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Neue Friedhofssatzung erlaubt alternative Bestattungen

Von: ag
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Die Bestattungskultur verändert sich. Im Stadtgebiet Monschau liegt der Anteil der Urnen- beziehungsweise Aschebeisetzungen inzwischen bei über 70 Prozent. Das hat Auswirkungen auf die Gebühren und die Gestaltung der Friedhöfe. Das Bild zeigt den Friedhof in Imgenbroich. Foto: A. Gabbert

Monschau. „Das Sterben wird auch in Monschau teurer“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Monschauer SPD-Fraktion, Gregor Mathar, als es jetzt im städtischen Haupt- und Finanzausschuss um die Erhebung von Friedhofsgebühren ging. Dafür sollen künftig auch sogenannte alternative Bestattungsformen möglich sein.

Dem Monschauer Stadtrat liegt eine neue Friedhofssatzung zur Beschlussfassung vor. Zur Deckung der Friedhofskosten müssen in diesem Zusammenhang auch die Gebühren angepasst werden. Dabei wird zwischen drei unterschiedlichen Gebührenarten unterschieden. Es gibt die Grabnutzungsgebühr für die Nutzung einer Grabstätte für die Dauer der Ruhezeit, die Bestattungsgebühr für den Aushub und das Schließen des Grabes und die Gebühr für die Nutzung der Friedhofskapelle zum Aufbahren der Leiche beziehungsweise für die Trauerfeier.

„Samstagszuschlag“ erhöht

Die Grabnutzungsgebühr wird deutlich steigen. Laut der Sitzungsvorlage der Verwaltung ist dies im Wesentlichen auf gestiegene Personalkosten, auf rückläufige Sargbestattungen und geringere Erträge aus der Vergabe beziehungsweise Verlängerung von Wahlgräbern zurückzuführen.

Ein herkömmliches Reihengrab soll künftig 1390 Euro statt bisher 1190 Euro kosten. Für ein Urnenreihengrab werden 930 statt 790 Euro fällig. Die Sargbestattung im Doppelwahlgrab steigt um 500 Euro von 4400 auf 4900 Euro. Die Bestattung im Urnendoppelwahlgrab steigt sogar um 600 Euro von 2900 auf 3500 Euro.

Neu hinzu kommen alternative Bestattungsformen. So sieht die neue Gebührensatzung bei einem pflegefreien Urnengemeinschaftsgrab die gleiche Nutzungsgebühr wie bei einem Urnenreihengrab (930 Euro) vor. Bei einem „halbanonymen Urnengrab in besonderer Lage“ (Baumgräber) wird die Gebühr auf zwei Drittel der Gebühr für ein Urnenreihengrab (620 Euro) reduziert.

Auch bei den Bestattungskosten ergeben sich teilweise höhere Gebührensätze, die laut Verwaltung auf die gestiegenen Personalkosten und eine Korrektur bei den kalkulatorischen Kosten (die jährliche Abschreibung für die Sarg-Senkapparate und Friedhofswagen war nicht berücksichtigt worden) zurückzuführen sind.

So steigt die Bestattungsgebühr bei einem herkömmlichen Reihengrab von 430 auf 480 Euro und bei einem herkömmlichen Doppelwahlgrab von 520 auf 580 Euro. Bei einem Urnenreihengrab sinkt die Gebühr leicht von 210 auf 200 Euro, bei einem Urnendoppelwahlgrab von 270 auf 260 Euro. Der „Samstagszuschlag“ wurde in der neuen Gebührensatzung, nachdem er seit 1990 nicht mehr geändert wurde, von 50 auf 75 Euro angehoben.

„Nicht mehr realistisch“

Die Aufwendungen für den Betrieb der Friedhofskapellen hat sich nach der Kalkulation für das Jahr 2016 zwar um 9682 Euro auf 30.681 Euro verringert, die Verwaltung hält die Erhebung einer kostendeckenden Gebühr dennoch für „nicht mehr realistisch“. Der Grund dafür sei die Veränderung der Bestattungskultur, inzwischen betrage der Anteil der Urnen- beziehungsweise Aschebeisetzungen über 70 Prozent. Dieses Thema sei auch bei der Erstellung des Haushaltssanierungsplanes für die Jahre 2012 bis 2021 aufgegriffen worden, schreibt die Verwaltung.

Zur Konsolidierung des Haushaltes sei ab dem Jahr 2014 eine Reduzierung von derzeit sieben Trauerhallen im Stadtgebiet auf vier Hallen einstimmig vom Stadtrat beschlossen worden. Diese solle durch die Übertragung auf einen anderen Träger oder durch Abriss der Gebäude erfolgen.

Bislang wurden für die Nutzung der Friedhofskapellen bei einer Aufbahrungszeit von einem Tag 180 Euro fällig, bei einer Aufbahrungszeit von zwei Tagen 340 Euro, bei einer Aufbahrungszeit von drei und mehr Tagen 480 Euro. Für die Nutzung der Kapelle und des Vorplatzes am Tag der Beisetzung wurden 120 Euro berechnet.

Für die neue Festsetzung der Gebühren für die Nutzung der Friedhofskapellen hat die Verwaltung der Politik nun zwei Vorschläge unterbreitet. Die erste Alternative sieht eine Fortsetzung der bisherigen Praxis vor. Hier sieht die Verwaltung lediglich bei der Gebühr für die Nutzung am Tag der Beisetzung Spielraum für eine schrittweise Anhebung auf 180 Euro. Die zweite Variante sieht eine von der Nutzungsdauer unabhängige Gebührenpauschale von 390 Euro vor. Die Gebühr für die Nutzung am Tag der Beisetzung würde dann 195 Euro betragen.

Trotz der Gebührenerhöhungen rechnet die Verwaltung mit einer Unterdeckung von 5400 Euro. Erträgen von 227.610 Euro stehen Aufwendungen in Höhe von 233.010 Euro gegenüber.

Der Vorsitzende der CDU-Fraktion, Micha Kreitz, sprach von zwei Seiten einer Medaille. Die Ziele müssten sein, viele Bestattungsmöglichkeiten anzubieten und gleichzeitig die Kosten im Blick zu behalten. Er zeigte Verständnis für die Erhöhung des „Samstagszuschlags“, regte aber an, diese künftig öfter, dafür aber in kleineren Schritten vorzunehmen.

Kreitz stellte fest, dass die Friedhofskapellen oft drei Tage oder länger genutzt würden. Dies könne auch mit einer veränderten Priestersituation und damit einhergehenden Wartezeiten zu tun haben, sagte er. Im Namen der CDU-Fraktion sprach er sich für die zweite Alternative aus. „Davon hätte die Mehrzahl der Fälle einen Vorteil“, erklärte Kreitz.

„Signal an die Dörfer“

Man sei angetreten, alle Friedhöfe zu erhalten. Das sei auch ein Signal an die Dörfer, sagte der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Gregor Mathar. Gleichzeitig sollten die Friedhöfe möglichst pflegeleicht sein und neue Formen der Bestattungen ermöglichen. Die Kosten durch die neuen Bestattungsformen würden die Politik sicher noch beschäftigen.

Das Sterben werde auch in Monschau teurer. „Wir wollten das anders haben, außer bei den alternativen Bestattungsformen ist das nicht gelungen“, sagte Mathar. Beim Thema Friedhofskapellen signalisierte Mathar noch Beratungsbedarf seiner Fraktion. Bislang habe man aber die bisherige Lösung favorisiert, da sonst die Möglichkeit einer Aufbahrung für ein oder zwei Tage wegfalle. Er bat um eine Aufstellung der bisherigen Nutzung.

Kurt Victor (FDP) verwies darauf, dass durch mehr Urnenbestattungen und veränderte Ruhezeiten mehr Fläche auf den Friedhöfen ungenutzt bleibe, die man dann der Allgemeinheit zur Verfügung stellen könne. „Das wäre auch für die CDU ein interessantes Thema“, sagte Kreitz. Er verwies aber auch darauf, dass es mehr Flächenbedarf geben könne als man zunächst vermute. Außerdem müsste man das Thema angesichts des Ziels der Haushaltskonsolidierung diskutieren.

Der Vorsitzende der Fraktion der Grünen, Werner Krickel, regte an, dieses Thema bei einem erfolgten Haushaltsausgleich neu zu besprechen. Viele aus seiner Sicht wichtiger Punkte wie etwa die Nutzung der Friedhofskapellen seien bereits angesprochen worden, sagte Krickel. Zusätzlich schlug er vor, den Kostenansatz für die Pflege der Urnengräber in der Kalkulation höher zu beziffern, um so die Kosten an die Ruhezeit anzugleichen. Seine Fraktion könne dem zweiten Verwaltungsvorschlag folgen, erklärte Werner Krickel.

Die Nutzung der Friedhofsflächen müsse auch wirtschaftlich betrachtet werden. „Man kann nicht einfach aus der Hälfte eines Friedhofes ein Neubaugebiet oder landwirtschaftliche Flächen machen“, sagte Bürgermeisterin Margareta Ritter. Ein Beschluss wurde noch nicht gefasst, dies soll in der Ratssitzung am kommenden Dienstag erfolgen.

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