Nach dem Abitur am liebsten endlich mal nach Indien

Von: jb
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Da wollen sie hin: Vincent und Leander Rudolf (v.l.) setzten sich für Kinder in Mumbai ein. Foto: Julia Bäumler

Monschau/Roetgen. Im Alter von sieben Jahren leben Kinder meist sorgenlos, spielen den ganzen Nachmittag lang, und machen sich keine große Gedanken darüber wie es in der Welt aussieht. Jedenfalls ist das in den meisten Fällen so: Vincent Rudolf aus Monschau hingegen war anders.

Er wurde mit sieben Jahren aufmerksam auf andere Kinder, denen es nicht so gut geht. Anstatt sich nur mit seinen eigenen Anliegen zu beschäftigen, wird Vincents Interesse für ein Kinderdorf in Mumbai schon in jungen Jahren geweckt. Bei seiner damaligen Tagesmutter Helga Schierke in Roetgen bekam er mit, wie diese immer wieder Vorbereitungen für die Treffen mit einem Arbeitskreis vornahm, welcher sich für das Leben in einem Kinderdorf in Mumbai einsetzt.

Es dauerte nicht lange und auch Vincent war tatkräftig dabei und half an allen Ecken. Oft trug er Gedichte in seiner Familie vor, wofür er einen kleinen Lohn bekam, und diese Pfennigbeträge spendete er immer wieder dem Arbeitskreis, um diesen zu unterstützen. Auch sein gesamtes Taschengeld, so berichtet er, ließ er damals dem Verein zukommen.

Heute, zehn Jahre später, ist Vincent Rudolf dem Verein immer noch treu. Durch Weihnachts- und Osterbasare erwirtschaftet der Arbeitskreis jedes Jahr Beträge, die dann dem 1972 gegründeten indischen Kinderdorf Ma Niketan zugute kommen. Insgesamt 400 Kinder leben in dem Dorf, fast ausschließlich Mädchen.

Dort wird ihnen ermöglicht von der Straße weg zu kommen und einen staatlich anerkannten Abschluss zu absolvieren. Somit wird auch den Kindern in Indien, die Probleme haben, ein guter Start in die Zukunft ermöglicht. Der letzte Weihnachtsbasar sei auch wieder ein Erfolg gewesen, berichtet Vincent. Durch eine Cafeteria, den Verkauf von handgemachten Sachen, einen Flohmarkt und eine große Tombola wurden mehrere tausend Euro erwirtschaftet. Mit fast 300 Preisen, die von ortsansässigen Unternehmen gespendet worden, etablierte sich die Tombola besonders gut.

Der Erlös der Basare, berichtet Vincent, käme dann dem Kinderdorf zugute. Dort gebe es eine Krankenstation, eine Schule und Unterbringungen für die Kinder, welche anlaufende Kosten verursachen, die durch die Erlöse gedeckt würden. Und auch neue Anschaffungen wie z.B. Unterrichtsmaterialien seien durch das Projekt möglich.

In diesem Jahr half Vincent bei der Tombola. Bis zum vergangen Jahr hatte er gemeinsam mit seinem Bruder Leander Karten gestaltet und sogar eigene Gedichtsbände verfasst. Doch da er nun kurz vor dem Abitur steht und sich in der Weihnachtszeit mitten in einer Klausurphase befand, konnte er in diesem Jahr die Zeit dazu leider nicht aufbringen.

Doch trotz dem ganzen Stress bleibt Vincent dem Verein treu. Er ist erfreut über die hohe Spendenbereitschaft, und darüber, dass bis jetzt nie große Einbrüche in dieser zu verzeichnen waren.

Nun laufen die Vorbereitungen für den Osterbasar auf Hochtouren: Über das ganze Jahr werden die Bestände aufgefüllt und Sponsoren angeworben. „Ich hoffe, dass ich trotz meiner Abiturvorbereitungen vorbei schauen kann“, sagt er.

Obwohl er auch im April sein Abitur schreiben wird, weicht ihm der Gedanke an das Charity-Projekt nicht aus dem Kopf. Doch durch seine Mutter, die sich ebenfalls im Arbeitskreis engagiert, könne er trotz allem informiert bleiben. Ist das Abitur dann erstmal geschafft, bleibt Vincent vor seinem Wunschstudium in Germanistik oder Kunstgeschichte, ein wenig Zeit.

Diese möchte er dann vielleicht nutzen, um sich das Dorf einmal selbst anzusehen. „Ich fände es interessant, dem Kinderdorf einen Besuch abzustatten und habe es mir tatsächlich schon ein paarmal durch den Kopf gehen lassen, dort hin zu reisen“, sagt er. Dann könnte er endlich diejenigen Dinge kennen lernen, die sein Leben bisher so sehr beeinflussten. Denn auch in seinem Buch „Nachgedacht – Rettung Planet Erde“, das er im Alter von 15 Jahren verfasste, beschäftigt sich eine Geschichte mit der Kinderarbeit in Indien.

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