Rurberg - Neues Schiff schwebt über dem Rursee ein

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Neues Schiff schwebt über dem Rursee ein

Von: ag
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Rurseeschiff
Angekommen in der Nacht: Mit einer spektakulären Aktion ist am Donnerstagmorgen ein neues Schiff auf dem Rursee zu Wasser gelassen worden. Foto: Andreas Gabbert

Rurberg. Es ist noch dunkel, als sich die beiden gewaltigen Turmdrehkräne in Rurberg in Position begeben. Zwischen ihnen, auf der Dammkrone, die den oberen und den unteren Teil des Rursees voneinander trennt, liegt auf einem Lkw der Rumpf eines Schiffes. Darauf herrscht emsiges Treiben.

Die Funken der Schweißgeräte leuchten im Dunkeln, und laute Hammerschläge beenden die morgendliche Stille. Die letzten Vorbereitungen laufen, bis zum Mittag soll das komplette Schiff auf dem Obersee schwimmen.

120 Kilometer auf dem Lkw

Um 22.30 Uhr war der Schiffstransport am Vorabend im rund 120 Kilometer entfernten Kempenich gestartet. Um 4.30 Uhr war er am Ziel.

„Rund 50 Verkehrsschilder mussten wir unterwegs ab- und wieder anschrauben, sonst wären wir mit einer Breite von 7,50 Metern nicht durchgekommen“, sagt Jürgen Martini, der mit seinen acht Mitarbeitern für den Transport verantwortlich ist.

Damit es keine Probleme mit der Durchfahrtshöhe von Brücken gibt, wurden der 40 Tonnen schwere Rumpf und die 28 Tonnen schwere Dachkonstruktion auf zwei Lkw transportiert.

Ende März hatte der Schiffsbauer Rainer Ritzdorf mit dem Entwurf der Pläne für das Schiff begonnen. Seit 1981 hat er mit dem Stahlbauer Günter Müller viele Schiffe gebaut.

So auch diesmal. In Müllers Betrieb wurden die Teile zusammengesetzt und geschweißt. Ende vergangener Woche waren die beiden Teile des Schiffes fertig und konnten auf die Reise gehen.

Nottaufe im Morgengrauen

Als die Sonne über dem Obersee aufgeht, ist es soweit. Schwere Ketten legen sich um den Rumpf, die Motoren der Kräne werden lauter und ganz langsam hebt sich das Schiffsteil in die Höhe.

Bevor der erste Teil das Wasser berührt, ist der Zeitpunkt für die so genannte Werft- beziehungsweise Nottaufe des Schiffes.

„Jedes Schiff hat seine eigene Charakteristik, deshalb trägt es ja auch einen Namen“, erklärt Günter Müller, bevor er gemeinsam mit der Geschäftsführerin der Rurseeschifffahrt, Waltraud Heuken, die obligatorische Flasche Champagner an der Wand des Schiffes, das bislang lediglich Nummer 8 heißt, zerschellen lässt.

„Allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel“, wünscht er noch, dann hat Günter Müller nur noch Augen für sein Werk. Er gibt lautstark Anweisungen, dirigiert seine Mitarbeiter und beobachtet, wie der Rumpf über das Geländer in Richtung Wasser schwebt. Platsch! Die Landung ist geglückt. Erstmal können alle aufatmen.

Die 60 Jahre alte St. Nikolaus, die im Frühjahr durch das neue Schiff ersetzt werden soll, liegt direkt daneben im Wasser und zieht die mehrere Finger dicken Taue zur Anlegestelle, um die Konstruktion zu sichern, schließlich fehlt ja noch das Dach.

Auf dem neuen Schiff werden deutlich mehr Fahrgäste Platz finden. Die St. Nikolaus geriet mit ihren 60 Plätzen öfter an ihre Grenzen. Nun werden 250 Plätze zur Verfügung stehen.

„Viel wichtiger ist aber, dass wir jetzt auch eine Toilette an Bord haben, die auch noch behindertengerecht ist“, sagt Waltraud Heuken. Auf der St. Nikolaus gab es keine Toilette. „Deshalb haben wir auch keinen Kaffee ausgeschenkt“, sagt Heuken.

Im Schlepptau nach Einruhr

Ihre Aufregung legt sich langsam. „Völlig beruhigt bin ich aber erst, wenn wirklich alles fertig ist. Das ist wie beim Hausbau. Irgendwas passiert immer noch unerwartet“, sagt sie.

Jetzt muss das Dach auf den Rumpf. Das geht relativ zügig. Innerhalb weniger Minuten sitzt die Konstruktion. Jetzt ist der „Rohbau“ komplett und wird von starken Männern hinüber zur Anlegestelle gezogen.

Dort werden jetzt noch die Fenster eingesetzt, bevor die St. Nikolaus das neue Schiff nach Einruhr schleppen wird, wo der Innenausbau erfolgen wird. Dabei soll möglichst viel Holz und möglichst wenig Plastik zum Einsatz kommen. „Die Aufträge sind schon alle verteilt“, sagt Heuken.

Bis zum Start der neuen Saison Anfang April soll alles fertig sein. „Bis dahin haben wir uns auch für einen richtigen Namen entschieden“, verspricht die Geschäftsführerin der Rurseeschifffahrt. Dann wird das Schiff wohl zum zweiten Mal getauft.

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