und Wanderer. Die Vögel haben sich an die Menschen dort gewöhnt und betrachten sie wohl nicht als Feinde.

Neuntöter gehören in die Gruppe der Singvögel, obwohl man ihren leisen Gesang nur selten hören kann.

Ihren etwas unheimlich klingenden Namen hat man den Vögeln deshalb gegeben, weil sie, wenn Nahrung im Überfluss da ist, diese nicht alle verzehren, sondern auf Dornenspitzen aufspießen, um in Notzeiten wie Regenwetter Nahrungsvorräte haben, um damit ihre Brut füttern zu können. Zu seiner Nahrung zählen große Insekten, aber auch Mäuse und kleine Vögel, er brütet in halboffenen Landschaften, die ein gutes Angebot an Hecken und Sträuchern haben, aber auch Wiesen, die nicht zu früh gemäht werden und die ein großes Angebot an blühenden Pflanzen haben, wo sich Insekten ansammeln.

Als Ansitzwarten zur Jagd und zur Revierbeobachtung sowie zur Nestanlage benötigt er bis zu drei Meter hohe Gebüsche, die in der Regel Weißdorn und Schlehen sein sollten. Infolge von Flurbereinigungsmaßnahmen in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts sind viele alte Hecken verschwunden. Die kleinbäuerliche Landwirtschaft wurde aufgegeben zugunsten großer Betriebe, die die Felder intensiv bewirtschaften müssen.

Aktuelle Vorkommen des Neuntöters in unserer Heimat sind das Rurtal zwischen Dedenborn und Einruhr, der Bereich Fuhrts- und Perlbachtal, Kranzbruch bei Simmerath, Kluckbachtal bei Höfen, „Auf den Kempen“ bei Simmerath, Wiesenhänge zwischen Woffelsbach und Hechelscheid. Bei einer Zählung im Jahre 2011 wurden im Raum Simmerath/Monschau mindestens 30 besetzte Reviere erfasst.

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