Naturschützer wollen die Wisente nicht

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Nach Auffassung der Naturschützer ist für eingezäunte Wisente im Nationalpark kein Platz. Das Verfahren wird nun neu aufgerollt.

Nordeifel. Nicht ausreichend beteiligt fühlen sich die Naturschutzverbände in Angelegenheiten des Nationalpark. Die Empörung war so groß, dass man überlegte, sich an die Europäische Union zu wenden. Doch ein Treffen im NRW-Umweltministerium wendete dies jetzt ab.

Volker Hoffmann gilt als „Vater” des Nationalparks Eifel. Unmittelbar, nachdem die belgischen Streitkräfte ihren Abzug aus Vogelsang bekannt gegeben hatten, entwickelte er die Idee des Nationalparks. Was damals vielleicht als Vision anmutete, wurde in Rekordzeit Wirklichkeit. Hoffmann selbst stecke viel Energie in das Projekt, trug maßgeblich zur Gründung des Fördervereins Nationalpark Eifel bei.

Doch inzwischen geht der Nationalpark eigene Wege. Bereits vor einem Jahr legte Hoffmann den stellvertretenden Vorsitz im Förderverein nieder. Sich zurücklehnen und die Entwicklung zu beobachten, ist Hoffmanns Sache dennoch nicht.

Was in erster Linie vom Kreis Euskirchen und der Nationalpark-Verwaltung für den Nationalpark geplant wird, gefällt Hoffmann und seinen Mitstreitern der Naturschutzverbände nicht. Die mangelnde Beteiligung - etwa an Projekten und Bauvorhaben - halten sie für nicht mit der Nationalpark-Verordnung vereinbar.

Da die Naturschutzverbände das Gefühl hatten, ständig vor verschlossene Türen zu laufen, drohten sie, sich an Brüssel zu wenden. Vom Europäischen Parlament beziehungsweise der IUCN (International Union for Conservation of Nature) hätten sie klären lassen wollen, ob die Verfahrensweise im Nationalpark Eifel und in den damit verbundenen Projekten rechtlich in Ordnung ist.

Doch diese Option ist zumindest vorerst vom Tisch. Ausschlaggebend war ein Treffen im NRW-Umweltministerium, an dem neben Thomas Neiss und anderen Ministeriums-Vertretern auch Manfred Poth und Georg Persch vom Kreis Euskirchen teilnahmen. Knapp drei Stunden dauerte laut Teilnehmern das teils „sehr konkret und heftig geführte” Gespräch.

Es ging vor allem um Großprojekte im Nationalpark: die im Bau befindliche Urftsee-Brücke und das geplante Wisent-Gehege bei Mariawald.

Über den Sinn der Urftsee-Brücke mag man angesichts des steil bergan führenden Wegs in Richtung Vogelsang trefflich streiten. Doch einen derartigen Streit wollen Hoffmann und die Naturschutzverbände nicht führen. Zwar könne man laut Hoffmann durchaus einen erneuten Baustopp gerichtlich anordnen lassen, doch da der Bauherr daraufhin den Klageweg bestreiten würde, wären die Verbände spätestens hier am Ende ihrer Möglichkeiten: Für eine langwierige juristische Auseinandersetzung fehlt das Geld.

Sie beklagen das aus ihrer Sicht nicht korrekte Verfahren, die mangelnde Einbeziehung der so genannten Träger öffentlicher Belange und die Durchführung des Baus. Baum- und Artenschutz etwa würden nicht ausreichend beachtet. Sie gehen davon aus, dass durch den nun gestarteten Bau bereits zahlreiche der streng geschützten Mauereidechsen umgekommen sind.

Verfahren neu aufrollen

Im Gespräch wurde nun vereinbart, dass Bedenken der Naturschützer stärker berücksichtigt werden. Die Verbände legen auf eine ökologische Baubegleitung Wert.

Ein weiterer Knackpunkt ist aus Sicht der Naturschutzverbände das geplante Wisent-Projekt bei Mariawald. Soll dieses im Nationalpark oder außerhalb realisiert werden? Das umzäunte Gehege, in dem die Wisente gefüttert und tierärztlich betreut werden, steht aus Sicht der Naturschützer im Gegensatz zur Nationalpark-Verordnung, weil das Gehege als „Bauwerk” und das Projekt als „Zuchtprogramm” einzustufen seien. Es entstehe, so Hoffmann, „ein Zoo, der nichts mit Nationalpark zu tun hat”.

Am Sonntag wurde vereinbart, dass das Verfahren komplett neu aufgerollt wird. Es sollen ein Fachkolloquium stattfinden und Gutachten erstellt werden. Fraglich wird sein, ob das Gehege innerhalb oder außerhalb des Nationalparks realisiert wird. Frühestens 2010 wäre mit den Wisenten zu rechnen.

Die Naturschutzverbände hoffen nun auf eine faire Beteiligung.
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