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Neu: Motorradfahrer werden von hinten geblitzt

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
Dezent an eine private Edeltan
Dezent an eine private Edeltanne schmiegt sich die neue stationäre Überwachungskamera in Rollesbroich, die vor allem Motorradfahrer ins Visier nimmt. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Wenn eine Blitze auslöst, haben Motorradfahrer gut Lachen. Schließlich sind sie auf dem Bild nicht zu identifizieren. Das Nummernschild am Heck ihres Fahrzeugs lichten die stationären Anlagen nicht ab - bisher.

Denn nun Wird auch von hinten geblitzt. Am Ortsausgang von Rollesbroich steht in Fahrtrichtung Lammersdorf in Höhe des Trafohäuschens eine neue stationäre Überwachungsanlage, die in Kombination mit der bereits vorhandenen Kamera von vorne und hinten fotografiert.

Zur Rechtssicherheit benötigte man zwingend beide Bilder: Das vom Nummernschild, um den Halter zu ermitteln. Und das von vorne, um zu sehen, wer gefahren ist. Trotz Helm gelinge es, die Fahrer zu identifizieren, sagt Holger Benend von der Pressestelle der Städteregion. „Wir nehmen durch das Visier auf. Dabei bekommen wir verwertbare Fotos.”

Vor Gericht habe man mit den Bildern gut Karten, sagt Benend. Denn das Messverfahren sei gerichtlich anerkannt. Man müsse allerdings in jedem Einzelfall entscheiden, ob der Fahrer des Motorrads zu erkennen ist. Das ließe sich auch über morphologische Gutachten klären, sagt Benend. Ein abgeschlossenes Gerichtsurteil zu einem solchen Fall liege allerdings noch nicht vor.

Zwei Fotos zu machen, ist nun möglich, da an der bestehenden Anlage vor den „Messschleifen” im Boden nun eine weitere baugleiche Messanlage aufstellt wurde. Diese weist allerdings in die andere Richtung. Den Impuls liefert weiter die Kamera, die das Frontfoto aufnimmt. Das Messverfahren werde durch diese Erweiterung nicht verändert, heißt es von Seiten der Städteregion.

Solche Anlagen gebe es bisher nur in Wuppertal und im süddeutschen Raum, sagt Benend. Die Behörde möchte damit der großen Zahl von Zweiradunfällen begegnen. 2011 gab es im ehemaligen Kreis Aachen 110 verunglückte Motorradfahrer.

161 Motorradunfälle gab es in der gesamten Städteregion. Im Jahr zuvor waren es rund 30 Prozent weniger. Zudem zeigt die Statistik, dass Zweiradfahrer häufig zu schnell unterwegs sind. An den 52 stationären Geschwindigkeitsmesspunkten im Alt-Kreis Aachen wurden im Jahr 2011 mehr als 15.000 Zweiräder geblitzt. Natürlich konnte kein Fahrer ermittelt werden.

Rund 200.000 Überschreitungen - egal mit welchem Fahrzeug - stellte die Städteregion in 2011 insgesamt fest. Der „markanteste Punkt” für zu schnelles Fahren von Zweirädern sei der Ortsausgang Simmerath-Rollesbroich in Fahrtrichtung Lammersdorf.

Dort seien in 2011 mehr als 2000 Motorräder zu schnell unterwegs gewesen. Viele Motorradfahrer werden dort wohl auf dem Heimweg in Richtung Aachen vorbeikommen. Denn von der „Biker-Ranch”, einem bekannten Treffpunkt für Motorradfahrer in Strauch, gelangt man über Rollesbroich nach Aachen.

Die Städteregion rechnet damit, dass der Anschaffungspreis für die neue Kamera - denn die ist wie bei allen Blitzanlagen die kostspielige Komponente - binnen eines Jahres durch zusätzliche Bußgelder ausgleichen wird.

Die Doppel-Blitze ist seit ein paar Tagen in Betrieb. Aber in den Wintermonaten will die Städteregion die Kamera an anderer Stelle nutzen. Denn mehr als 95 Prozent der zu schnellen Zweiradfahrer in Rollesbroich wurden zwischen April und Oktober gemessen. Deshalb soll die Kamera, die von hinten blitzt, in den Wintermonaten in Alsdorf an der Eschweilerstraße in Fahrtrichtung Mariadorf Dreieck eingesetzt werden.

Mit einer mobilen Anlage zur Geschwindigkeitsmessung von vorne und hinten ist die Städteregion bereits seit Februar 2011 unterwegs. Die Erfahrung zeigt, dass Motorradfahrer, die zu schnell erwischt wurden, ihre Strafe in der Regel begleichen. „Die Zahlungsmoral ist ähnlich, wie bei den Pkw-Fahrern. Die meisten zahlen.”, sagt Benend.

Mit der neuen stationären Blitzanlage will die Städteregion auch ein Zeichen setzen. „Bisher mussten Motorradfahrer nicht damit rechnen zur Kasse gebeten zu werden, außer sie sind direkt in eine Polizeikontrolle gefahren”, sagt Benend. Doch jetzt soll damit Schluss sein. „Wir wollen und können das jetzt ahnden.”
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